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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-04-01 · Heft 4 (1.4.1884) · p. Seite 82

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 4 (1.4.1884)
Date
1884-04-01
Page
Seite 82 (sequence 10)
Language
German
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Variation von der Nichtigkeit mtb Ohnmacht des menschlichen Lebens und Schaffens, nach Ausdruck ringt. Die ganze Wucht der Erkenntnis, daß alles Ringen und Jagen, alles Sehnen nnd Suchen, alles Kämpfen und Wagen des Menschen nur eitel sei, grinst dem skeptischen Denker in der hohläugigen Sorge seiner Zeit entgegen, die Summe alles Denkens und Lebens gipfelt für ihn in dem stets wiederkehrenden Refrain: „Alles ist eitel! (l, 2; 12, 8.) Alle Tage sind eitel Schmerz und unwert des Strebens! An der Stätte der Gerechtigkeit, da ist Frevel, an der Stätte des Rechts Bosheit nur, Thränen der Unterdrückten haben keinen Tröster vor der Hand der Bedrücker!" (Koh. 4, 1 f.) Wie ein Mühlrad kreisend erscheint ihm die ganze Welt; alles Leben und Schaffen ist zwecklos und ohne Fortschritt (l, 6), tote es war, so ist alles und so bleibt alles; alles niuß aber auch so sein, denn Gott thut alles allein (11, 5), alles ist so notwendig, wie es ist und anders kann es nicht sein — Zufall nnd Notwendigkeit fallen zusammen, sind Eins. In dem ewigen Flusse der Dinge — und in einem solchen begriffen erscheint ihin, gleich Heraklit dem Dunklen, Welt, Leben und Geschichte — sucht er nach dem Bleibenden, Beharrlichen, um das ihnen zu Grunde liegende Wesen zu erkennen. (1, 3). Er bemerkt die allgemeine Beklemmung, die den Atem der Herzen zusammenpreßt; er sieht die Rot und die Gebrechen der Zeit^ die dunklen Gestalten, die in dem allgemeinen Düster gleich Schattenbildern einherhuschen; was wäre ivvl im Stande, dem Menschen Befriedigung zu verschaffen? Etwa die Weisheit? Die Weisheit ist kein eigentliches Gut, sondern eine Plage nur, je mehr Weisheit, desto mehr Verdruß, wer an Wissen zunimmt, nimmt auch an Schmerzen zu, denn nichtig sind die Dinge nnd je tiefer sie erforscht werden, desto nichtiger erscheint die Kenntnis derselben. (1, 18) Nun so wird es der Besitz sein? Auch er ist kein Ersatz für die Plage und Qual in der Unruhe, die sein Erringen nnd Erhalten schafft. (5, l) u. ö.) Auch die Arbeit ist armselig, mehrt den Schmerz, die Sorge bei Tag, die Schlaflosigkeit bei Nacht, ihr Bleibendes, ist es etwas mehr als Eitelkeit? (2, 21—23.) Nichts getragen, als Ivirklich darin vorhanden. In dem Buche herrscht derselbe Sprachcharakter, den wir in Esra und Nehemia, in Ester und Jona wiedcrfinden. Auch der Umstand, daß in dem Buche der leiblichen Auferstehung, die in Daniel als bereits vollständig entwickelte Glaubensanschannng erscheint, nicht gedacht wird, spricht gegen die Annahme einer so späten Abfassung. Die ganze Situation versetzt uns vielmehr in die Zeit, die wir behandeln. Die Satrapen Herrschaff, in der Knappen sich gleich Königen gebcrdcn, (Koh. 1", 16 nnd Neh. 5) tritt uns in ihrer gräßlichen Gestalt entgegen, wie in Esra 4, Neh. I, l ff., 2, 10, 19; 3, 33 ff., 4, 1, 6. Der Tcmpelcnltns befindet sich in dem Zustande, wie wir ihn ans Maleachi kennen, vgl. Koh. 4, 17; 5, 15 mit Mal. 1, 7 f., 2, 17; Koh. 9, 2 mit Mal. 1, 6; 2, 9; 3, 7; ebenso breitet sich über beide Bücher derselbe trübe Gedankenkreis ans; vgl Mal. 2, 17; 3, 14, 15; vgl. auch maleach in der Bedeutung Priester Mal. 2, 7, Koh 5, 5. Die Bedeutung des Wortes Kohelct ist noch nicht genügend erhellt; keinesfalls bedeutet es aber Sprecher, (vergleiche das syrische Kohlono, arab. gala, calare. clamare) sondern Sammler (congregare, conciouari, daher schon bei Hieronymus in Eecl. l, l Coeleth i. e. Ecclesiastes, vgl. die Ueberschrist des arab. Ucbersetzers, über collectaneamm, fälschlich auf die Gedanken bezogen). Die meisten, auch die jüdischen Erklärer, wollen die „Chokma" analog in Spr. 1, 20; 8. I; 9, l (vgl. Delitzsch Koh. nnd Hhl. 211 ff.) snbponire», was aber keinesfalls notwendig ist — die Kemiiiinalsorin ist hier, wie Dich. 7, 57 nnd Esra 2, 55, 57 als Bezeichnung für ein Amt, eigentlich ein Neutrum, wie doetissimum statt doetissimus, ein abstraetum pro eonoroto angewendet. Im Texte wird das Wort stets als männliches Hauptwort, nur 7, 27 als f emin. gebraucht. Der Epilog ivird von den meisten Erklärer» als späterer Zusatz, sei es des Verfassers (Hcrzseld), sei cs eines späteren Interpolators (Berth. Knobel, Umbreit) angesehen; vgl. Krochmnl, More Nebuehe ha-seman e. 11 § 8. Ebenso hält Lnzzato, Onar aechmail 3. Jcchrg. I. p. 17, vgl. Geiger, Zcitschr. I. 15! f , die gläubig klingenden Sätze (11, 9; 12, I; 12, 7) als spätere Zusätze der Kanonsammlers.

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