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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-07-01 · Heft 7 (1.7.1884) · p. Seite 150

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 7 (1.7.1884)
Date
1884-07-01
Page
Seite 150 (sequence 4)
Language
German
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150 den Fremdling, denn Fremde seid ihr im Lande Egypten gewesen." Vor dem Gesetze waren Alle gleich. (Exod. 12, 49. Lev. 24, 22.) Einerlei Rechtsbestimmung schützte den Fremdling vor Beleidigung, Eigentums- oder Körperbeschädigung, vor Totschlag, Übervorteilung oder Unterdrückung. „Ihr sollet gerecht richten zwischen Jedermann (Deut. 1, 16)." „Den Söhnen Israels wie dem Fremdling und Beisassen sollen die schützenden Zufluchtsstätten geöffnet sein (Num. 25, 15). „Der Fremdling in eurer Mitte oder wer immer unter euch lebt, wenn er bringet ein gottgenehmes Opfer, so sei sein Opfer dem eurigen gleich (Num. 15, 14)." Es wird noch zu wiederholten Malen auf das Gemüt des Volkes eingewirkt, um diese Milde nicht nur in der Theorie gutzuheißen, sondern auch praktisch durchzuführen. „Gedenke," heißt es mehrmals, „daß du geknechtet warst im Lande Egypten, und der Allgütige hat dich befreit, darum gebiete ich dir solches (Deut. 15, 15. 24, 22)." „Denn Fremde sind wir vor dir und Beisassen gleich unseren Vätern, flüchtige Schatten sind wir auf Erden, ohne Dauer (I- Ehr. 29, 15)." Und diese Milde blieb nicht blos Theorie; thatsächlich gelangten Fremde im altisraelitischen Staate zu den höchsten Ämtern und Würden, Einen hohen militärischen Rang nahmen Uri ah der Hethiter und der Anführer Jthai aus Gath ein. Wir finden ferner einen Jebusiter Arawna in hochgeachteter Stellung in Jerusalem. Bei der Tempeleinweihung zu Jerusalem betete Salomo ausdrücklich auch für die Fremden, die nicht vom Volke Israel: Höre du im Himmel, deiner erhabenen Wohnung und gewähre ihm Alles, um was der Fremde zu dir rufet (I. Kön. 8, 41)." In Salomos Zeit kamen in Folge der humanen Behandlung und Rechtsgleichheit aller Bürger 153600 Fremde nach Palästina, und diese waren nachher mit den Einwohnern des Landes so innig verwachsen, daß der Prophet Hesekiel sie selbst bei der Landesverteilung als vollständig gleichberechtigt betrachtet (Hesekiel 47,21). In demselben Geiste wirkten und lehrten alle Propheten, vom ersten bis zum letzten. Jesaias ruft: „Es spreche nicht der Fremdling: Der Herr hat mich von seinem Volke abgesondert . Die Söhne der Fremde, die dem Ewigen sich anschließen, ihm zu dienen und seinen Namen zu lieben, die werde ich bringen zu meinem heiligen Berge, erfteue sie in meinem Hause, ihre Opfer nehme ich mit Wolgefallen an. Denn mein Haus soll ein Bethaus für alle Völker heißen." Die letzten Propheten Secharja und Maleachi mahnen noch ebenso eindringlich wie die früheren, Fremdlinge und Tagelöhner nicht zu bedrücken (Sech. 7, 10. Mal. 3, 5). Auch der Prophet Jona schließt mit der Mahnung, daß Gottesliebe sich über alle Geschöpfe, Menschen wie Tiere, selbst Siinder und Heiden erstrecke, und daß der Mensch mit gleicher Duldung und Schonung gegen die Mitmenschen und alle Geschöpfe verfahre. „Allgütig ist der Herr," ruft der Psalmist, „und seine Liebe erstreckt sich über alle seine Geschöpfe". Man könnte diese Beweise für die Idee der Gleichheit und des allgemeinen Menschentums in dem Alten Testament noch zehnfach vermehren. Aber es geht schon aus den angeführten unwiderleglich hervor, daß diese Idee in der Bibel deutlich ausgesprochen, in den Gesetzen verkörpert wurde und später im jüdischen Staatsleben fest und tief wurzelte. Zu einer Zeit, als noch bei den übrigen Völkern, selbst bei den gebildeten Griechen und Römern der Fremde als Barbar, Sklave, Knecht, Niedriggeborner behandelt wurde, proklamirte das jüdische Gesetz die Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit, die Achtung vor jedem Menschenantlitz, als Ebenbild Gottes. (Fortsetzung folgt.)

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