Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1884)
- Date
- 1884-05-01
- Page
- Seite 111 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969712-2969718--1044-2971488- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
111 Mendelssohn, aut Sterbebette „Ich bin versichert, daß aus dein Kind ein großer Mann werden wird" giengen in Erfiillnng. Jni Jahre 181 l tvurde Salonion aus den Fluten wimderbar gerettet nub seine Mutter weihte ihn damals dem Dienste des Herrn. Auch äußerlich sollte sich das bemerkbar machen, indem er bis zu seinem 13. Jahre nur weiß gekleidet ivnrde. Als Dreizehnjähriger wurde Sulzer vom Kaiser Franz als Kantor der Geineinde Hohenems bestätigt, nachdem diese Angelegenheit den ganzen Jnstanzenzng bis nach Wien durchgegangen war. Er machte jetzt vor seiner Einführung in's Amt die ihm zur Bedingung gestellten drei wichtigen Lehr- und Wandexjahre durch. Er gieng nach der Schweiz und nahm bei dem berühmten Kantor Herrn Lippmann Unterricht, den er im Jahre 1818 nach Frankreich als jüdischer Troubadour begleitete. Bon dort kehrte Sulzer in seine Heimat zurück und gieng dann nach Karlsruhe, wo er ein Jahr hindurch strengen Musikstudien oblag. Jin Jahre 1820 trat er sein Amt als Kantor in Hohenems an, das er fünf Jahre hindurch mit Eifer und Hingabe verwaltete. In seinem 21. Jahre erhielt er einen Ruf als Kantor an die Wiener israelitische Kultusgemeinde, die in ihm und dein geistvollen trefflichen Redner Mannheimer zwei Männer gefunden, die von providentieller Bedeutung für die Entwicklung des Judentums in Oesterreich gewesen sind. Es gab da manchen harten Kampf zu kämpfen, denn wie heute die Orthodoxen die Orgel verpönen, so galt ihnen damals der Chor als ketzerisch und der alte Schlendrian und Singsang als heilig und unantastbar. Sulzer ist der Begründer des geregelten synagogalen Gesanges und sind seine unter dem Titel „Schir Zion“ (2 Bände, Wien 1845 und 1866) veröffentlichten gottesdienstlichen Gesänge der Israeliten bahnbrechend auf diesem Gebiete gewesen. Vom Jahre 1844- 1847 war Sulzer auch Prof, des Gesanges am Wiener Konservatorium. Wer Sulzer je im Tempel in der Seitenstättengasse hörte, wurde mächtig ergriffen, man wurde gehoben und getragen und in den Augen zitterten Thränen. Nicht mit Unrecht sagt Friedrich Uhl von Sulzer: „Wenn wir duldsam, brüderlich geworden sind in Wien, so gebührt ein großer Teil dieses Verdienstes außer den Worten von Lessings Nathan den Liedern Sulzers, diesen gesungenen Bitten um Emanzipation." Aber nicht nur im Tempel, sondern auch draußen im Leben war er der gefeierte vielbewunderte Künstler, so daß man sich zu dem Ausspruche veranlaßt sah, „Wer nicht von Sulzer Schuberts „Allmacht" gehört oder vielmehr empfunden, kennt kaum die Macht der Töne." Mögen dem greisen Meistersäuger noch viele glückliche Jahre beschieden sein. — In Wiesbaden wurde Herr Dr. Silberstein, bisher in Möhringen, zum Rabbiner erwählt. — Am 21. März sind es 50 Jahre gewesen, seitdem Ch. S. Slonimsky in Warschau, früher Professor am Rabbiner-Seminar zu Zitomir, als Schriftsteller aufgetreten, es war dies zugleich sein 75. Geburtstag. Außer von ihm veröffentlichten astronomischen und mathemathischen Schriften ist er durch seine Wochenschrift „Har-ellrab“ bekannt, in welcher der Kampf gegen die Finsterlinge im Judentume mit tüchtigen Waffen geführt wird. — Von 'Dr. S. M. Schiller Szinessy in Cambridge ist der vokalisierte Text des ersten Psalmbuches mit Kiiuchi's Kommentar,' aus 19 Handschriften hergestellt, bei Brockhaus in Leipzig erschienen. — Die Mischnah wurde von W. H. Lowe in Cambridge, woselbst er Hebrew Lecturer at Christ'» College ist, nach einer Handschrift der dortigen Universitätsbibliothek ediert. Manche Traktate haben andere Benennungen und nebstdem ergeben sich viele Varianten, die besonders bei Eigennamen von großein Werte sind. - In England, wo die Judenfrage praktisch nicht lebt, wird dieselbe bibliographisch beschrieben in dem Werke „The Jewish Question 1875—1883“