Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-04-01 · Heft 4 (1.4.1884) · p. Seite 87

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 4 (1.4.1884)
Date
1884-04-01
Page
Seite 87 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2969669-2969712-2969717--1019-2971462
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

87 Versammlung fanden, zu der mehr als hundert der angesehendsten Männer aus den verschiedenen Teilen des Landes ^berufen waren, befriedigte Napoleon ganz besonders. Es war ein erhebendes Schauspiel, bemerkte der Vortragende, diese Männer, die noch kurz vorher verachtet und unbeachtet dastauden, in Paris mit all den Ehren und Auszeichnungen von der Regierung empfangen zu sehen, wie sie nur einer National-Reprüsentation zu Teil werden. Vor dem Sitzungssaale befand sich eine Ehrenwache, die beim Heraustreten der Deputirten miltürisch grüßte und die Trommel rührte. Damit beginnt die 4. Periode der jüdischen Geschichte. Die Juden hören auf als eine besondere Nation unter den Völkern zll existieren; sie bilden blos noch eine Glaubensgemeinschaft. Das Julikönigtum that in Frankreich noch den letzten Schritt in der Gleichstellung der jüdischen Glaubensgemeinde mit den übrigen des Landes; es übernahni die Kosten des jüdischen Kultus. — Der Vortragende warf zum Schluß noch die Frage auf, warum in Frankreich die Emanzipation zu einer solchen Ausgleichung der Gegensätze geführt, daß eine Bewegung gegen die Juden, wie wir sie jüngst in Deutschland erlebt haben, dort gar nicht anders als dem Schicksal der Lächerlichkeit anheimfallen kann. Die geringere Anzahl der Juden in Frankreich erklärt diese Thatsache nicht. Die Inden spielen nicht nur im Verhältnis zu ihrer Zahl, sondern an und für sich in Frankreich eine viel bedeutendere gesellschaftliche Rolle als in Deutschland; sie sind in allen höher» Ämtern vertreten. Die genannte Thatsache erklärt der Vortragende nur daraus, daß die Emanzipation in Frankreich nicht brockenweise gegeben wurde, wie in Deutschland, ferner daraus, daß die Idee der sozialen Gleichheit den Franzosen in Blut und Fleisch übergegangeu ist. Diese Idee gieng aus der französischen Revolution hervor. Die Freiheit nahm Napoleon den Franzosen wieder; aber die soziale Gleichheit ließ er unangetastet. Berlin. D. Selver. Chronik der Tagesereignisse im Iudenlume auf sozialem und literarischem Heviete. Am 27. Januar fand die Gedächtnisfeier an den sel. Stifter des Breslauer Seminars, Kommerzienrat Jonas Fränkel statt. Der derzeitige Vorsitzende des Lehrerkollegiums Herr Dr. Zuckermann hielt die Festrede. Den Preis für die im vorigen Jahre gestellte Frage „Stellung und Bedeutung des Jehuda Ehajng in der Geschichte der hebräischen Grammatik" erhielt Herr Bernhard Drachmann, ein Amerikaner. Mit Rabbinatsdiplomen in üblicher Weise wurden entlassen die Herren Dr. N. Kronberg und W. Münz, welch' letzterer die Abschiedsrede hielt. Die Anstalt zählt 28 Hörer. Am 1. April v. I. wurde Herr Dr. Israel Levh, früher an der Hochschule in Berlin, ein Zögling des Breslauer Seminars, in sein Amt als Seminar-Rabbiner eingeführt. Dem Jahresbericht voran geht eine Arbeit von Professor De. Grätz: „Die jüdischen Proselyten im Römerreiche unter den Kaisern Domitian, Nerva, Trajan und Hadrian." Der geistreiche Historiker erblickt in der Zuneigung der Heidenwelt zum Jndeutume die erste Bodenbereitung, durch die die Aussaat des Christentums möglich geworden, und führt den Nachweis, daß das Judentum gerade im Unglücke auf römische Patrizierkreise eine mächtige

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.