Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1884)
- Date
- 1884-05-01
- Page
- Seite 119 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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■'-T ’-r.-i-r -•• — 119 — würden in Rußland ein weites Feld der Thätigkeit fiilden und Rußland auf diese Weise nur gewinnen." Es wäre zu wünschen, daß diese Ratschläge von der augenblicklich tagenden Kommission zur Regelung der auf die Juden bezüglichen Gesetze beherzigt würden, die jetzt statistische Daten einsamnielt über die Zahl der Juden in Städten und Dörfern, über ihr Alter, die Zahl ihrer Ehen, ihren Vermögensstand, ihre Beschäftigung im Handel, in der Industrie und im Handwerk. — Wir schließen unsere Chronik mit den uns zugegangenen Berichten über zwei uns zur Besprechung überreichte Schriften. Lazarus Geiger. Seine Lehre vom Ursprung der Sprache und der Vernunft und sein Leben, dargestellt von Ludwig Rosenthal. Stuttgart bei I. Leber. Die beiden Hauptwerke des großen Sprachforschers und Philosophen Lazarus Geiger, die dessen System entfalten, sind äußerst geistvoll und gedankenreich geschrieben, aber sie enthalten oftlängere linguistische Ausführungen und tiefereingehende Untersuchungen, die nicht jedermanns Sache sind. Der Versuch Löwenthals, die Hauptideen zusammengedrängt möglichst faßlich darzustelleu, ist daher ein recht anerkennenswerter. Er ermöglicht es auch dem Laien, sich einen Begriff davon zu machen, wie Geiger's Forschungen Sprachwissenschaft, Kulturgeschichte und Philosophie aufs Höchste gefördert, wie er, von ganz anderen Punkten als Darwin ausgehend und eine ganz andere Methode befolgend, gleichzeitig zu ganz ähnlichen Resultaten gelangte wie dieser und die Richtigkeit der Lehre von der Entwicklung auf's Wirksamste bestätigte. Auch von dem Leben des nur zu friihe Verstorbenen hat Löwenthal, ans Bärwald's, Peschier's und Anderer Angaben gestützt, sich bemüht, ein möglichst anschauliches Bild zu entwerfen, und es ist ihm dies auch im Ganzen gelungen. Doch wird in dieser Beziehung erst völlig Befriedigendes geleistet werden können, wenn die Briefe, kleineren Arbeiten, Gedichte re. benutzbar sind, mit deren Sammlung ein naher Verwandter dieses Gelehrten eben beschäftigt ist. — The Purpors and Methods of charitable Relief. Two Sermons preached in the Bayswater Synagogue by the Rev. Dr. Hermann Adler, Delegate Chief Rabbi. Die erste Rede knüpft an Heut. XV. II an und betont der Redner anerkennend den zur Zeit vorhandenen großen Sinn für Wohlthun, der erhalten bleiben möge. Jedoch genüge dem schrecklichen Elende der Armen in London gegenüber nicht allein das Mitgefühl. Die Mildthätigkeit muß in rechter Weise geübt werden, sie soll nicht blos dazu dienen, uns Befriedigung zu gewähren, ohne daß wir uns um die Wirkung unserer That kümmern, selbst müssen wir zu den Quellen der Armut hinabsteigen, sonst können wir durch unsere edelgemeinten Thaten mehr Unheil als Segen stiften. Wir müssen nicht allein geben, sondern auch prüfen, wem wir und wo wir geben. Wir müssen unseren Dürftigen persönlich näher treten, so verlangt es von uns die Lehre Israels. Auf Seite 5 schildert der Redner das Elberfelder System der Armenverwaltung, das auf den beiden Grundsätzen beruht: Persönliche Erkundigung und entsprechende Unterstützung des Würdigen. Auch,in London lasse sich dieses System gut durchführen, wie denn auch „die Verwaltungsbehörde der Unterstützung jüdischer Armen" (Board of Gruardins for the relief of the Jewisb poor*), welche die Förderung des Handwerkes unter der armen jüdischen Bevölkerung Londons sich mit zur Aufgabe stelle, schon seit 25 Jahren in diesem Sinne, und Geiste verführt. Dieser Verein, der mancherlei Angriffen ausgesetzt ist und nicht über *) Man vergl. auch über jüdische Arme in London die Zeitschrift „Ibri Anochi.“ 188 . Nr. 15.