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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-04-01 · Heft 4 (1.4.1884) · p. Seite 86

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 4 (1.4.1884)
Date
1884-04-01
Page
Seite 86 (sequence 14)
Language
German
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Bordea ux selbst, welche jene Forderungen zurückwies. Der Umschwung der religiösen Anschauungen, >vie er sich besonders von 1686—1748 vollzog, inachte es jenen Inden bald möglich, ihr Jildentnm offen zu bekennen. Sie schickten ihre Kinder nicht mehr zur Taufe, stellten Rabbiner an etc. Die Behörden berichten zwar diesbezüglich nach Paris; aber den Jicden wurde darum doch nicht ihr Bürgerrecht geschmälert. So gab es in Frankreich emanzipierte Juden vor der allgemeinen Judenemanzipation. 1789 ergieng sogar an die Juden von Bordeaux die Aufforderung, auch ihrerseits Deputirte zu den «tat» Fänäraux zu schicken; nur .8 Stiminen fehlten, um einein Juden einen Sitz in jener konstittiireudeu Versammlung zu verschaffen. — Der Vortragende wandte sich nun der Charekteristik der auf die Emanzipazition der Juden gerichteten Bewegung vor der französischen Revolution, namentlich zur Zeit Ludwigs XVI., zu, sowie den hieraufbezüglichen Vorgängen in der Nationalversammlung beim Ausbruch der Revolution. Die Meisterschaft, mit der hier Personen und Thatsachen von dem gründlichen und geistvollen Historiker gekennzeichnet wurden, dürfte schwerlich anders als mit des Vortragenden eigenen Worten zu reproduzieren sein; über diese verfügt nun Referent nicht. Die einzelnen Thatsachen sind auch anderweitig (Grätz, Gesch. der Inden, Bd. XI.) zur Darstellung gelangt. So hält sich Referent für dispensiert, die ckisjoota membra dieser Partie des Vortrages, soweit sie sich in seinem Notizbuche und Gedächtnis finden, zusammenzufügen. Als besonders bemerkenswert möchte er nur erwähnen, daß unter den 9 Arbeiten welche auf die von der Akademie zu Metz ausgeschriebenen Preisaufgabe, die Verbesserung der Lage der Inden betreffend, einliefen, nur eine einzige einen Juden zum Verfasser hatte und zwar einen Polen Namens Salkind Horwitz, der in Paris an der Bibliothek angestellt war. Charakteristisch ferner ist das Mittel, durch welches die damaligen Gegner der Judenemanzipation, nachdem ihnen Vernunft- und Sachgründe abhanden gekommen waren, die Sache zu hintertreiben suchten. Sie machten es ganz ähnlich wie ihre würdigen Nachfolger bei den jüngsten Bewegungen gegen die Inden in Deutschland. Sie suchten die Versammlungen zu sprengen, in denen zu Gunsten der Juden verhandelt wurde, und durch wüstes Lärmen und Schreien das Zustandekommen der Abstimmung zu verhindern; als solche Schreier zeichneten sich besonders eine Anzahl von katholischen Priestern aus. Aber all diese Leute konnten doch nicht verhindern, daß im September 1791 die Emanzipation — auch die der elsässischen Juden — mit einer Mehrheit von 150 Stimmen angenommen wurde. Die Emanzipation der Juden aber, so führte der Vortragende weiter aus, war nicht ein Gedanke, der in de» Köpfen einzelner hervorragender Geister entsprungen, sie war vielmehr eine innere Konsequenz der Kultur- und Geistesentw i ck l u n g. Die großen Aufklärer der Franzosen, Rousseau und Voltaire, besonders der letztere, waren nicht für, sondern gegen die Juden eingenommen, wenn vielleicht auch nur, wie es von Voltaire allgemein bekannt ist, aus persönlichen Motiven. Aber auch Napoleon war leicht geneigt, den Anklagen der Elsässer gegen die Inden Glauben zu schenken. Er betrachtete überhaupt alles ans militärischen Gesichtspunkten, und in militärischer Beziehung mußten ihm die Juden wenig tauglich erscheinen. Jndeß war er andererseits auch gerecht genug, sie nicht eher verurteilen zu wollen, als er sie gehört. So berief er denn (1807) die bekannte Versammlung jüdischer Notabeln, um ihr eine Reihe von religiösen, besonders religiös-sozialen Fragen vorzulegen. Die Beantwortung, welche die vorgelegten Fragen in jener

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