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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-06-01 · Heft 6 (1.6.1884) · p. Seite 141

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 6 (1.6.1884)
Date
1884-06-01
Page
Seite 141 (sequence 21)
Language
German
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' ' , ' ’ * . . ■-' „■ * ■ ■ / » 'Vrnp. — 141 — das Solches sehen muß!" — Das Geschworenengerichts in Novomoskows (Gouv. Jekaterinoslaw) erkannte von 21 wegen der Teilnahme an den vorjährigen antisemitischen Exzessen im Dorfe Orlowschstochina angeklagten Bauern 20 für schuldig und verurteilte 9 zu Zuchthaus, resp. Gefängnisstrafe von 18—8 Monaten, 11 zu einer vom Friedensrichter zu verhängenden Strafe. — In Kiew sollen die Häuser in Folge der Bewegungen gegen die Juden so tief im Preise gesunken sein, daß die Mietpreise um ein Viertel herabgesetzt wurden. Eine jüngst in Petersburg erschienene Brochüre „Zur Judenfrage in Rußland" enthält interessante Daten über die grenzenlose Trunksucht unter dem russischen Landvolke, die gerade in solchen Gegenden grassirt, wo der Fuß eines Juden nicht hinkommen darf. Alle Kunstgriffe und Betrügereien werden angegeben, deren sich die Eigentümer der Brantweinbrennereien, die Schänker und Propinatoren, lauter gute Christen, bedienen, um sämtliche Maßregeln der Regierung, den Suff einzuschränken, zu Nichte zu machen und das Landvolk auf haarsträubende Weise zu exploitieren. — Die Leiden der Juden in Rußland haben bereits eine dramatische Bearbeitung in bem zu Przemysl erschienenen Trauerspiel in hebräischer Sprache „Der Verfolgte von Rußland" in drei Aufzügen erhalten. Ueber die inneren Zustände der Juden ist nichts Erfreuliches zu berichten, das Judentum ist daselbst krank von der Zehe bis zuni Scheitel, jedes Haupt ist krank und jedes Herz siech. In Reval ist eine jüdische Frau kurz vor der Grablegung aus dem Tode erwacht. Die Juden stehen dort noch auf vormendelssohn'schem Standpunkte und begraben ihre Toten sehr rasch. In Nikolajew legt ein dreizehnjähriger Knabe einem fünfjährigen Mädchen den Trauring an unter Sprechung des Satzes „Siehe du bist mir geheiligt u. s. w." Die Ehe wird für gültig erklärt und man denkt an eine Scheidung, erst wenn das Mädchen groß geworden. Ist es unter solchen Zuständen, die so dringend der Reform bedürfen, noch zu verwundern, wenn die „Hazefirah" über Verwilderung klagt, die sich, in Mordthaten von Juden begangen, erschrecklich offenbaret? — Gehen wir nun zum Schluffe an die Besprechung einiger uns vorliegender Berichte und Bücher. In Frankfurt a. M. ist erschienen „Zweiundvierzigster Bericht über den Bestand und Fortgang des Vereins zur Beförderung der Handwerke unter den israelitischen Glaubensgenossen in Frankfurt a. M. in den Jahren 1882 und 1883." Wie wir demselben entnehmen, hat sich die Zahl der Lehrlinge gesteigert. Wir können die Förderung und Unterstützung dieses Vereins in unserer Zeit nicht genug empfehlen und müssen es mit dem Vereine bedauern, daß ein durch 28 Jahre gewährter Zuschuß von 1714 Mark jährlich gerade jetzt demselben entzogen wurde. Gewis haben die Orthodoxen hier mit ihre Hand im Spiele, doch wer schafft uns Proletariat, das schleunigst zur Arbeit herangezogen werden muß? Wir verweisen in Bezug auf die Notwendigkeit einer sochen Institution auf die jüngst erschienene Schrift „Sollen die Juden Christen werden?" von S. Singer, S. 126 „Greifen wir wiederum, wie es unsere Vorfahren thaten, zum körper- und seelenstärkenden Ackerbau, zum redlichen sittigenden Handwerk, welchen beiden hervorragenden Zweigen menschlicher Thätigkeit unsere Glaubensgenossen zum immensen Schaden des Judentums allzusehr den Rücken kehren." Durch den Frankfurter Verein, beffeu Vorsitzender Herr Albert Ochs ist, wurden auch zwei Taubstumme gedeihlich gefördert. — Der Pensionsfond für israelitische Lehrer und Kantoren in Baden und deren Relicten (begründet 1882) hat seinen ersten Rechenschaftsbericht für die Jahre 1882 und 1883 ausgegeben, aus welchem wir mit Freude entnehmen, daß die Lebensfähigkeit dieses schönen Vereins gesichert ist. Die Zahl der Mitglieder ist eine ansehnliche und sind noch

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