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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-04-01 · Heft 4 (1.4.1884) · p. Seite 83

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 4 (1.4.1884)
Date
1884-04-01
Page
Seite 83 (sequence 11)
Language
German
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gewährt die gewünschte Befriedigung, über alle Dinge und Erscheinungen breitet sich der düstere Himmel weitgehender Skepsis, ein erschlaffender Pessimismus aus, und selbst wo einzelne Lichtstralen das Gewölk durchbrechen, reichen sie nicht hin, den Weltschmerz, der sich der Zeit bemächtigt hat, zu heilen. In kurzen abgerissenen Sätzen schwanken die Gedanken, gepeitscht von Zweifel und Not ohne sicheren Haltpunkt hin und her — das gewaltige Ringen einer vom Weltschmerz erfüllten Seele, die wol die Nichtigkeit alles Seins erkennt, dennoch aber nicht alles verlieren und aufgeben möchte, wird uns vorgeführt. Allein nicht welterlösende Gedanken, die starke Charaktere, große Schöpfungen ins Leben zu rufen vermöchten, werden uns geboten, wenngleich Kohelet im Vergleich zu Hiob einen Fortschritt im spekulativen Denken bekundet; das Welträtsel, das bereits in Hiob Gegenstand des Nachdenkens war, wird auch hier nicht gelöst, es wird nur versucht, einen Hinweis zu geben, wie es möglich wird, auch ohne die Lösung desselben glücklich zu leben. Kohelet sieht um sich und findet allenthalben ein Wanken und Schwanken, nur in der Natur erkennt er ein ewig feststehendes Gesetz, in dem Gleich- und Ebenmaß herrscht, ein Naturprinzip für alle Zeiten gütig. (Vgl. 1, 4 f., 3, 1 f.) Diese Gleichmäßigkeit nun wird der Schlüssel für seinen Hinweis: „Alles hat seine Zeit, und jedes Wollen seinen Zeitpunkt"; daher sind alle Extreme gleich verwerflich, lächerlich ist der Geiz, wertlos der äußere Glanz, sei nicht allzufromm und sei nicht zu gottlos; freue dich Jüngling in deiner Jugend, gedenke aber auch der Zeit des Endes. Genieße das Leben in der Welt und mit der Welt, freue dich mit dem Weibe deiner Jugend in deinem Hause, grüble nicht viel iiber das Verhängnis. Fürchte Gott, halte seine Gebote, das ist die Summe aller Weisheit! Alles hat nur relativen Wert, benütze daher alles weise und mit Maß. (Vgl. 4, 8; 4, 13, 16 f. 11, 4 -12, 8; 2, 24; 3, 17—19; 22; 6, 1-9; 7, 14; 8, 15; 9, 7—10; 11, 9—10.) Nüchterne Alltäglichkeit ist es, eine Philosophie, die mehr auf ein kluges Durchschlüpfen durchs Leben, als auf Vertiefung des ethischen Bewußtseins dringt. Diese Mittelmäßigkeit fand aber ihre Begründung in der traurigen Geistesrichtung der Zeit; denn wie das politisch-soziale Leben, lag auch der sittlich-religiöse Zustand der neuen Gemeinde sehr im Argen. Wenn der Grund materiellen Seins wankt, dann sinkt auch die geistige Kraft der Seele, die sich in solcher Stimmung nicht an die Sprossen der Himmelsleiter wagt. Zeiten, in denen der Ruf nach Brot allgemein, die Kluft zwischen Besitzenden und Besitzlosen gar gewaltig ist, thun sich selten nach seelischer Labung um; ihnen scheint es, als hätte Gott ihrer vergessen, die Menschen erscheinen ihnen grausam, was bedeuten ihnen dann die Hochzwecke beider? (Forts, folgt.) Pie Emanzipation der Inden in Krankreich. Referat über einen Bortrag des Herrn Prof. vr. Breßlau.*) Kein welthistorisches Ereignis nach der Zerstörung des zweiten Tempels war in der Geschichte des jüdischen Volkes so epochemachend >vie die französische *) Dieser Bortrag ervffnete die Reihe von Borträgen, welche, wie bereits gelegentlich in diesen Blättern initgeteilt wurde, alljährlich um diese Jahreszeit von den Mitgliedern des Lehrer?

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