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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-05-01 · Heft 5 (1.5.1884) · p. Seite 114

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 5 (1.5.1884)
Date
1884-05-01
Page
Seite 114 (sequence 18)
Language
German
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114 Kollegiums. Wir stimmen ein in die Klage der Braunschweiger Gemeinde „Ein Stern der Wissenschaft ist hingeschwnnden, ein warmes Herz hat ausgeschlagen und trauernd stehen wir an seinem Sarge." — Von Rotterdam wird uns vom 13. März berichtet, daß daselbst Dr. Shäpira in Folge von Geistesstörung seinem Leben durch Erschießen ein Ende gemacht. Er hat vor 8 Jahren der Preußischen Regierung seine moabitischen Töpferwaren verkauft, deren Unechtheit später erwiesen wurde und hat in letzter Zeit viel von sich reden gemacht durch die Handschrift des fünften Buches Mosis, deren Unechtheit durch französische, englische und deutsche Gelehrte dargethan wurde (vgl. hierüber Fragmente einer Lederhandschrift, enthaltend Mosis letzte Rede an die Kinder Israel, mitgeteilt und geprüft mit einer autographirten Tafel von Lic. und Privatdozent Hermann Guthe, Leipzig Breitkopf und Härtel 1883). — Am 12. März starb im Gunnelsbury-Park die Baronin Lionel v. Rothschild. Sie war die einzige Tochter und das älteste Kind des verstorbenen Freiherrn Karl Mayer von Rothschild in Neapel. Sie wurde am 13. Juni 1819 geboren und vermählte sich am 15. Juni mit dem damaligen Chef des Londoner Hauses Freiherrn Lionell Nathaniel v. Rothschild, der am 3. Juni 1879 gestorben ist. Sie war eine Wohlthäterin der Unglücklichen und Leidenden und ihr letztes Wort war „Vernachläßigt die Armen nicht." Am 16. März 11 Uhr wurde sie zur Erde bestattet und am 22. März fand in der Zentralsynagoge zu London eine Feier statt, bei welcher Herr Rabbiner Dr. Hermann Adler die Gedenkrede hielt, die uns gedruckt vorliegt. Die Legate der Verstorbenen betragennahezu 2 Mill. Mk. Auch Frankfurt wurde mit 100 ÖOO Mark bedacht. — Am 7. März wurden im Neustettiner Synagogen-Brandprvzeß entsprechend dem Wahrspruch der Geschworenen vom Gerichtshöfe alle Angeklagten freigesprochen, und fanden in Folge dessen zu Neustettin am 8. und 9. März Ruhestörungen bedauerlichster Art statt. Am 14. März kam die Angelegenheit im Abgeordnetenhause zur Diskussion in Folge der Interpellation des Abgeordneten Zelle. Es sprachen der Vize-Präsident des Staatsministeriums v. Puttkammer, Freiherr v. Minnigrode, Stöcker, Munkel, Dr. Hänel, Dr. Wagner und Löwe. Tags zuvor fand im deutschen Reichstage vor Eröffnung der Tagesordnung eine Diskussion betreffend die vom nordamerikanischen Repräsentantenhause aus Anlaß des Todes des Abgeordneten Dr. Lasker beschlossene Resolution statt. Es sprachen Reichskanzler Fürst v. Bismark und der Abgeordnete Dr. Hänel. Am 14. März teilte der Präsident des Reichstages mit, daß von Herrn Robert Knetinert in Cincinatti dem deutschen Reichstage anläßlich des Ablebens Dr. Lasters ein Beileidsausdruck zugegangen sei, für welche Teilnahme er den Dank des Reichstages abstatten werde. — In Skurcz sind neuerdings ein 74 jähriger Jude mit Namen Boß und sein Sohn verhaftet worden, weil bald nach der Ermordung Cybulas Jemand behauptete, ihn in der Nähe des Hauses des Herrn Boß gesehen zu haben. — Auch in Skalitz in Ungarn kam das Osterblutmärchen wieder an die Oberfläche durch das Verschwinden der 17jährigen Ancsa Valcsena, die aber nach einigen Tagen lebend angetroffen wurde. — Am 17. März fand in Berlin die Generalversammlung des Vereins isr. Kantoren und Kultusbeamten unter Vorsitz des Königl. Musikdirektors Lewandowski statt. Wie bekannt, ist die Stellung der meisten Kantoren in den Gemeinden Deutschlands noch eine sehr unsichere und wenig glänzende. Wie oft muß der alternde, vom Schicksal vielfach verfolgte Kultusbeamte nach vieljähriger pflichtgetreuer Amtsthätigkeit den Wanderstab ergreifen und stellenlos umherirrend — wohlthätige Menschenfreunde aufsuchen! Solchen unverschuldeten Invaliden soll nunmehr aus der Vereinskasse eine Pension

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