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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-06-01 · Heft 6 (1.6.1884) · p. Seite 129

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 6 (1.6.1884)
Date
1884-06-01
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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129 und einen einfachen, belehrenden, erbauenden Vortrag zu halten. Er muß, wo es sich nicht um theologische Decissionen handelt, den Rabbiner würdig vertreten; nicht als Geistlicher, sondern als Volkslehrer. Das fordern wir vom jüdischen Lehrer. Wo soll derselbe sich dies Wissen und Können, die nötige Vorbildung zum Religions- und Volksschullehrer holen? Es ist selbstverständlich, daß dies nur geschehen kann in einer ordentlichen Lehrerbildungsanstalt, in Präparandenschulen und im Seminare, und unsere geschätzten Leser werden es nach dem bisherigen wohl erklärlich finden, wenn wir uns hier alsbald prinzipiell gegen jüdische Lehrerbildungsanstalten aussprechen. Wir wissen wohl, daß auch manche unserer Gesinnungsgenossen uns darin nicht beistimmen. Allein: Grundsätze entscheiden, nicht augenblickliche Zustände. Die entscheidenden Gründe ergeben sich aber aus dem, was wir oben wegen jüdischer Elementarschulen bereits gesagt haben. Konfessionelle Anstalten tragen in unserer Zeit leider einen ausschließlich konfessionellen Charakter. Wir Juden aber wollen uns „an das Ganze" anschließen. Wir könnten hierzu noch praktische Erfahrungen fügen. Allein wir wollen nicht agressiv verfahren. Es mag genügen, wenn wir andeuten, daß die jüdischen Anstalten zu klein sind, um mit den großangelegten staatlichen Anstalten gleichen Schritt halten zu können; daß sie zumeist auf die stets preeären, freien Beisteuern der Gemeinden und wohlthätiger Privaten sich stützen und dadurch Rücksichten nehmen müssen nach allen Seiten hin; daß sie dabei doch stets am Mangel laboriren in Lehrerzahl und Hilfsmittel bei». Unterrichte; daß sie schließlich zumeist auch großen Mangel haben — an Zöglingen. Auch das ist vom pädagogischen Standpunkte sehr bedenklich. Nur noch andeuten wollen wir, daß an der Spitze der jüdischen Anstalten zumeist Theologen oder Philologen, jedenfalls aber nur akademisch gebildete Männer stehen, von denen wir nicht erwarten dürfen, daß sie mit den Pädagogen, die von der Pike auf gebient haben, konkurrieren können in solcher Stellung. Und wir brauchen tüchtige Lehrer, Volksschullehrer. Im Seminare müssen Psychologie und Pädagogik die Hauptfächer sein und in der Hand des Direktors liegen, der im Studium der Elementarpädagogik seine Lebensaufgabe erkennt. Wo ist dies in jüdischen Anstalten der Fall? Es liegt leider etwas in der jüdischen Natur, was Vielen sogar das tiefere Eingehen in die Unterrichtswissenschaft gleichgültig macht; das weiß der jüdische Lehrer aus Erfahrung. Der Jude fragt beim Unterrichte immer nach dein „Was" und nur in den seltensten Fällen nach dem „Wie," was doch für den einsichtigen Lehrer — und zwar ganz insbesondere beim Religionsunterrichte — in erster Linie steht. Der Jude meint und wird entschieden behaupten, daß der akademisch Gebildete besser unterrichtet als der seminaristisch Gebildete, auch wenn jener nie Pädagogik studiert oder sich mit dem Unterrichten befaßt hat. Die Unterrichtswissenschaft ist vielleicht die einzige, auf welcher die Juden sich noch keine Lorbeeren errungen. Auch unsere (jüdischen) Lehrschriften bezeugen dies. Wollen wir also unsere Lehrer befähigen, mit Erfolg in allgemeinen Schulen zu wirken, so müssen wir sie schon um deßwillen auch in allgemeinen, staatlichen Seminarien ausbilden lassen. Können wir das zur Zeit leider nicht überall bewerkstelligen, was in einzelnen Teilen Deutschlands ja der Fall sein mag, so Müssen sich mindestens die kleineren jüdischen Lehrerbildungsanstalten bequemen, sich mit den größeren zu verbinden; etwa indem die einen Präparandien, die anderen Seminarien werden. Teilung der Arbeit, verbundene Kraft!

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