Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1884)
- Date
- 1884-06-01
- Page
- Seite 139 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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139 leitende Bureau gewählt wurde. Dr. Kristeller referierte über die Thätigkeit des; Bundes in den letzten zwei Jahren, Herr Banquier Theodor Marcus verlas den J Kassenbericht und Herr Di'. Bodek legte Rechenschaft über die Thätigkeit der Friedrich-Wilhelm - Viktoria - Stiftung ab. Es wurden ferner Anträge 1) auf Entwerfung eines Normalplanes für den israelitischen Religionsunterricht in Deutschland (Ref. Herr Prof. Dr. Steinthal), zu welchem Zwecke nach Berlin eine Delegirten-Verfammlung von Schulmännern einberufen werden soll, 2) auf eine geordnete Inspektion der israelitischen Religionsschulen nach Muster des ostpreußischen Gemeindeverbandes, 3i auf Vermehrung der lokalen Vereine für die Pflege des Handwerks, der Landwirtschaft und der technischen Gewerbe unter den Juden (Referent Herr Prof. Dr. Breslau), 4) auf Verallgemeinerung der Maßregeln gegen die Wanderbettelei (Ref. Herr Rechtsanwalt Stern) angenommen. Ueber die Ausbildung von jüd. Personen für die Krankenpflege berichtete Herr Sanitätsrat Dr. Marcuse, jedoch stehen der Ausführung dieses Planes noch Hindernisse in dem Wege. Für die nächsten vier Jahre wurde der bisherige Ausschuß auf Antrag des Herrn Justizrates Meyer durch Akklamation wieder gewählt. Mit einem Danke des Herrn Prof. Lazarus an den Vositzenden für die umsichtige Leitung der Verhandlungen schloß der Gemeindetag seine Sitzungen. Abends um 5 Uhr fanden sich eine Anzahl der Teilnehmer zum gemeinsamen Festmahle zusammen, bei dem Geheimrat Kristeller den ersten Toast auf den Kaiser unter begeisterter Zustimmung der Anwesenden ausbrachte. Ein Bild von der Thätigkeit des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes kann man aus den jüngst von dem Ausschüße desselben ausgegebenen Mitteilungen gewinnen. In Bezug auf den Religionsunterricht werden die Mängel auf diesem Gebiete in den jüdischen Gemeinden dargestellt. Interessant ist die Notiz, daß die deutsche Judenheit gegenwärtig zur Erhaltung ihrer Kultusangelegenheiten 20 Millionen Mark jährlich aufbringt. Es wäre wenigstens noch einmal so viel nötig, wenn den notwendigsten Erfordernissen Genüge geschehen sollte. Der Ausschuß trägt sich mit dem Gedanken, einen Preis für gute Jugendschriften auszuschreiben. Ueber die Propaganda-Versammlung des D. I. G. B. im Saale des Brüdervereines am 22. Januar berichtet Herr Gustav Karpeles und frischt dabei eine alte Judengaßfigur, Awrohmele Pimperl, den Kahalsmacher auf. Es folgen dann Mitteilungen aus dem Bureau, woraus zu ersehen, daß die Zahl der Bundesgemeinden 194 beträgt. Zum Schluffe findet man Nekrologe über Dr. Albert Moßner, den ersten Juden, der in Preußen den Titel „äootor juri» utriusque“ hatte, über Dr. Samuel Meyer, geb. 1819 zu Hannover, gest. 6. Juli 1882 daselbst. Meyer, Sohn eines Banquiers, begab sich 1842 nach Frankfurt a. M., um Talmud zu studieren und wurde im Jahre 1845 an Stelle des nach London! berufenen Dr. Adler, Landesrabb. in Hannover. Von Hofrat Adolf Levi, geb. 25. ' März 1820 zu Stuttgart, gest. 1883 daselbst, wird uns eine autobiographische Skizze mitgeteilt. Ueber den am 26. Dezember 1882 verstorbenen Dr. Moritz Landsberg, geb. am 9. Aug. 1824 zu Rawitsch finden wir die Mitteilung, daß er im Jahre 1851 in Halle promovierte, eine Dissertation „äs leviratu Hebraeorum“ veröffentlichte und im Jahre 1855 als Rabbiner nach Liegnitz berufen wurde. Möchte j doch der D. I. G. B., der sich mehr mit Verwaltungsangelegenheiten befaßt | und dem die innere religiöse Fortentwicklung des Judentums schon durch den sehr ] beliebt und typisch gewordenen Satz „Kultuelle und rituelle Fragen sind von der | Thätigkeit des Bundes ausgeschlossen" Nebensache zu sein scheint, sich doch der armen Lehrer am Lande annehmen, damit Zustände, die sehr geeignet sind, die j 12* J