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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-06-01 · Heft 6 (1.6.1884) · p. Seite 128

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 6 (1.6.1884)
Date
1884-06-01
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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128 Zunächst also: es ist die Aufgabe der bestehenden Organisationen, überall nachzuspüren, wo jüdische Kinder ohne geeigneten Religionsunterricht sind und eventuell auf Kosten der Gesamtheit diesen solchen erteilen zu lassen. Sind wir der Ueberzeugung, daß Religionsunterricht zur sittlichen Entwicklung des Menschen not thut, so müssen wir, welcher Richtung wir angehören mögen, schon im Interesse der jüdischen Gesamtheit für einen solchen Sorge tragen. Vergessen wir nicht: es ist leichter, einen, Nebel vorzubeugen, als zu bessern und wieder gut zu machen. Vergessen wir nicht, daß wir Alle von der Gesamtheit für die schlimme That des Einzelnen verantwortlich gemacht werden. Wie viel könnte ganz anders sein, wenn die religiöse Erziehung, der Religionsunterricht besser wäre! Wie manchem konnte vorgebeugt werden durch einen Unterricht, der die Moralität, die sittliche Kraft erhält und stählt! Ich überlasse die hieraus sich ergebenden Folgerungen dem Nachdenken des geneigten Lesers, der verstehen wird, was ich nur anzudeuten wage. Es wird große Opfer kosten, — aber sie sind zu beschaffen; sie müssen beschaffen werden^ sonst u. s. f. Das zweite ist: Tüchtige Lehrer! Auf welche Weise erhalten wir einen tüchtigen Lehrerstand? Sprechen wir zuerst von der Lehrerbildung. Daß diese eine gediegene, umfassende und allgemeine sein muß, haben wir bereits angedeutet. Ob der junge Mensch später als Religionslehrer oder auch als Elementard. i. Volksschullehrer sungiren wird, — er darf keinem Volksschullehrer nachstehen ini Wissen und zwar insbesondere im pädagogischen Wissen und praktischer Befähigung; er muß es verstehen, sich die nötige Autorität bei seinen Schülern zu erwerben; er muß erziehlich wirken können. Er muß sachliches Wissen und Gewandtheit im Unterrichte haben; er muß in jedem Volksschulfache höher stehen, als die befähigtsten Schüler seiner Klasse. Ist dies nicht der Fall, so bleibt er ein Stümper und seinem Unterrichte fehlt Würze und Weihe. Die jungen Leute, welche sich dem Lehrfache widmen wollen, müssen wir, schon um der Gerechtigkeit willen so ausrüsten, daß sie Volksschullehrer und g e d i e 9 e tt e Religionslehrer werden können, um freie Bahn, die Aussicht auf eine würdige, befriedigende Lebensstellung zu gewinnen. Wenn der Tag kommt, auf den >vir hoffen, so darf der jüdische Lehrer nicht zurückstehen dem christlichen Kollegen gegenüber. Im Gegenteil! Er muß, aus bekannten Gründen, höher stehen in seiner Bildung. Er muß die Befähigung in sich tragen, die die Berechtigung zur Erreichung des höchsten Zieles in seinem Berufe in sich schließt. Nur der vollauf Ausgerüstete hat Streben. Der Stümper bleibt Stümper — sein Leben lang und auf allen Gebieten. Wer aber ein Lehrer ist, sucht sich fortzubilden, zu streben und erreicht in den meisten Fällen sein Ziel und Befriedigung in seinem Wirken. Neben dem allgemeinen Wissen muß der jüdische Lehrer selbstverständlich auch gediegenes Wissen in den Religionsfächern haben, um nicht allein in der Schule, sondern auch in der Gemeinde und Synagoge wirken zu können. Er darf, um einen allgemein verständlichen Ausdruck zu gebrauchen, kein Amhoorez sein. Er muß die Bibel in der Ursprache lesen können und verstehen. Das talmudische und nachtalmudische Schrifttum darf ihm nicht ein „Buch mit sieben Siegeln" sein, soweit es nicht in einem Idiom geschrieben ist, das besonderes Studium verlangt und soweit diese Schriften sittlichen und belehrenden Inhalts und noch heute von Bedeutung sind. Er muß die Perlen der Agada, des Midrasch suchen und finden, würdigen und vorteilhaft ausnützen können. Er muß im Stande sein, die Gebete und die Thora in der Synagoge würdig vorzutragen

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