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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-06-01 · Heft 6 (1.6.1884) · p. Seite 126

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 6 (1.6.1884)
Date
1884-06-01
Page
Seite 126 (sequence 6)
Language
German
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126 lassen- Er muß jeden Konflikt zu vermeiden wissen. Er darf auch nicht, wie es vor einigen Jahrzehnten einmal vielfach verlangt worden, die Unterscheidungslehren des Judentums in den Vordergrund stellen, sondern soll die Lehren anderer Religionen gar nicht berühren und nur sagen: Das ist unsere Religion, das ist unser Judentum. „Mögen sie wandeln in der Lehre ihres Gottes, wir aber wollen wandeln in der Lehre unseres Gottes — ewiglich." Und ebenso ist's mit der Partei. Die Schule allüberall gehört nie der Partei, nie einer Richtung an. Erläutern wir dies durch ein Beispiel, und zwar an einem der wichtigsten Religionsgebote. Der Lehrer wird im Anschluß an das Sinaiwort die Heiligung des Sabbats und zwar Sochor und schomor besprechen; dabei wird er nicht nötig haben, etwa die talmudischen „39 Hauptarbeiten" vorzuführen. Er wird dem Uebertreter dieser Gebote keine Apologie halten und ihrem Beobachter auch nicht, sondern immer und überall das Gebot der Sabbatheiligung an sich, seine ethische Bedeutung für Religion und Leben im Auge behalten, so, wie es von der heiligen Schrift gelehrt wird. Dafür kann und muß er mit Begeisterung eintreten.*) Das einzelne „Wie" ist Sache des Hauses. Dabei muß er stets nach psychologischen und pädagogischen Grundsätzen verfahren, anschaulich und klar; objektiv und doch das Subjekt, das Jndividuuni, im Auge behaltend, dessen seelische Entwicklung seine Aufgabe ist. Ein solcher Religionsunterricht wird seinen Einfluß auf Geist und Gemüt der Kinder sich erringen und erhalten und ein Segen bleiben für das gesammte Leben. Auch Hebräisch gehört zum jüdischen Religionsunterrichte; wir können davon nicht ablassen. Eine jede Religionsgesellschaft hat ihren äußerlichen Mittelpunkt im Gotteshause und in jedem jüdischen Gottesdienst ist der größte Teil' der Liturgie zur Zeit noch Hebräisch und — wird's auch bleiben. Schon aus diesem Grunde — von allen anderen abgesehen — müssen wir das Hebräische unterrichten, um unsere Kinder zur Teilnahme am Gottesdienste zu befähigen. Aus diesen Gründen sind die hervorragendsten Vertreter der fortgeschrittensten Richtungen im Judentume eingetreten für den hebräischen Unterricht, wie für die Vorlesung der Thora in der Ursprache und haben die Einheit, den Bestand und die Zukunft des Judentums mit an die bei den Juden zu erhaltende Kenntniß dieser Sprache geknüpft. Wieviel hebräisch unterrichtet werden soll, was das Minimum und was das Maximum desselben in der Schule sein soll, kann hier nicht erörtert werden. Jedenfalls muß das jüdische Kind im Stande sein, die Hauptgebete mit Verständniß zu lesen. Das Detail und der Lehrgang sind Sache der Fachbesprechung unter Lehrern, auf die wir hier nicht eingehen können. Das also ist jüdischer Religionsunterricht; und es ist eine unabweisbare Pflicht der jüdischen Religionsgemeinde und der jüdischen Gesammtheit, dafür zu sorgen, daß ein solcher Unterricht jedem jüdischen Kinde zugänglich werde. Die Verhältnisse sind verschieden überall. Aber auf einen Religionsunterricht, wie er das Kind, den Heranwachsenden Juden zum lebendigen Gliede seiner Glaubensgenossenschaft macht, wie er zur Gesammtkultur unserer Zeit stimmt; wie er dem Gesammtunterricht, den das betreffende Kind empfängt, entsprechend ist, darf nicht verzichtet werden. Wollen wir den Religionsunterricht von vornherein alles Wertes berauben, wollen wir *) Wir verweisen auf Stein's Thora umizwah. -

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