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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-05-01 · Heft 5 (1.5.1884) · p. Seite 105

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 5 (1.5.1884)
Date
1884-05-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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105 die das Gottesbündnis, mit den Ahnen einst geschlossen, frevlerisch verletzten, wendet. Wohl traten die Bessergesinnten im Volke hie und da zusammen, um zu beraten, wie dem gierig um sich fressenden Verderben Einhalt zu thun wäre, allein vergebens, nur Gott hörte auf sie, im Volke aber verhallte schaurig ihre mahnende Stimme (Mal. 3, 16). Das böse Beispiel der Priester griff gewaltig um sich und das alte Bollwerk des monotheistischen Gedankens, die Faniilienreinheit, siel als Opfer der Schwäche und Gedankenlosigkeit. Jerusalem war ohne feste Mauern (Reh. 1, 3), Gott hatte verheißen, selbst eine feurige Mauer um die Stadt zu sein (Sech. 2, 9); allein das Gottesbewußtsein war nicht mehr stark genug, um Zuversicht zu gewähren; ein Gefühl der Unsicherheit beherrschte alle Kreise und gleich den Priestern suchte das Volk Stützen in den Nachbarvölkern, deren Töchter sie nun als Gattinnen heimführten. Und neben dieser Versumpfung durch Gedankenlosigkeit, machte sich im Volke eine skeptische, in krassen Materialismus ausartende Lebensanschauung breit, die sich gerne mit dem Mantel einer Scheinaufklärung umhüllte. Die Priester hatten, um ihr religionswidriges Treiben vor der Menge zu beschönigen, in sophistischer Weise das Wort der Schrift gedeutet, und da die Frommen gegen diese. Ehen eiferten, sprachen sie: „Haben wir nicht alle einen Vater, hat uns nicht alle ein Gott geschaffen?" (Mal. 2, 10 f. Geiger Zeitschr. V. 92 f.) und wie die Priester, so gefiel sich auch das Volk in Selbstbeschönigung und Selbstgerechtigkeit, da es fragte: „was thun wir denn Schlimmes"? wenngleich landläufig das Wort geworden war: „Nichtig ist's dem Herrn dienen, welchen Gewinn bringt es, seine Satzungen zu beobachten?" (Mal. 3, 10.) Es geht eben dem Volke wie dem Individuum! Wenn es zu Jahren gekommen ist, genügt ihm nicht mehr der kindlich-naive Glaube, der so leicht und bestimmt auf alle Fragen Antwort gibt. Der Volksgeist erwacht zur Reflexion, der Glaube ist dann nicht mehr stark genug, alle Zweifel zu bekämpfen und zur Ruhe zu bringen. In Schuld und Not werden Fragen aufgeworfen, Stimmen und Klagen vernommen, die nicht mehr durch irgend eine äußerliche gottesdienstliche Handlung beruhigt werden. Nur wenige sind es. die in solchem Seelenzustande bescheiden genug bleiben, die Schranken, die sich dem menschlichen Geist in den Weg stellen, zu erkennen; der größere Teil der Menschen spinnt in seiner Schwäche Truggewebe, um die Lücken des Könnens und Wissens zu verdecken. Schon im Exile waren, wie wir dies in Hiob fanden, laute"Zweifel an angehört habe, vielmehr bat die Negation dieser Annahme entschieden alles für sich, da sein Tadel sich zumeist gegen die Priester wendet. In Meg. 15a, Jalkut, Mal. Ans und Targum zu Maleachi 1, wird er mit Esra. in ersteren zwei Stellen auch mit Mordechai identifiziert, ähnlich auch Hieronym. ad Hagg. 1, 13 und prooem. in Maleach. Einige wollen seine Thätigkeit in die Zeit Esra's, andere in die Zeit Nehemia's setzen. Allein bei keinem derselben wird seiner gedacht, und die Art. mit der er 1, 8 von dem „Pechah" spricht, läßt nicht darauf schließen, daß er zur Zeit Nehemias gelebt habe, sondern zu einer Zeit, da ein fremder Pascha über die Provinz gesetzt war, wie wir einen solchen für die Zeit zwischen Zeruhabel und Esra annehmen, ähnlich Huetius, Hitzig, Herzfeld und Bleek. Das Buch zerfällt in 3 Abschnitte: l, 2—2, 9, sodann 2, 10-16 und 2, 7; 3, 21. Der Gesichtskreis des Propheten wird von der Ansiedlnng der neuen Gemeinde und dem Tempelkultus eingeschlossen. Durch seine Weissagungen zieht sich die trübe Stimmung, die jene Zeit, in die wir ihn versetzen, beherrschte. Die Sprache ist matt, ohne Schwung, zumeist in dialogisirender Redeweise. Vgl. Geiger Zeitschr. V. 217 f., M. Sänger „der Proph. Maleachi", Jena 1867. Zum ersten male tritt hier die Idee deH Bundesboten (maleach haberith) auf, der auf den „Tag Jahve's", an dem die Läuterung der Menschen durch Feuer vor sich geht, hinweist. (Bgl. Gen. r. 48.)

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