Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1884)
- Date
- 1884-06-01
- Page
- Seite 133 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir ehren diesen um die Wissenschaft des Judentums hochverdienten Mann am besten, wenn wir unsere Leser zum Ankauf seiner mit vielen Opfern herausgegebenen „Real-Encyclopädie für Bibel und Talmud" anregen. — Der emeritierte Bezirks-Rabbiner Süßkind von Wiesbaden hat seinen Wohnsitz in Frankfurt a. M. genommen, woselbst ihm in Anerkennung seiner verdienstvollen vielsährigen Wirksamkeit vom Herrn Polizeipräsidenten v. Hergenhahn der rote Adler-Orden 4. Kl. im Beisein einer Deputation des Wiesbadener Gemeindevorstandes überreicht wurde. — Herr Hofrat Prof. Heinrich Leberecht Fleischer in Leipzig, ein auch um die jüdische Lexicographie hochverdienter Gelehrter, feierte am 6. März sein 60jähriges Doktorjubiläum. — In Konstantinopel wurde vr. med. Elia Kohen Bey vom Sultan zum Pascha ernannt. Es ist.dies der erste Fall, daß ein eingeborener Jude zu diesem fürstlichen Rang in der Türkei gelangte. — In Adrianopel wurde dem Oberrabbiner vom Sultan der Medjidid-Orden verliehen. — In Amsterdam hat der Portugiesische Generalkonsul Georg Rosenthal vom Könige von Portugal den Barontitel erhalten. Dieser Name ist in der jüdischen Literatur durch die der Stadt Amsterdam überwiesene jüdische Bibliothek bekannt, von der ein bibliographisches wissenschaftliches Handbuch veröffentlicht und an Gelehrte in munifizenter Weise verteilt wurde. — Von Wien schreibt man uns: Sonntag, den 6. April, fand hier das Leichenbegängnis des Donnerstag, den 3. April, Nachmittags, im Alter von 73 Jahren nach kurzem Leiden verstorbenen Präses der hiesigen Kultusgemeinde statt. Die wahrhaft imposante Leichenfeier gab Zeugnis von der hohen Anerkennung, Liebe und Achtung, die sich Dr. Ignaz Kuranda in seiner mehrfachen Ehrenstellung, als Schriftsteller, Politiker und Mensch in den weitesten Kreisen erworben hatte. Um 10 Uhr Vormittags setzte sich der Trauerzug vom Sterbehause am Stubenring 3 in Bewegung. Voran fuhren zwei Wagen, schwerbeladen mit prachtvollen Kränzen, auf deren Schleifen die ehrenhaftesten Widmungen zu lesen waren, sodann folgte der Leichenwagen. Gleich hinter diesem gaben der Bürgermeister und die beiden Vize-Bürgermeister dem Ehrenbürger der Stadt Wien das Geleite, an diese schlossen sich sämmtliche hier anwesende Mitglieder des Reichsrates und Landtages, deren langjähriger Kollege Kuranda war, die höchsten finanziellen Spitzen, die bedeutendsten Matadoren der Kunst und Literatur, der gesamte Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde, zahlreiche Deputationen anderer Gemeinden, Vertreter vieler Vereine, zahlreiche Studentenschaft und sonst hochangesehene Bürger jüdischer und christlicher Konfession. So bewegte sich der Zug, dem die Beamten der Nordbahn und Anglobank zur Seite giengen, durch ein dichtes Spalier bis zum Jnvalidenhause auf der Landstraße durch die beleuchteten Straßen. Hier löste sich der Zug auf und bestiegen die Begleiter die Wagen. So bildete sich ein unabsehbarer Zug von Wagen, in der ganzen Länge der Landstraße. Im Zeremoniensaal des Friedhofes wurde der Sarg auf die Estrade gestellt, um welchen sich die Chöre beider Tempel gruppirten. Tief bewegt lauschte nun die ungeheuere Menschenmenge im dichtgedrängten Saale der Trauerfeierlichkeit. Nach Absingung eines Trauerpsalmes durch Oberkantor Singer trat Prediger Dr. Jellinek vor, uin, mit thränenerstickter Stimme in warmen, prachtvollen Worten die Verdienste Kuranda's auf den verschiedenen Gebieten kurz berührend, vor Allem Kuranda als Familienoberhaupt, als Freund und Genosse in seiner unvergleichlichen Liebe, Treue, Hingebung und Aufopferung zu schildern. Hierauf widmete ihm Rabbiner Dr. Güdemann einen warmen Nachruf, namentlich seine Charakterstärke und Einheit