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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-06-01 · Heft 6 (1.6.1884) · p. Seite 136

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 6 (1.6.1884)
Date
1884-06-01
Page
Seite 136 (sequence 16)
Language
German
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Herr Prof. Kämpf in Prag die Reihe der Vorträge im dortigen Verein zur Verbreitung der Wissenschaft des Judentums im Saale der Handelsakademie. Er sprach „Ueber die Agrikultur nach kanonischen Prinzipien". Zum Schlüsse seines Vortrages forderte er zur Gründung eines Vereines für Agrikultur im Interesse der unbemittelten Jugend auf. — Am 27. März sprach Herr Dr. Leimdörfer in Hamburg „Ueber den Talmud, dessen Geist und Ethik", und in Lemberg sprachen die Herren Rabbiner Löwenstein und N. Samuely über die Frage, ob die Juden noch immer eine Nation sind oder ob sie blos eine Religionsgenossenschaft bilden. — Am 25. März fand in Wien die Generalversammlung des Beth-Ha-Midrasch statt. An Stelle des sel. Herrn Simon Apfel wurde Herr A. Epstein in den Vorstand gewählt. — Mit Bezug auf unsere Notiz über den Vortrag des Herrn Landrabbiner Dr. Glück in Oldenburg über Arbeit und Arbeiter im Altertume (Jahrg. IV. S. 112) erhalten wir einen Vortrag „Der Arbeiterstand bei den Palästinensern, Griechen und Römern" von Dr. I. S. Bloch, der vor Arbeitern gehalten und auf Verlangen derselben gedruckt wurde (Wien, Verlag der Buchhandlung D. Löwy, Praterstraße 15), in welchem schon im Jahre 1882 dieses Thema in erschöpfender geistvoller Weise, wie man es an dem Verfasser gewohnt ist, behandelt wird. — Herr Lic. Dr. Wilhelm Lotz, ein Assyrologe, bringt in einer jüngst bei Hinrichs in Leipzig erschienenen Schrift, welche Untersuchungen über die Geschichte des Sabbats enthält (Quaestiones de historia Sabbati), diesen Tag mit dem Babylonischen Sexagesimalsystem in Zusammenhang, und nicht mit der Siebenzahl der Planeten. Im Verlaufe seiner Abhandlung führt er den Nachweis, daß die Babylonier eine dem jüdischen Sabbate ähnliche Institution gehabt haben. Die Mosaische Gesetzgebung habe diesen Tag geheiligt und in den Dienst der Offenbarungsreligion genommen. — Der Tisza-Eszlarer Prozeß, der am 4. April in letzter Instanz mit Freisprechung aller Angeklagten durch den obersten Gerichtshof endigte, soll durch den Verteidiger Eötvös eine umfassende Beschreibung, gleichzeitig in mehreren Sprachen ausgegeben, erhalten. — In Straßburg (Treuttel & Würtz) ist unter dem Titel „L’affaire de Tisza- Eszlar. Un episode de l'histoire de l'antisemitisme au 19 sibcle*, eine Schrift von R. Reuß erschienen. Indes wuchert das Blutmärchen zur Schande unseres Jahrhunderts in den entlegensten Punkten gleichzeitig fort. So hatte inan in Tiflis am 21. März seine liebe Not, den durch ein Blutmärchen aufgeregten Pöbel, schon als die Thatsachen für das blödeste Auge klar lagen, zu beschwichtigen. — In einem ungarischen Dorfe wollte ein Richter einen jüdischen Schächter festnehmen, denn er behauptete, in dem blutigen Sacke liege ein totes Kind. Die ganze Gemeinde lief zusammen, der Sack wurde geöffnet und siehe da, vor den wilden Blicken der aufgeregten Menge enthüllte sich eine tote Gans. — Ueber einen ähnlichen Fall in Königshütte, der sich am Karfreitag daselbst zugetragen hat, schreibt ein dortiges Blatt: „In den Verdacht eines rituellen Mordes ist ein hiesiger Studiosus der Medizin dadurch geraten, daß bei seinem Umzuge irgend ein Arbeitsmann in einem nicht verschlossenen Kasten mehrere Menschenknochen fand und hiervon sofort der Polizei Anzeige machte. Auf diese Denunziation hin verfügte sich der Herr Polizei-Inspektor mit einem Wachtmeister und noch einem Polizeisergeanten an Ort und Stelle und richtig, man fand, o Grausam, ein — Fuß- und Armskelett. Da der Hauswirt, auf dessen Bodenraum man diese Menschenteile fand, gerade in der Synagoge sich befand, so faßten die drei Herren vor der Synagoge Posto und warteten, bis

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