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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-07-01 · Heft 7 (1.7.1884) · p. Seite 151

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 7 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 151 (sequence 5)
Language
German
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151 In der Wüste. „In der Wüste," das ist die Überschrift zu dem Buche, in welchem die Geschichte und Erlebnisse Israels im Laufe seiner vierzigjährigen Wanderung, die an den Grenzen Mizraims begonnen hatte und auf dem Boden des heiligen Landes ihr Ziel und Ende finden sollte, zu lehrreicher geschichtlicher Darstellung gelangen. „In der Wüste," so könnte auch das Buch unserer gegenwärtigen Zeitgeschichte überschrieben werden, einer Zeit, in der Israel auch auf einer Wanderung sich befindet, die zwar schon lange begonnen hat, aber noch immer nicht vollendet ist. Eine Vergangenheit des Druckes und des Elends, der Leiden und der Verfolgungen ist es, auf welche wir heutzutage mit Beruhigung des Herzens zurückschauen können, aber das Ziel der wahren Freiheit, des vollen ungetrübten Rechtes und Friedens ist noch lange nicht erreicht. Wir befinden uns auf dem Wege zu einer neuen Zukunft oder sollen uns wenigstens auf demselben befinden, sollen auf der Bahn des Heiles, die der Herr in seiner Gnade uns geöffnet hat, fortschreiten mit Mut und Entschlossenheit, erfüllt von dem erhebenden Bewußtsein, daß es der Dienst Gottes ist, den wir vollführen, die heilige Sache der Wahrheit, deren Obhut und Förderung Israels unveränderlicher Beruf ist, seine Aufgabe inmitten der Völker, seine Sendung an die Menschheit. Was hindert uns, das Ziel zu erreichen, das Werk zu vollziehen, fortzuschreiten und nach langem Wandern endlich heimisch zu werden auf dem Boden der neuen Zukunft, deren Pforten sich uns längst geöffnet haben? Jst's etwa, daß wie damals Mizraim uns nachsetzt, um Israel in die alte Sklaverei zurückzuftthren, Amalek sich uns in den Weg stellt, um uns ein weiteres Fortschreiten zu erschweren, uns zu verdrängen und dem Verderben preiszugeben? Diese Feinde kennen wir ja, sie sind nicht von gestern, sie sind heute nicht anders, als sie damals gewesen sind; unsere Zeit, an deren Himmel die Sonne der Gerechtigkeit strahlt, hat für sie keinen Boden, auf dem ihre Bestrebungen zu festem Bestände gelangen können, sie wird für ein heutiges Mizraim zu einen« hochwogenden Meere, in welchem alle Pharaonische Macht ihren Untergang findet, währenddem den Fortschreitenden, die der Fahne des Lichtes folgen, durch dessen Fluten der Weg sich bahnt, der ihrem Ziele sie entgegenführt: und wenn das räuberische Amalek seine Angriffe gegen uns richtet, dann stehen wir nicht wehrlos ihm gegenüber, es sind die Waffen des Geistes, die m«s schützen, es ist die Macht des Gesetzes, die uns Sicherheit verschafft und Ruhe verleiht. Daß wir aber trotzdem der Segnungen dieser neuen Zeit nicht recht froh werden, ja nicht ohne Schmerz und Sorge auf unsere Zukunft Hinblicken können, daß das Heilesziel Israels, das wir für so nahe halten durften, jetzt so weit in die Ferne gerückt erscheint, als ob eher ein Rückschritt als ein Fortschritt auf unserer Wanderung sich vollzogen hätte, daran ist kein anderer schuld als wir selbst. Israel ist eben „in der Wüste", verworren und verwüstet ist unser inneres Leben, es fehlt jener Aufschwung jugendlicher Begeisterung, der ,ms freudig dein Ziele zustreben läßt, es geht das Verständnis für die heiligen Pflichten und Aufgaben unserer israelitischen Glaubensgemeinde uns gänzlich ab, es hat eine Lehrheit und Schlaffheit, eine Ermattung und Entgeistigung in unserm Religionsleben sich eingestellt, die dasselbe vollends zu untergraben und uns den letzten Rest gerechter Würdigung und wahrer Achtung, die uns aus den Kreisen der Völker entgegengebracht wurde, zu rauben droht. Auf dieses „bamiäbsr", auf diesen Wüstenzustand sollte doch endlich wie in

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