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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-07-01 · Heft 7 (1.7.1884) · p. Seite 155

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 7 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 155 (sequence 9)
Language
German
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155 Diese hatten schon früher in Frankreich die Bibel in die Landessprache (provenyalisch) übersetzen lassen*). id. S. 831. „Sie (die wahren Frommen) werden besonders durch die falschen Hirten verfolgt. Wenn noch Einer ist, der nicht fluchen, nicht schwören, nicht lügen, nicht Ehebruch begehen, nicht morden, nicht fremdes Gut an sich reißen, sich nicht an seinen Feinden rächen will, so sagen sie, daß es ein Waldenser und der Strafe würdig sei." it>. S. 822. „Als Jnnocenz IV. in der Mitte des 13. Jahrhunderts gegen daß hohenstaufische Geschlecht wüthete, Bann und Interdikt gegen diejenigen aussprach, welche demselben treu blieben, verbreiteten sich die Häretiker (Waldenser) in Halle in Schwaben. Sie zogen die Sturmglocke und versammelten die Männer des Adels und des Volkes und predigten öffentlich: Der Papst und alle Geistliche höhern und niedern Standes seien Ketzer und Volksverführer, sie hätten keine Gewalt zu binden und zu lösen und könnten keine Sakramente verwalten, da sie in allen Lastern lebten". — Aus den hier angeführten Beispielen erhellt zur Genüge, wie in den genannten Jahrhunderten das Papsttum und die Kirche vollauf zu thun hatten, um nicht den Angriffen der häretischen Sekten zu erliegen, und wie der Kampf, den sie mit Aufbietung aller ihrer Macht zu führen hatten, sich gegen die Feinde richten mußte, die innerhalb des Christentums gegen sie aufgestanden waren, um sie zu vernichten, nicht aber gegen die außerhalb desselben stehenden Juden, die ihnen gegenüber friedlich und ruhig sich verhielten. — Jni Jahre 1209 wurde vom Papst Jnnocenz III. ein Kreuzzug gegen die Albigenser in Südfrankreich — unter diesem Namen wurden mehrere häretischen Sekten begriffen — aufgerufen, der über dreißig Jahre dauerte, mehr als 200000 Menschenleben vernichtete, manche blühende Gegend verwüstete, dafür aber all denen, welche sich an der Vertilgung der Ketzer beteiligten, Ablaß und die ewige Seligkeit zugesichert wurden. Und wenn derselbe Papst auch gegen die Juden drückende und beschämende Verordnungen erließ, so galt doch die furchtbare Inquisition, zu welcher er den Grund legte, doch nur der Ausrottung und Vertilgung der Häretiker, nicht aber den Juden. — Endlich war ein zwar von der Geschichtsschreibung wenig beachteter doch für die Juden wichtiger Umstand eingetreten, der es den maßgebenden Kreisen als ratsam erscheinen ließ, bei denselbeu kein Martyrium einzig und allein ihrer Religion willen wiederholen zu lassen. Es wurde nämlich in den genannten Jahrhunderten, wo die häretischen Sekten so sehr überhand nahmen, vielfach behauptet, die Häretiker entlehnten ihre Waffen des Angriffes dem Judentume. Teilweise und in gewisser Beziehung nicht ganz mit Unrecht. Denn waren dieselben auch durch das Dogma des Trinität generell vom Judentums geschieden, so stimmten doch manche ihrer Lehren mit den der Vernunft entsprechenden Lehren des Judentums überein. So z. B. ihre Opposition gegen die geistliche Gewalt, zu binden und zu lösen, die dem Judentum gänzlich fremd war; ihre Opposition gegen die kirchliche Genugthuung für die Sünde, da Gott, ähnlich wie das Judentum 'lehrt, die aufrichtige Reue des Sünders genüge; ihre Verwerfung der Fürbitten der Heiligen sowie das Gebet, Opfer und Almosen für die Verstorbenen, da Alles auf das Verhalten des Menschen während seines irdischen Daseins ankomme; den großen Wert, den sie aufs Bibellesen und auf *) Bekanntlich tjat die Synode von Toulouse im Jahre 1829 ein Verbot gegen die Bibelübersetzung in die Landessprache und gegen die Beschäftigung der Laien mit der Bibel erlassen.

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