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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-04-01 · Heft 4 (1.4.1884) · p. Seite 77

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 4 (1.4.1884)
Date
1884-04-01
Page
Seite 77 (sequence 5)
Language
German
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Hoffnungen, die das menschliche Herz irreführen, nie an ein rechtes Ziel uns hinbringen und von denen zumeist am Besten zu wünschen ist, daß sie so, wie sie gemeint sind, nicht zur Erfüllung und Verwirklichung gelangen. Wer den Gang der Welt nicht kennt, von der Heimtücke der Schicksalslaune nichts wissen will, blindlings der Gunst des Zufalls vertraut und da auf Wlinder rechnet, wo keine Wunder zu erwarten sind, der ist schlecht beraten, er nährt sein Herz mit falscher Hoffnung, er träumt, er nachtwandelt, er kann in jedem Augenblicke straucheln und fallen, er hat die Hoffnung, aber es fehlt ihm das Licht, die Klarheit der Erkenntnis, ohne welche alles Wünschen und Wollen dunkel und planlos ist. Und wenn jemand sein Herz an das Nichtige hängt, dem eitlen Tand der Erde nachgeht, seine Seele jedem edleren Streben entfremdet hat und dann kein Maß kennt für seine Wünsche, kein Ziel vor Augen hat, das des Menschen würdig wäre, würdig daß dessen Erreichung ihm zur höheren Lebensaufgabe werde, und wenn er dann nie zufrieden sein kann und in jedem Wunsche, der ihm erfüllt wird, nur wieder ein Quell neuer Sorge und Seelenqual sich ihm aufthut, und er da hofft und wünscht, daß seinem unersättlichen Verlangen allezeit Genüge geschehe — dessen Wünsche sind Wahn, dessen Hoffnungen Thorheit, da ja sie doch nur das Unnütze und Ueberflüssige zum alleinigen Inhalte haben. Unberechtigt sind unsere Hoffnungen, wenn wir das Giück und den Segen, nach denen wir verlangen, in keiner Weise uns verdient gemacht haben, nie etwas thun und schaffen, uin uns die Güter der wahren Glückseligkeit zu erwerben, nicht arbeiten und doch belohnt sein wollen, nicht wirken und dennoch Dank und Anerkennung begehren. Ja wer nichts thun will und zuwarten will, bis ein freundlich Geschick ihn mit beglückenden Gaben erfreut, der hat gar kein Recht zu hoffen, er kann ebensowenig auf sichere Erfolge hoffen, wie derjenige, der sein Feld nicht besäet, es erwarten kann, daß da dennoch die Frucht hervorsprießen, oder derjenige, der keine Bausteine zusammenträgt, glauben kann, daß da dennoch aus dem Erdboden ein fertiges Haus herauswachsen werde. Gott giebt dir den Segen, aber du mußt auch etwas thun; für das Nichtsthun noch einen Lohn und Segen von Gott erwarten und aus lauter Frömmigkeit zum Müssiggänger werden, ja das sind sehr schiefe und verkehrte Gedanken, die wenigstens in der Religion des Judentums auch nicht den leisesten Schatten von Begründung haben. Wer hoffen will, der muß auch arbeiten und wer ernstlich und redlich arbeitet, dessen Hoffen wird nie ganz aussichtslos sein, nie völlig des erfreulichen Erfolges entbehren. Israel trägt den Frühling ewiger Hoffnung in seinem Herzen; seitdem es aus Aegypten erlöst wurde, hält es an der sicheren Hoffnung fest, daß die Saat der Erlösung im Strahle wachsender Erleuchtung zur vollen Frucht des Heiles heranreisen werde bis einst Israel geheilt ist von allen seinen Leiden und alle Sünde und Zwietracht getilgt ist von der Erde. Diese Hoffnung wäre ein Wahn, eine Thorheit, eine Anmaßung, wenn sie nichts mehr als ein Wort unserer Lippen wäre, mit dem weder Gedanken noch Thaten verbunden sind, sie würde dann in der That zum leeren Traum werden, zu einem wesenlosen Schein herabsinken, dessen Schimmer das Herz nicht beriihrt. Aber zu einem Lichte, das die Geister erhellt und uns die fernsten Pfade der Zukunft bestrahlt, gestaltet sich diese Hoffnung Israels wenn sie in der klaren Erkenntnis und ernsten Uebung jener heiligen Pflichten wurzelt, durch deren Erfüllung Israel als ein Volk Gottes sich bewährt und unser Wirken und Streben auf dem Felde sittlichen Thuns und geistiger Arbeit ihr entspricht und das Hohe und Göttliche zum Ziele hat. Diese Hoffnung ist dann ein Licht

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