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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-06-01 · Heft 6 (1.6.1884) · p. Seite 124

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 6 (1.6.1884)
Date
1884-06-01
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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124 — Gemüte ruhen; für die sie in ihrem Jugendleben keine Anknüpfungspunkte haben, — die „angeborne und ererbte" Religion aber ihnen vorenthält? Das muß anders werden. Das Verharren in diesen Mißbräuchen ist die größte Schädigung unserer Zukunft. Alle äußeren Veranstaltnngen können den Mangel eines gediegenen Religionsunterrichts nicht ersetzen. „Siehe, ich bringe Geist in Euch und Ihr werdet leben!" Geist, der Geist des Judentums muß uns wieder erfüllen, er muß ausgegossen werden über unsere Gemeinden, über unsere Gotteshäuser, über unsere Schulen, — d. h über unsere Kinder, und wir werden aufleben! Wir werden siegen über die dunklen Mächte — von außen und innen. Lassen Sie mich heute nur über diesen Gegenstand — über Religionsunterricht und Lehrer für denselben — sprechen. Das ist ein Gegenstand, der im Rahmen meines Berufes ist, über den ich schon so manches Wort gesprochen und geschrieben habe und iiber welchen man mir ein Urteil wohl zugestehen wird. Ich will versuchen, die Frage nach allen ihren Richtungen möglichst kurz zu erörtern. Vor einigen Jahren noch lebte ich in dem guten Glauben, daß es eine Sünde sei, in unserer Zeit noch von „jüdischen Schulen" zu sprechen. Ich glaubte, daß es überall bald nur „gemeinsame, konfessionslose Volksschulen" geben würde, und daß unsere Aufgabe nur die Regelung des Unterrichts in der jüdischen Religion an den öffentlichen Schulen sein könnte; daß all die Aushilfsmittel (Religions- und jüdische Konfessionsschulen) entbehrt werden könnten. Ich glaubte, daß die Verhältnisse der jüdischen Lehrer parallel mit denen der Lehrer anderer Konfessionen sich regeln würden. Dieses Vertrauen ist leider geschwunden mit so vielen anderen Hoffnungen für unsere Zeit, geschwunden mindestens für den größten Teil der gegenwärtigen Generation der Lehrer. Wir dürfen nicht hoffen, daß uns bald unser volles Recht werde; daß bald überall, wo jüdische Kinder an einer Schule sind, auch ein jüdischer Lehrer angestellt werde, sobald durch die Lehrer der Konfessionell der Mehrheit für den betreffenden Religionsunterricht in genügender Weise gesorgt ist, also überall 3—4 Lehrer an einer Schule wirken, in welcher jüdische Kinder unterrichtet werden. Das ist ein Recht, ein heiliges, unantastbares, das wir fordern, — aber ihm gehört erst die Zukunft! Es ist ein Recht, für das wir noch lange kämpfen werden müssen, obwohl es ein zweifellos wohlbegründetes, moralisch unabweisbares ist; obwohl sicher auch diese Zeit kommen wird für die Gesammtheit, wie sie gekommen für einige Wellige, die den Moment erfaßten. Trotzdem bin ich entschieden gegen die Gründung jüdischer — konfessioneller — Volksschulen. Das Judentum muß den Gedanken des Fortschritts konsequent treu bleiben, auch wenn man ihm Rechte versagt, die in diesen Gedanken begründet sind; auch wenn es dadurch in Nachteil kommt für einige Zeit, weil die Machthaber diesen Fortschrittsgedanken perhorresciren. Es darf nicht zurückweichen, die Reaktion nicht mit unterstützen und fördern helfen, der konsequenten Durchführung freiheitlicher und fortschrittlicher Bestrebungen in der Zukunft keine Heminnisse in den Weg legen. Dem Judentum darf der Vorwurf nicht gemacht werden, daß es die Reaktion unterstützt. Es muß der Freiheit ji» Gasse machen und — erhalten. Nur, wo bereits jüdische Konfessionsschulen bestehen, sollen sie erhalten werden, und auch da nur, solange an demselben Orte auch noch Schulen anderer Religionsgesellschaften existiren. Es bleibt uns also die Aufgabe, den jüdischen Religionsunterricht an den

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