Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1884)
- Date
- 1884-05-01
- Page
- Seite 116 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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116 Hohepriester im Tempel der Menschheit"". Wahrlich unsere Bibel, unserer Propheten Mund, unsere Morallehren haben mächtiger an der Verwirklichung der Ideen der Freiheit und Rechtsgleichheit mitgewirkt, als die klassischen Völker des Altertums, denn während diese in erster Linie die Aesthetik, lehrten jene vorwiegend die Ethik und die Moral. Die heilsame Einwirkung der Ideen der jüdischen Religion auf den Geist und die Sitten der Völker haben in allen Zeitaltern selbst die nichtjüdischen Gelehrten anerkannt. — Die Juden sollen ihre Glaubensartikel publizieren! Seit Jahrtausenden haben wir dieselben mit unserem Herzblute in das Buch der Geschichte eingeschrieben; unsere Literatur liegt seit unermeßlichen Zeiten offen vor der wissenschaftlichen Welt. Die jüdische Literatur bildet einen Gegenstand auch der nichtjüdischen Theologie, und in den Städten Oxford, Cambridge, Paris, Leipzig, Berlin, Rom, Florenz, Parma, Leyden, Amsterdam, Utrecht, Kopenhagen, Upsala, Christiania u. s. w. wird man es gewiß für überflüssig halten, daß die Juden von Neuem ihre Glaubensartikel publizieren sollen. Wir stehen auf dem Boden einer inehrtausendjährigen Geschichte, wir proklamieren keine neuen Lehren." Möchten doch die Ungarischen orthodoxen Rabbiner nicht nur Erklärungen abgeben, sondern auch durch Thaten bezeugen, daß sie nicht kulturfeindlich sind, und daß ein Strahl von der Sonne des Judentums auch erleuchtend in ihren umdunkelten Geist gefallen, denn welche Meinung soll man denn eigentlich von der Ungarischen Orthodoxie bekommen, wenn der Erlaß des Herrn Kultusministers (wörtlich: „Se. K. und apostolische K. Majestät hat mit allerhöchster Entschließung äio. Wien, 2. Februar 1884 unter Außerkraftsetzung des 8 26 des mit a. h. Entschließung vom 22. Oktober 1871 bestätigten israelitisch-orthodoxen Organisatiousstatuts mich allergnädigst zu ermächtigen geruht, die nötigen Verfügungen zu treffen, daß vorläufig in den israelitischen Kultusgemeinden nur solche Personen als Rabbinen angestellt werden können, die ungarische Unterthanen sind und mindestens die vier unteren Klassen des Gymnasiunis oder der Realschule, eventuell die Bürgerschule mit Erfolg absolvirt haben. — Wovon ich den Verwaltungs-Ausschuß zur strikten Darnachhaltung und Mitteilung an die israelitischen Gemeinden mit dem Benierken verständige, daß dem Ausschuß demnächst meine Verordnung in Betreff der Regelung der Jeschibas und der Talmud-Thoraschulen zugehen wird. Budapest, 6. Februar 1884. Trefort.") in ihrer Mitte auf solch großen Widerstand stieß, daß eine Deputation, bestehend aus den Rabbinern zu Preßburg, Eisenstadt, Verbau und Deutsch-Krentz, an Se. Majestät den Kaiser von Oesterreich abgeschickt wurde mit der Bitte um Abhilfe gegen diese Verfügung Trefort's? Daß die Regierung in Ungarn das Beste der Juden will, erfahren wir aus folgender Zirkular-Verordnung des Ministers des Innern an sänimtliche Munizipien des Landes ddto. 24. Februar, Zahl 911: „Aus verschiedenen Teilen des Landes ist mir die Nachricht zugekommen, daß die Agitationen zur Verbreitung von Gehässigkeit zwischen Racen und Konfessionen und zur Störung des friedlichen Zusammenlebens derselben in neuerer Zeit wieder begonnen haben und teils mit gewissenloser Bewußtheit, teils mit sträflicher Unbesonnenheit betrieben werden. Dieser Unistand macht es mir zur Pflicht, unter Bezugnahme auf meine Zirkular-Verordnungen vom 2. Oktober 1882, Z. 3397, und 28. August 1883, Z. 3484, das Munizipium hiermit aufzufordern: die gegen welche Konfession immer, gegen welchen im Lande lebenden Stamm immer ailftauchenden Agitationen mit der wachsanisten Anfmerksamkeit zu verfolgen, dieselben im Keime zu ersticken, die Agitatoren selbst aber, ohne Unterschied der Person, mit