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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-06-01 · Heft 6 (1.6.1884) · p. Seite 127

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 6 (1.6.1884)
Date
1884-06-01
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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127 ihn vor der Zeit entwurzeln, so machen wir ihn fakultativ, zu einem schwachen Anhängsel der Gesammtbilduna, zu einem untergeordneten und ungeordneten Wissen, so geben wir ihn in Händen von Lehrern, die tiefer stehen im allgemeinen Wissen, in pädagogischer Begabung, als die Lehrer für die übrigen Fächer, in die Hände begeisterungsloser oder gar indifferenter Menschen. Wollen wir den Religionsunterricht so „nach und nach" abthun, so überlassen wir ihn Menschen, die weder das genügende Wissen noch den Willen und die Kraft, weder den Anstand noch die Würde haben, den Kindern das Beste zu geben; überlassen wir ihn Unfähigen und Unwürdigen, die ihn zur Zeit noch leider so oft in die Hände bekommen. Wollen wir ihn aber heben, kräftigen; wollen wir ihn zu dem machen, was er sein muß, dann müssen wir für einen würdigen Lehrerstand Sorge tragen; müssen wir als Gesammtheit eintreten für unser Heiligtum und unsere erste Aufgabe in der Gegenwart muß sein, dahin zu wirken, daß jedem jüdischen Kinde ein genügender, feinem Bildungsstande entsprechender, im Gemüte wurzelnder, mit dem Geiste aufsteigender Religionsunterricht erteilt werde. Wir sprechen zuweilen noch von dem erhabenen Worte: „Kol jisroel arebim seh boseh“, von der gegenseitigen Verantwortlichkeit der Juden, der Gesammtheit für den Einzelnen. Nun ja, in diesem Punkte besteht sie, weil diese Aufgabe nicht gelöst werden kann, wenn wir nicht Alle eintreten mit unserer ganzen Kraft und mit aller Hingebung für diese heiligste Institution. Und so durchdrungen muß die gesammte Judenheit werden für diese heiligste Ausgabe, für diese Grundforderung ihres Bestandes, daß wir für eine lange Zeit alle anderen Strebungen für das Judentum, so hoch und heilig sie für eine spätere Zeit auch sein mögen, ruhen lassen müssen, um uns ganz und gar nur dieser ersten und höchsten, bisher jedoch vielfach vernachlässigten Aufgabe zu widmen. Unsere ganze Kraft muß sich beschränken auf bte Erreichung des vorgesteckten Zieles. Wie in der alten Zeit in anderer Form das Lernen, die Thora, die erste Forderung war, die jeder Jsraelite zu erfüllen suchte, so muß es wieder werden. Alle müssen Interesse bekommen für den Religionsunterricht unserer Kinder, mit der naturgemäßen Bedingung, daß dieser Unterricht in Form und Wesen entspreche dem Bildungsstande unserer Zeit; daß die Lehrer sein müssen Männer unserer Zeit. Wir können in diesem Punkte nicht deutlich, nicht eindringlich genug sein. Wir sagen: die Thora, der Unterricht in der Religion ist zurückgegangen, ist vielfach fast geschwunden, ist nur selten genügend, seiner Aufgabe entsprechend, die Zukunft begründend. Was nützen uns dann Synagogen, Prediger, Vereine und Institutionen aller Art? Wir müssen für eine lange, lange Zeit unsere ganze Kraft concentriren auf diesen Punkt; wir müssen Missionen ausschicken in alle Orte, wo sich nur ein jüdisches Kind befindet, — zuerst im engeren Kreise, in unserem Vaterland, um dem Religionsunterricht allüberall Bahn zu machen. — Und erst, wenn eine geschlossene Organisation gesichert ist, die Alles, was diesen Punkt betrifft, ins Auge faßt, dürfen wir wieder an andere Aufgaben denken. Die jüdischen Wohlthäter, die Männer, die noch Anhänglichkeit und Liebe für's Judentum haben, — sie müssen ihr ganzes Streben für eine lange Zeit nur dieser Sache widmen. Das ist der Geist, in dem wir aufleben, ohne ihn sind wir '„tote Gebeine, ein sehr, sehr großes Heer; aber Geist ist nicht darin." Was hat aber zu geschehen, wenn diese Aufgabe erreicht werden soll? Lassen Sie mich die nächsten, praktischen Gesichtspunkte und Ziele andeuten, die wir uns stellen müssen. Sie bilden ein Ganzes, an dem kein Glied fehlen darf.

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