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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-03-01 · Heft 3 (1.3.1884) · p. Seite 71

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 3 (1.3.1884)
Date
1884-03-01
Page
Seite 71 (sequence 23)
Language
German
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71 Delitzsch klagt in seiner Schrift, daß die evangelische Kirchenzeitung sich zur Aenßerung Hinreißen ließ „die Blntfrage sei noch nicht entgründet" und schreibt seinem Freunde Zöckler „du trauerst mit mir über die Rohling'sche Polemik, welche die Lüge zu ihrer Waffe macht und dadurch ihre Ueberzeugungskraft aufhebt und das Christentum in den Angen der Inden schändet und die Furie des Rassenhasses, die Bestie der Raubsucht und Blutgier, die Meute der Spitzbuben und Mordbrenner und Mörder entfesselt. Gewisse jüdische Ceremonieen nennt Delitzsch unsittliche Consequenzen des Nationalitätsprinzips und erwähnt eine jüdische Stimme der Gegenwart über den Schulchan Aruch, der leider in der neuesten Zeit, wo sich eine Reaktion innerhalb der Groß-Gemeinden bemerkbar macht, nichts weniger als depossediert ist, wenn man auch in pseudo-orthodoxen Kreisen an Revision desselben zu denken beginnt. Der Schulchan Aruch ist ein krankhaftes Produkt des Mittelalters und der Ghetti. In ihm leuchtet nicht die Sonne von Sinai, rauschen nicht die klaren Fluten des Jordan, weht nicht der Geist eines Jesaia und Michah. Erwähnt wird E. Fr. Danmer's „Das Geheimnis des christlichen Altertums" aus deni Jahre 1847, worin Alles, was Rohling dem Judentume vorwirft, dem Christentume vorgeworfen wird. Man beachte auch die 1884 in Leipzig (Verlag der Roßling'schen Buchhandlung Gustav Wolf) erschienene Schrift „Eine Dichtererzählung von Einst und Jetzt". Zur Geschichte der „Blutopfer", wo unter den Ueberschriften „die betenden Brüder" und „die Kreuzigung zu Wildenspruch" Schauerliches über Menschenmord aus religiösem Fanatismus in der christlichen Welt zu lesen ist, ohne daß es einem Vernünftigen beifiele, für solche geschichtlich feststehende Thatsachen das Christentum verantwortlich machen zu wollen. — Von den Schriften des lustitutum Judaicum in Leipzig ist uns Nr. 2 zugegangen „Israel Pick, Bekenntnisse aus den Tiefen eines jüdischen Herzens mit Erläuterungen von Franz Delitzsch". — Falsche Anschauungen über den Talmud können am besten dadurch getilgt werden, wenn er in Uebersetzungen den Gebildeten mehr zugänglich gemacht wird, sonst wird die Tollwut gegen denselben nicht so leicht behoben werden. Jüngst sind zwei Traktate in deutscher Uebersetzung erschienen: Der Traktat Taanit des babylonischen Talmud zum ersten Male in's Deutsche übertragen mit steter Rücksichtnahme auf Talmud Jeruschalmi u. s. w. von D. O. Straßun mit einem Vorworte von Lie. Dr. Aug. Wünsche (Halle, Max Niemeyer 1883, Preis 6 Mk.). Eine wohlwollende Aufnahme bleibt diesen! Werk gesichert. Auf die in der Kauffmann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. erschienene Uebersetzung des Traktates Megillah von Dr. M. Rawiez, Bezirksrabbiner in Schmieheim zum Preise von 3 Mk. sei hiermit empfehlend hingewiesen. In drei Monaten soll der Traktat Rosch-ha-Schanah erscheinen. — Die bei Otto Schulze in Leipzig erschienene deutsche Uebersetzung des französischen Werkes von Dr. Israel Michael Rabbinowiez, Einleitung in die Gesetzgebung und die Medizin des Talmuds von Sigfried Maier, verdient besondere Beachtung.- Man wird durch dieses Werk mit wichtigen im babylonischen Talmud behandelten Materien in systematischer Weise bekannt. — Ein wichtiges Hilfsbuch, um in diese Literaturkreise selbständig eindriugen zu können und Originaltexte init Erfolg zu verstehen, ist das Lehrbuch der neuhebräischen Sprache und Literatur von Herm. L. Strack und Karl Siegfried. I. Grammatik der neuhebräischen Sprache von Karl Siegfried. 11. Abriß der neuhebrüischen Literatur von Herm. L. Strack. Diese Schriften eignen sich ganz besonders dazu, mit dem Althebräischen Vertraute in's Neuhebräische einznführen. Zur Belehrung und Wegweisung auf den vielverschlungeneu Pfaden der jüdischen Literatur seien diese Schriften

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