Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-07-01 · Heft 7 (1.7.1884) · p. Seite 154

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 7 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 154 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2969669-2969712-2969720--1089-2971535
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

154 häretischen Sekten, welche das Papsttum und den Klerikalismus bekämpften und der Kirche in ihrer damaligen Gestalt höchst gefährlich zu werden droheten. Ich werde die diesbezüglichen Beweisstellen aus Neander Band V citiren: ib. S. 195. Im Anfänge des 12. Jahrhunderts trat ein junger Geistlicher, Arnold von Brescia, gegen die verweltlichte Kirche energisch auf. „Er verlangte, die Bischöfe und Äbte sollten von den weltlichen Besitzungen und Gerechtsamen sich lossagen und sie an die Fürsten zurückgeben*). Die unkeuschen, in Ueppigkeit und Schwelgerei lebenden Geistlichen seien unfähig, die priesterlichen Handlungen zu vollziehen." ib. 802. Ebenso war schon im Anfänge des 12. Jahrhunderts die Sekte der>Petrobrusianer, gestiftet von Peter von Bruis, im südlichen Frankreich aufgekomnien. Er verwarf die Autorität der Kirche und ihrer Lehrer, nichts als verpflichtend für den Glauben anerkennend, was sich nicht aus der Bibel erweisen ließ. Er war Gegner der Kindertaufe und in der Messe, in dem Vorgeben der Priester, daß sie den Leib Christi hervorbringen und sein Opfer wiederholen könnten, sah er nur ein Hauptmittel, die Priesterschaft zu befördern und griff diese L?hre mit Heftigkeit an. Auch gegen die dem Kreuze erwiesene Verehrung eiferte er sehr heftig. „An einem Karfreitag versammelten die Petrobrusianer eine Menge Volkes, ließen alle Kreuze, die sie herbeischaffen konnten, zusammenschleppen, ein großes Feuer daraus macheu und den kirchlichen Fastengesetzen zum Trotze Fleisch kochen, von welchem Allen geboten wurde." Peter verwarf auch den Kirchengesang. Der, welchem allein das fromme Gefühl wohlgefalle, werde weder durch laute Stimmen herbeigerufen noch durch musikalische Melodien besänftigt. Er verwarf auch Gebete, Opfer und Almosen für die Verstorbenen, da Alles auf das Verhalten des Menschen während seines irdischen Daseins ankomme. Was nach seinem Tode für ihn geschehe, könne ihm nichts nützen. ib. 800. Im 12. Jahrhundert waren im Kölnischen Sekten aufgetreten, die zwar in ihrer Opposition gegen die Kirche mit den Katharenern übereinstimmten, sich aber durch ihre biblische Richtung und durch ihre Bestreitung alles Dualistischen und Gnostischen von ihnen trennten. „Die verweltlichte verderbte Kirche, lehrten sie, hat die Macht, die Sakramente zu verwalten, verloren; die Nachfolger des Petrus haben den Anteil an der ihm übertragenen geistlichen Gewalt eingebüßt, da sie nicht in gottgeweihtem Leben ihm nachgefolgt sind .... Sie verwarfen die Fürbitten der Heiligen, die Notwendigkeit der Fasten und der kirchlichen Genugthuung für die Sünde; weder die Sünder noch die Gerechten bedürften ihrer, denn wenn der Sünder nur zu Gott seufze, würden ihm seine Sünden vergeben .... Sie bestritten die Lehre vom ignis purgatorius (Fegfeuer), indem sie behaupteten, daß schon, wenn die Seelen aus dem irdischen Leben abschieden, über ihr künftiges Loos für die Ewigkeit entschieden sei und daher erklärten sie sich auch gegen alle Gebete und andere Werke für die Seelenruhe der Abgeschiedenen". — Im Jahre 1 31 sah man in den Rheingegenden und auch in anderen Gegenden Deutschlands eine Menge Häretiker auftauchen und drei Jahre wüthete die Verfolgung gegen dieselben. Zu Trier befanden sich drei Schulen der Häretiker. Es scheinen zwar mancherlei Sekten gewesen zu sein, allein die Verbreitung der deutschen Bibelübersetzungen und die Lehre vom allgemeinen Priestertuin sind wohl Merkmale, die Waldenser erkennen lassen. ib. 219. Friedrich I., der Hohenstaufe (reg. von 1152—1190), schrieb an Papst Hadrian IV. „er habe die Kirchen und Länder den Kardinälen verschlossen, weil sie nicht kämen um zu predigen, sondern um zu plündern und ihre unersättliche Habsucht zu befriedigen."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.