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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-05-01 · Heft 5 (1.5.1884) · p. Seite 115

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 5 (1.5.1884)
Date
1884-05-01
Page
Seite 115 (sequence 19)
Language
German
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115 ausgesetzt werden. Noch wohlthätiger wird der Verein für die Witwen und Waisen von frühzeitig dahingerafften Kantoren sorgen, wenn es ihm gelingt, die nötigen Mittel zur «Schaffung eines ansehnlichen Kapitals zu erwirken. Diesem edlen Berufe haben sich einige in Großgemeinden amtierende Kantoren mit Erfolg unterzogen. So erhielt der Verein durch Verwendung des Herrn Kantor Popper in Frankfurt dankenswerte Zuwendungen von den Herren Spiegelberg, Seligmann, Speyer & Ellissen, Theodor Stern, B. H. Goldschmidt, Arthur Mai, Herrn und Frau Charles Zinn rc. Wir verfehlen nicht auf diesen der förderungswerten Teilnahme würdigen Verein hiermit nachdrücklich hinzuweisen.*) — Am 14. April wird in Berlin ein ordentlicher Gemeindetag abgehalten und wie uns unser Berichterstatter hinzufügt, soll in dem betreffenden Einladungsschreiben betont sein, daß für strengstes Kaschrus nach Hildesheimerischer Facon gesorgt sei. Auch die Rabbinen, den verschiedenen religiösen Richtungen angehörend, haben eine Versammlung nach dort für 5. Juni anberaumt, in welcher alle religiösen Differenzpunkte von der Beratung ausgeschlossen werden, während „Mittel zur Hebung des religiösen Sinnes" auf der Tagesordnung stehen. Als eine Fortsetzung der Rabbinerversammlungen und Synoden zu Braunschweig, Frankfurt a. M.. Breslau, Leipzig, Augsburg ist diese Versammlung nicht anzusehen. — Aus München schreibt man uns, daß daselbst in der Sitzung des Petitionsausschusses vom 6. Februar eine Eingabe des Herrn Jakob Rosenhaupt, isr. Predigers aus Aschaffenburg, zur Besprechung kam, in welcher verlangt wird, daß den Altjuden im Gegensätze zu den Neuisraeliten, welche erstere nur den mosaischen und nicht den neuen talmudischen Gesetzen huldigen, gestattet werde, selbständige Gemeinden bilden zu dürfen. Mit der Bemerkung „Nicht geeignet, da der Jnstanzenzug nicht erschöpft ist" wurde das Schriftstiick zuriickgewiesen. — In Sadagora in Galizien herrscht große Bestürzung unter den Chassidäern. Die Leiche des Wunderrabbi Friedmann fand man ausgegraben ohne Totengewand neben dem Grabe liegen. Regina Philipp, das getaufte Mädchen, von dem wir früher berichteten, wurde auf Weisung der Wiener Behörde durch Intervention des österreichischen Kaisers ihrem Vater zurückgegeben. —In Ungarn haben die orthodoxen jüdischen Rabbiner der Unqbhängigkeitspartei gegenüber, welche verlangte, daß die Juden ihre Glaubensartikel veröffentlichen und den Ansprüchen der Kultur genügen sollen, eine Erklärung abgegeben, aus der wir einige Sätze hier anführen: „Wir sollen unsere Glaubensartikel veröffentlichen? das fordert man von uns. Die jüdischen Glaubensartikel wurden vor vielen tausend Jahren publiziert, und zwar im Buche der Bücher, in der Bibel. Aus dieser unversiegbaren Quelle, aus dieser Quelle unserer Religion haben sämmtliche zivilisierten Nationen des Erdballs die reinsten Wahrheiten geschöpft, viele Millionen Menschen haben aus derselben Unterricht und Trost gewonnen. Wer sollte die auf dem Berge Sinai offenbarten jüdischen Glaubenssätze nicht kennen? Wo existiert eine Gesetzgebung, die nicht auf den zehn Geboten beruhen würde? Wo ist der zivilisierte Staat, der den mosaischen Grundsatz nicht acceptiert Hütte: „„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst"". Wo ist die Rechtsordnung, deren Grundsatz nicht jener aus dem Talmud genommene Satz bildete: „„Du sollst einem Andern nicht thun, was Du nicht willst, daß Dir geschehe"". Wer kennt nicht jenen Grundsatz des Talmud: „„Jeder Nichtjude, der die Gesetze der Humanität kultiviert, ist ein *)kHerr Kantor Popper nimmt gerne freundliche Zuwendungen entgegen und quittiert dieselben namens des Vereins. 10*

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