Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1884)
- Date
- 1884-06-01
- Page
- Seite 135 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969712-2969719--1069-2971514- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- 135 - Ich besitze wirklich mehr als 40 Fragmente aus Jesaias, 7 kleine Propheten, Ruth, Echa, Esther und Daniel auf Pergamentrollen in einer bis jetzt ganz unbekannten Schriftform lz. B. das Lamed, wie im Hymjaritischen, Mein und Nun haben eine Form, welche aus dem Phönikischen und Althebräischen fSamaritanischenj entstehen konnte). Schin hat die Form eines Viereckes, dessen obere Linie wellenförmig ist; Manzpach haben keine Finalform. Ich hoffe ausführlich in einer besonderen Schrift mit photographischer Abbildung zu sein. — Herr Chaim Horowitz in Frankfurt a. M. wird demnächst den in seinem Besitze befindlichen handschriftlichen Kommentar Jbn Esras zu den Sprüchen durch den Druck veröffentlichen. — Unter Leitung Derenburg's in Paris soll der arabische Mischnah-Kommentar des Maimonides unter Beihilfe anderer Gelehrter zur Veröffentlichung gelangen. Auch soll daselbst ein Manuskript ,,8sk«r Ha-Schelama“ von R. Meschullam aus Lüneville, einem Neffen Raschi's, im Druck erscheinen. — Börne's „Ewiger Jude" ist in Rußland in meisterhafter hebräischer Uebersetzung erschienen. — In Florenz ist von einem pseudonymen ungarischen Schriftsteller Charles Jlmer, der sich dort aufhält, eine Schrift gegen den Antisemitismus in französischer Sprache erschienen, in der hauptsächlich Jstoczy bekämpft wird. Allgemein hält man Kossuth für den Autor dieser Schrift. — Nach dem verstorbenen A. Schwarzenberg in Warschau ist eine jüdische Geschichte in russischer Sprache erschienen und wurde daselbst auch ein litographiertes Bild Montefiores mit Wappen, Sprüchen, Emblemen und einem hebräischen Gedichte von Gordon zum Preise von 1 Rubel ausgegeben. — In Stuttgart hat der Bildhauer I. Rischert aus Baden-Baden zwei Kunstwerke ausgestellt: den Herodianischen Tempel und die Stadt Jerusalem in Holz ausgeschnitten. — In Pariser Kunstjournalen rühmt man die Bilder des 19jührigen Leon Goldberg; wir nehmen davon gerne Notiz, da der Maler ein Enkel des um die jüdische Literatur hochverdienten, aus Russisch-Polen stammenden 83jährigen Baer Goldberg ist, der sich seit dem Jahre 1851 in Paris aufhält und sein Leben lang mit Not und Entbehrung zu kämpfen hatte. — Rev. M. Hast in London hat ein Oratorium mit Namen „Azariah" vollendet, dem Szenen aus der Geschichte der Babylonischen Gefangenschaft zu Grunde liegen. — Wie aus dem jüngst ausgegebenen 1. Hefte des VH. Bandes der Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereins zu ersehen ist, schließt sich Herrn Adolf Frei, der am 1. Februar in Triest seine Reise angetreten und im April in Tiberias anlangt, Herr Prof. Dr. W. A. Neumann an, der seine im Jahre 1869 unternommenen Forschungen am See Genezareth wieder aufnimmt. Herr Professor Neuinann ist bereits in Tiberias angekommen, um die nötigen Vorbereitungen für eine sichere gemeinsame Durchwanderung der östlichen Ufergegenden zu treffen. — In St. Petersburg erstattete in der letzten Sitzung der griechisch-orthodoxen Palästina-Gesellschaft Herr Chitrowo einen interessanten Bericht über die Ausgrabungen auf dem der russischen Regierung seit 1858 gehörenden Bauplatz in Jerusalem. Auf Initiative des Großfürsten Ssergei, welcher der erwähnten Gesellschaft präsidirt, wurden im Jahre 1881 die dortigen Ausgrabungen begonnen, die bald glänzende Resultate ergaben. Gegenwärtig ist der ganze Platz (200 Quadratfaden) genau untersucht. Die gefundenen Altertiimer tragen teils den Charakter altjüdischer Kunst, teils gehören sie der römischen Kaiserzeit an. Besonderes Interesse beanspruchen eine altjüdische Wand und Ueberreste von Bauten Konstantins des Großen, welche zum Tempel der Auferstehung gehörten, von dem verschiedene Forscher Pläne entworfen haben. — Am 1. März schloß