Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1884)
- Date
- 1884-04-01
- Page
- Seite 94 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969712-2969717--1026-2971469- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
94 Stern aus Kromau im Afike - Jehuda - Verein zu Prag über „Der Sozialismus und die jüdische Weltanschauung" und in Paris sprach Herr Aristide Astruc in der soc-iät4 des stades juivss am 26. Febr. „lieber den Ursprung und die historischen Gründe des Antisemitismus." — In Berlin fand eine Versammlung zum Zwecke der Gründung eines Vereines zur Förderung der jüdischen Geschichte und Literatnr statt. Periodische Vorlesungen, Anlegung einer Sammlung aller jüdischen Zeitschriften und als späteres Ziel, Herausgabe gemeinverständlicher Vorträge, wurden in's Auge gefaßt. — In Beuthen wurde, wie uns geschrieben wird, eine Loge des Ordens Buai-Brith mit Namen „Mamreh" feierlich eröffnet. — Das britische Museum in London hat von dem Buchhändler CH. Horowitz in Frankfurt a. M. fünf hebräische Handschriften zum Preise von 1100 Mark angekauft und Herr Baron Edmund v. Rothschild in Paris hat für ein hebräisches Gebetbuch, ein kalligraphisches Meisterstück, den Preis von 40000 Francs gegeben. — In Madrid ist im Jahre 1883 Lessings „Nathan der Weise" in spanischer Sprache unter dem Titel „Nathan el Sabio, poema dramatico“ erschienen und Schiller's „Makbeth" hat in I. Barb einen hebräischen Uebersetzer gefunden. — Eduard Engel veröffentlicht in der Gartenlaube Heinrich Heine's Memoiren, die im Besitze des Herrn Henry Julia in Paris sich befanden, welcher noch mehrere hundert an Heine gerichtete Briefe besitzt. — Unter der Protektion des deutschen Palästinavereins und von der kaiserlichen Regierung allen deutschen Konsulaten in Palästina und Syrien empfohlen, begiebt sich Herr Adolf Frei von Uster (Kt. Zürich) zu wissenschaftlichen Zwecken nach dem Orient. Als Hauptziel seiner Forschungen hat er sich die Umgebung des Sees Genezareth erwählt, weil auf diesem Gebiete noch eine große Anzahl von Fragen unerledigt ist. Herr Frei will auch im Süden von Hebron die Feste Kana'n durchforschen und in der judäischen Gebirgswüfte die vielen Klosterruinen aufsuchen, über welche grieschische Berichte aus dem fünften und sechsten Jahrhundert v. Chr. Kunde geben. Endlich will er auch die physischen Verhältnisse Palästina's untersuchen. — Die deutsche Kronprinzessin soll Sir Moses Montefiore mit einem nach seiner Photographie angefertigten Portrait überrascht haben, mit folgenden Zeilen: „Dieses Portrait ist eine meiner mühsamsten Arbeiten, aber die Verehrung für Sie hat sie mir leicht gemacht." Eine Biographie des greisen Philantropen in jüdisch-deutscher Sprache ist in Wilna unter dem Titel „Haares balwonon,“ „die Zeder des Libanon" erschienen. — In Lemberg wurde gegen den Willen des Vaters an einem 14jährigen jüdischen Mädchen, namens Regina Philipp, die Taufe in der Hauptkapelle, der Brasilianerinnen vorgenommen und in Skurz wurde durch die am 21. Januar aufgefundene Leiche eines 14 jährigen Knabens, namens Zibula, ein Teil der Bevölkerung in eine Tisza - Eszlarer Stimmung versetzt und in Erregung gegen die jüdische Bevölkerung gebracht. — Dnrch das neue Hausierergesetz in Rumänien werden 20,000 Juden brodlos.— In Rußland kommen wieder neue Ausbrüche vor und die Unabhängigkeitspartei in Ungarn schürt die Flamme des Antisenlitismus und fordert die jüdischen Mitbürger zur klaren Darlegung ihres Glaubensbekenntnisses auf. — In Kischenew ist eine Juden-Christeugemeinde im Entsteheu begriffen. Die Seele derselben ist Joseph Rabbinowitz. Er erkennt Christus wohl als Messias, aber nicht als Gottessohn an. — Aehnliche Bewegungen scheinen in Rußland an vielen Punkten auszubrechen und berichten die Blätter von einer Glaubensgemeinde „Neu-Jsrael", die folgende Hauptpunkte aufstellt: 1) Abschaffung der Zirkumcision. 2) Der Talmud ist nicht als Religionsgesetz anzusehen. 3) Verlegung des Samstags auf Sonntag. 4) Abschaffung vieler unzeitgemäßer Gebete und Einführung von