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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-05-01 · Heft 5 (1.5.1884) · p. Seite 104

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 5 (1.5.1884)
Date
1884-05-01
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 und Herzen pflanzen, aber ebenso wenig das ängstliche Anklamniern an Brauch und Herkommen ohne geläuterten Gottesdienst. Ein Wanderer, sagen unsere Weisen in ihrer sinnigen Gleichnisform, zieht seines Weges dahin und ist fest entschlossen, allen Hindernissen und Gefahren zu trotzen, um sein Ziel zu erreichen. Mutig schreitet er über Höhen und Tiefen hinweg und umgeht glücklich alle Klippen und Hemmnisse. Plötzlich steht er still und überlegt, was da zu thun sei; rechts liegt ein Eismeer, Schnee und Frost, links dehnt sich weithin ein gewaltiger Feuerbrand. Da war guter Rat teuer. Umkehren? Nein, ein mutiger Wanderer kennt nicht Furcht und Grauen. Er ging daher fürbaß seines Weges hielt sich aber genau in der Mitte und blieb unversehrt. — Die Thora will den Wanderer Israel die Mittelstraße führen, sie liebt nicht die Extreme, nicht dichte Finsternis, auch nicht allzu grelles Licht, das bis zur Verblendung und Gottlosigkeit treibt. Die Thora ist im Feuer gegeben worden und gleicht dem Feuer; ihm zu nahe versengst du, ihm zu ferne, bleibst du kalt, suche den Mittelweg. Durch sie sollst du nicht zu Eis erstarren, auch nicht der ausgebrannten Schlacke gleichen, sondern an ihren Gluten dich sonnen in ihren Strahlen pulsirendes, frisches Leben suchen und gewinnen. Meiningen. v,-. Dessauer, Herzoglicher Landesrabbiner. Das vaßykonifche <$xit und das Jahrhundert nach demsetven mit öefonderer Berücksichtigung auf die retigiöse Entwicklung des Judentums. Von Or. Adolf Rose »zw eia, Rabbiner in Teplitz. (Fortsetzung.) Mit vieler Not und nach langem Kampfe war der Tempel erbaut iKoh. 4, 17), allein der Zeit fehlt der kindlich-naive Glaube; Widerspruch und Zweifel zerreißen manchen süßen Wahn. Und an diesem Verfalle des religiösen Lebens hatten die Priester nicht zum geringsten Teil schuld; sie, die Gottes Boten sein sollten (Mal. 2, 7; vgl. Koh. 5, ft), waren Mietlinge, denen der heil. Dienst eine Last war (Mal. 1, 13), Verächter des Gottesnamens geworden, denen der eigene Nutzen höher stand als die Heiligung Gottes, daher sie selbst auch verächtlich in den Augen des Volkes geworden waren. (Mal. 2, 9.) Geraubtes kam auf den Tisch des Herrn, der Sabbat wurde entweiht, das Zehnt den Leviten nicht entrichtet, (Neh. 13,10; 12, 44, vgl. Mal. 1, 6 f.) weswegen sich auch der Eliaseifer des Propheten Maleachi') namentlich gegen die Kinder Levi's, ') Maleachi, durch Apoeope aus Malachija „Bote Gottes" entstanden, nimmt den letzten Platz in der Reihe der kleineren Propheten ein; er wird auch von der Tradition als der letzte der Propheten bezeichnet. Den Namen nehmen einige appellativisch, so der Alexandriner, andere als Amtstitel, so Benema, Hävernik, Heugsteuberg, „Maleach" in der Bedeutung Priester vgl. Mal. 2, 7. Doch wird aus der Schrift nicht ersichtlich, daß der Prophet dem Priesterstande

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