Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1884)
- Date
- 1884-06-01
- Page
- Seite 132 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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132 ventilirt worden: Sollen diese Vereinigungen, die wir anzustreben haben, staatlich organisirte Körperschaften mit „Konsistorialverfassungen" oder selbständige, freie Verbindungen, Gem ein debil ndni sie sein? Es ist selbstverständlich, daß wir, auch wenn Konsistorialverfassungen zur Zeit möglich und zu erringen wären, diese doch ganz entschieden abweisen und für freie Vereinigungen uns aussprechen müßten. Von allen anderen Gründen abgesehen: Die „Trennung der Kirche vom Staate" ist nur eine Frage der Zeit; sie ist eine unausbleibliche Folge unserer ganzen gesellschaftlichen Entwicklung. In der Theorie, im ganzen geistigen Leben der Nationen hat sie sich bereits vollzogen und gerade die Kämpfe der Kirchen mit dem Staate und die bitteren Anfeindungen, die wir Juden zll erdulden haben, sind Produkte dieser im Bewußtsein des gebildeten Teils unseres Volkes vollzogenen Thatsache, gegen deren Realisirung im Staat und Leben eine kleine, aber mächtige Partei einen Jnteressenkampf führt, zu dem sie sich in den Massen Hülfe sucht. Sollen wir Juden nun Organisationen schaffen, die, wenn der Tag kommt, den wir erwarten, nur die Trümmer vermehren müßten? Organisationen, die schon jetzt bei ihrem Entstehen der Opposition der Freigesinnten begegnen und mit dem ersten Posaunenschall der zu erwartenden Zeit zerfielen und zerstieben? Das werden die Freunde des Judentums nicht wollen. Nur in der freien Vereinigung liegt die Kraft aller organisatorischen Bildungen unserer Zeit. Welche Form diese auch haben mögen, — wenn sie nur mit Energie das Gute anstreben, so können sie es auch vollbringen. Und darum: die Unterstützung dieser freien Vereinigungen ist die Pflicht eines Jeden, der das Gute will. Sie, diese Genossenschaften, werden dem Guten zum Siege verhelfen. Und nun: ein Schlußwort an meine Kollegen! Noch viel Verdienst ist übrig! Die Vorstände der Religionsgemeinden und diese selbst, die Rabbinen und alle Edlen in Israel haben die Aufgabe, für eine Hebung des Lehrerstandes und des Religionsunterrichts Sorge zu tragen. Das Höchste aber ist in unsere Hände gegeben! Wenn wir uns einigen; wenn wir auf der uns zugewiesenen Stelle das Gute wirken mit aller Kraft und mit ganzer Hingebung; wenn wir Männer sind, deren Charakter untadelhaft, deren Streben allseitig; wenn wir als Lehrer wirken im Geiste der alten Lehrer des Judentums wie im Geiste der neuen Zeit, als Erzieher im Geiste unseres Diesterweg und Pestalozzi's; wenn wir mit einem Worte Lehrer sind, wie wir es sein sollen und müssen, dann wird auch unseren! Wirken die Krone nicht fehlen; dann wird unser Werk gelingen und — zur Abendzeit, da wird es Licht werden! Das ist unsere Zukunft, die Zukunft des Judentums. Kßronik der Tagesereignisse im Judentums auf soziatem und tilerarifchem Keöiete. In Berlin wurde Herr Dr. Levin, früher Rabbiner in Zürich und Nürnberg, zum Prediger der dortigen Reformgemeinde gewählt und hat derselbe bereits sein Amt angetreteu. — In Dessau wurde das Rabbinat Herrn S. Weiße übertragen und nach Haigerloch wurde Herr Dr. Spitz, früher in Bilke in Ungarn, berufen. — Am 26. Mai begeht Herr Landrabbiner Dr. Hamburger ut Strelitz in Mecklenburg das 25jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit daselbst.