Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1884)
- Date
- 1884-06-01
- Page
- Seite 131 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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131 Mangel uns zuführte, die auszuscheiden eine Pflicht der Selbsterhaltung des Judentums wie des Lehrerstandes ist; mag auch eine oder die andere dieser Existenzen darüber vollends zu Grunde gehen! Hart, aber nötig! Umsomehr dürfen wir die Fürsorge der Gesammtheit für den tüchtigen und richtigen Lehrer fordern; dürfen wir für ihn das fordern, was wir oben gesagt haben und was leider nur die Minderzahl erreicht — bis jetzt. Daß in dem Bilde, das ich zu zeichnen versucht habe, ein Wort für die Anstalten nicht fehlen darf, welche sich die Unterstützung der dienstunfähigen Lehrer sowie der Lehrer-Witwen und -Waisen zur Aufgabe gesetzt haben, wird man bei mir wohl für selbstverständlich halten. Allein für, ebenso selbstverständlich wird man es finden, wenn ich hier die tiefbegründete Überzeugung ausspreche, daß die Errichtung neuer Anstalten zu diesem Zwecke ein Unrecht ist. Die Achawa und die anderen Vereine sind im Stande, den Aufgaben zu genügen, die sie sich gestellt haben, wenn sie überall, in allen Gemeinden, von allen wohlhabenden und wohlwollenden Israeliten gefördert werden, insbesondere aber bei den Lehrern selbst die Unterstützung finden, die ihnen gebührt. Das Begründete zu schädigen, ohne die Überzeugung zu haben, daß das zu begründende besser wird, ist sicher verfehlt. Eine Zusammenfassung der Kräfte, nicht aber eine Zersplitterung derselben liegt den Männern ob, die im Stande sind, für die Gesamtheit Gutes zu wirken; liegt im Geiste unserer Zeit. Und nur eiue Zusammenfassung der Kräfte kann dem Lehrerstande in der Gegenwart helfen, eine Zusammenfassung von unten an. Die kleinen Gemeindesplitter, die zerstreut für sich keinen ordentlichen Religionsunterricht sich, d. h. ihren Kindern, verschaffen können, miiffen dahin wirken, daß ihrer so viele sich vereinigen, bis sie einen tüchtigen Lehrer besolden können, der seiner Aufgabe gewachsen ist und sich ihr mit Eifer hingiebt und in wenig Stunden, von Sachkenntnis und Liebe zum Berufe unterstützt, mehr leistet, als ein hergelaufener Pole in vielen, vielen Stunden; sie müssen sich der Einsicht nicht verschließen, daß „Orenlernen" heutzutage nicht zum Juden macht, nicht Alles ist, nicht gegen die Gefahren der Irreligiosität, des Aberglaubens schützt; abgesehen von den zweifelhaften Charakteren dieser soi di »aut Lehrer, die jo eminente Gefahren für die Achtung des Lehrerstandes und der Gemeinde bergen. Und die Gemeinden einer Provinz müssen sich aneinanderschließen, um einheitlich Sorge zu tragen für die Ausbildung und Versorgung, für die Anstellung und das zweckmäßige Avancement der Lehrer, um in einem einheitlich geschlossenen und gegliederten Gesamtkörper einen tüchtigen Lehrerstand sich zu verschaffen und zu erhalten; damit das Wanderleben der'besseren Kräfte des Standes ein Ende nehme und der Lehrer verwachse mit der Gemeinde, und der ganze Stand mit dem Boden, auf welchem er Wurzel geschlagen. Und die gesamte^ Judenheit des Vaterlandes muß sich aneinander schließen und Alles thun, was zur Erhaltung und Förderung der wichtigsten Institution des Judentums — der Religionsschule, dem Religionsunterrichte — zu geschehen hat; denn nur in der Einheit liegt die Kraft; in der Zersplitterung der Unsegen. Wenn eine kleine, extreme Partei in einigen Großgemeinden sich nicht anschließen will, weil dies den Interessen der Führer widerstreitet, so mag man diese fahren lassen. Diese Leute haben ja doch die Spaltung als Devise angenommen. Das Judentum hat gesunde Kräfte genug, um diese „Überreifen" ihren eigenen Weg gehen lassen zu können. Ünd hier kommen wir an eine Frage, die in jüngster Zeit mehrfach