Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1884)
- Date
- 1884-06-01
- Page
- Seite 134 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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134 in allen Bestrebungen seines thatenreichen, wechselvollen Lebens hervorhebend. Nach ihm feierte Dr. Herbst den Hingeschiedenen Kollegen als einen der ältesten und bedeutendsten Politiker, rühmte seine Verdienste als Mitglied des Reichsrates und Landtages, des Wiener Gemeinderates, der in den sturmbewegteu Tagen der aufblühenden Freiheit unseres Jahrhunderts mutig den Kampfplatz betrat und seither unentwegt treu blieb seinen hohen Idealen. Hierauf executirte Oberkantor Goldstein mit seiner klangvollen, mächtigen und doch so innig weichen Stimme die üblichen Trauergesänge. Tiefgerührt durch diese gesprochenen und gesungenen Worte geleitete die Menge den Sarg zum Grabe Nachdem dieser versenkt war, trat der Präses des Schriftsteller-Vereins Concordia, von Weilen, an's offene Grab und widmete dem Verschiedenen einen warmen poetischen Nachruf als Literat, Poet und Journalist. Sodann nahm der Vice- Präses der jüdischen Kultusgemeinde, v. Borkenau, im Namen dieser in kurzen, aber innige», markigen Worten Abschied von dem verschiedenen Führer der Gemeinde und Scholle um Scholle senkte sich von Freundes und Verehrer Hand auf die Ueberreste eines Mannes, der eine vielfache Ehrenstelle im Leben eingenommen, dessen Andenken aber nimmer verschwinden wird aus dem Gedächtnisse derer, die ihn gekannt, der aber auch in der Geschichte einen Ehrenplatz einnehmen wird unter den größten Männern Oesterreichs, unter den bedeutendsten Größen der Judenheit. Auch bei der Dienstag, den 8. April, in beiden Tempeln abgehaltenen solennen Seelenfeier für den Dahingeschiedenen zeigte die große Beteiligung der vornehmsten und weitesten Schichten der Bevölkerung die hohe Achtung und Anerkennung, die Kuranda sich erworben. In unseren Tagen wahrlich genugthuend, einen der Unsrigen auf solch hoher Stufe unbeneidet und unangefeindet zu sehen, selbst nach dem Tode! — Am 25. April wurde auf dem Wiener israelitischen Friedhofe die Leiche des Direktors Anton Ascher beigesetzt. Am Sarge sprachen Dr. Jellinek, v. Weilen und Hofschauspieler Lewinsky. — Am 11. März wurde in Paris der Oberst Abraham August Samuel unter großen Ehren zur Erde bestattet. Früher ein Zögling des Rabbiner-Seminars zu Metz widmete er sich später dem Militärstande und nahm durch seine Verdienste eine hohe Stellung im französischen Generalstabe ein, dem er viele Jahre angehörte. An seinem Grabe sprachen die Großrabbiner Isidor und Kahn. — Am 18. April starb in Leipzig ein Veteran des Buchdruckes und Buchhandels, Herr Karl Christoph Philipp Tauchnitz. Die prachtvolle Fürst'sche Ausgabe der Buxtorf'schen Concordanz und stereotypierte Bibeln sind aus seiner Offizin und seinem Verlage hervorgegangen. — In Stockholm erhielt Herr Bendiksohn von der Akademie der Wissenschaften die goldene Medaille für zwei Abhandlungen auf dem Gebiete der Mathematik und für Lyon wurde Herr Dr. Bloch zum Professor für klassische Altertümer designiert. — Von Bombay berichtet die „Deborah": „Auf der hiesigen Universität wurde zum ersten Male eine indische Jüdin, Namens Mary Samuel Perry, immatrikuliert. Junge Bene-Israels haben Ehrenpreise im Lateinischen und im Hebräischen erhalten. Man war früher der Meinung, daß die Bene-Israel nicht bildungsfähig seien, nunmehr ist das Gegenteil bewiesen." — In Warschau wird unter dem Titel „Heasif" ein Jahrbuch in hebräischer Sprache erscheinen, für das Männer wie Slonimsky, Reifmann, Buber und noch andere hervorragende jüdische Gelehrte ihre Mitarbeiterschaft zugesagt haben. Man wendet sich wegen desselben an Herrn N. Sokolow in der Redaktion der „Hazefirah" in Warschau. — Ueber neu aufgefundene alte Bibelfragmente schreibt uns Herr A. Harkary: