Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1884)
- Date
- 1884-04-01
- Page
- Seite 89 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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89 die Jugend und die Erwachsenen über das Judentum aufzuklären. Eine große Anzahl von Büchern wurde angeschafft und Lefeabeude wurden eingeführt. Möge der Verein in seinem eigenen Kreise immer mehr Anhang finden und anregend auf andere Gemeinden zur Gründung ähnlicher Institutionen wirken. — Am 27. Januar starb in Tabor Herr Kreisrabbiner Gutmann Klemperer im 61. Lebensjahre, nach 40 jähriger Wirksamkeit daselbst. Er stammte ans Prag. Seine Biographie des Jonathan Eibenschtttz gilt als eine tüchtige literarische Leistung. Neben einigen Gelegenheitsreden hat er viele Aufsätze im Prager Volkskalender von Pascheles veröffentlicht. Die Chronik des Rabbi David Gans, „Zemach David,“ in's Deutsche übertragen und mit Noten versehen, soll sich in seinem literarischen Nachlasse befinden. An seinem Sarge sprachen Worte ehrender Anerkennung Oberrabbiner Hirsch aus Prag und andere Berufsgenossen. Schriftsteller S. Kohn sprach im Namen des Afike Jehnda-Vereins in Prag, Rabbiner Torsch aus Neuhaus sprach ein böhmisches Gebet. — Am 3. Februar starb in Wien Herr Moses Hirschel im 94. Lebensjahre. Ein tüchtiger Mitarbeiter auf dem Gebiete der jüdischen Reformbewegung in Ungarn, stand er treu zu Aaron Chorin, dem Bahnbrecher einer besseren Richtung daselbst. Bedeutungsvoll sind die Worte Jellinek's an dessen Grabe, die wir als die zweite Kundgebung eines großstädtischen jüdischen Geistlichen verzeichnen (vergl. Monatsbl. Jahrgg. IV., S. 67) und allen zur ernsten Beherzigung dringend empfehlen, „er gehörte nicht zu denen, welche es an der vom Judentume gebotenen Ehrerbietung vor den Lehrern der Gemeinde fehlen lassen, Laune und Belieben an die Stelle von treuer Anhänglichkeit in dieser Beziehung stellen." — In Ratibor starb am 31. Dezember 1883 Herr Dr. Julius Hekscher, Prediger daselbst. — Am 28. Januar starb in Warschau Herr Fabian Strauch. Er hat das .Gebetbuch in's Polnische übertragen und war Redakteur eines polnisch-jüdischen Blattes. — Am 12. Februar starb in seinem Landhause zu Lichtenfelde Dr. A. Bernstein. Er wurde zu Danzig am 6. April 1812 geboren und hat bis zu seinem 20. Lebensjahre nur Bibel und Talmud studiert. Später kam er nach Berlin und gab unter dem Namen Rebenstein im Jahre 1834 eine Uebersetzung und Bearbeitung des Hohenliedes heraus. Bernstein war der Begründer des Ghetto-Novelle und ist auf diesem Gebiete unübertroffen geblieben. „Vögele der Maggid“ und „Mendel Gibbor,“ ursprünglich nur für jüdische Lehrer bestimmt, haben mit Recht die Aufmerksamkeit nichtjüdischer Kreise auf sich gelenkt und sind wahre Perlen der Literatur zu nennen. Während Kompert uns Böhmische, Mosenthal Kurhessische und Franzos Galizische Juden vorführt, haben wir in Bernstein's Novellen die Spezies „Bosnische Juden" ungeschminkt vor uns, wie sie leiben und leben. Im Jahre 1871 kehrte Bernstein zu seiner alten Jugendliebe, der jüdischen Wissenschaft, zurück und gab seinen „Ursprung der Sage von Abraham, Isaak und Jakob" herraus, in welchem er gründliche Blicke in die jüdische Stammesgeschichte gethan, die sich in der Schilderung des Lebens der Patriarchen in der Genesis abspiegelt. Er war einer der thätigsten Mitbegründer der jüdischen Reformgenleinde in Berlin. Bei der Begräbnisfeier, am 15. Februar, hob der Prediger der Reformgemeinde, Herr Dr.' Ritter, in seiner Ansprache hervor, daß Reichtum, Macht und die irdische Hülle des Menschen vergänglich seien; unsterblich aber wären die Werke des Geistes, darum müsse man hohe Geistesgaben als das Beste auf Erden betrachten. Bernstein sei mit diesen göttlichen Gaben besonders reich ausgestattet gewesen und habe dieselben in edelster Weise zum Besten seiner Mitmenschen verwandt. Er sei aus dem talmudischen Studium, welches 8