Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-05-01 · Heft 5 (1.5.1884) · p. Seite 110

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 5 (1.5.1884)
Date
1884-05-01
Page
Seite 110 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969712-2969718--1043-2971487
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

110 befände sich im direktesten Gegensätze zu dem altisraelitischen Glaubensleben der mosaischen und prophetischen Zeit. Allein diese Behauptung beruht auf vollständiger Unkenntnis oder Außerachtlassung jenes ewigen Gesetzes, das nicht blos in der sichtbaren Weltordnung, sondern auch in der Entwicklung des Gedankeillebens zu Tage tritt. Hier wie dort sind Ursache und Wirkung unlöslich mit einander verbunden und jedes Ereignis stammt in direkter Linie von vergangenen Geschehnissen ab. Der Prophetismus hatte sich überlebt. In dem matten Flügelschlage, der seine letzten Vertreter trug, erkannten wir bereits seinen im Verenden begriffenen Geist. Seine Hauptaufgabe, der Kampf gegen das Heidentum, war, wie bereits erwähnt, beendet. Die Nichtigkeit der Götterwelt aller Völkerschaften, mit denen Israel in Berührung gekommen war, hatte den Schleier, der so lange seine Augen umhüllte, zerrissen; das Volkstum, dessen wärmste Vertreter gegen tyrannische Macht die Propheten waren, konnte ihrer jetzt entbehren, da das politische Leben eigentlich nur eine Scheinexistenz fristete, dem der eigentliche Nerv, die Freiheit, fehlte; auch war in Babel kein Heiligtum vorhanden, in dem die äußere Observanz den innrrn Geist erdrücken konnte und gerade dieses Moment war es, welches dem Prophetismus die herrlichsten und erhabensten Gedanken eingegeben. (Fortsetzung folgt.) Göronik der Hagesereignisse im Indenlume auf soziakem und literarischem Heviete. Herr Dr. Joel Müller, bisher Religionslehrer in Wien, vormals Pabbiner in Böhni.-Leipa, wurde als Lehrer für die talmudischen Fächer an die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums nach Berlin berufen. Er ist in der literarischen Welt durch seine gründlichen Arbeiten über den „Traktat der Schreiber," durch Bearbeitung der Respousen der ältesten Gaonim, sowie durch sein Werk über Ritus-Verschiedenheiten zwischen den babylonischen und palästinischen Inden vorteilhaft bekannt. — Am 5. Mürz wurde Herr Dr. Braun in sein Amt als Direktor des Barnch-Auerbach'schen Waisenhauses in Berlin eingeführt. — Herr Dr. Minor wurde an der Universität in Moskau als Privatdozent für Nervenkrankheiten ernannt und in Wien wurde dein Lehrer N. Streißler das Direktorat der Volksschule in der Leopoldstadt übertragen, welche von 1666 katholischen, 41 protestantischen und 2372 jüdischen Schülern besucht wird. Letztere Ernennung erfolgte gemäß des Gesetzes, nach welchem der zu erwählende Direktor der Konfession derjenigen Schüler angehören muß, die in größter Anzahl die Schule besuchen. — Dem Kaiserl. Rat, Herrn Joel Deutsch, Direktor des allgein. öfter, isr. Taubstuinmen-Jnstitutes, wurde anläßlich seines 71. Geburtstages das Bürgerrecht der Stadt Wien taxfrei erteilt und am 14. März begierig Herr Josef Ritter v. Wertheimer, der vielverdiente Präsident der Wiener isr. Allianz, seinen 84. Geburtstag. Mögen ihm noch viele Jahre segensreicher Wirksamkeit beschieden sein. — Am 30. März feierte Herr Prof. Salonion Sulzer in Wien seinen 80. Geburtstag. Er wurde am 30. Mürz 1804 zu Hohenems in Vorarlberg geboren. Die Worte seines im Jahre 1807 verstorbenen Großvaters von mütterlicher Seite, mit Namen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.