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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-03-01 · Heft 3 (1.3.1884) · p. Seite 70

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 3 (1.3.1884)
Date
1884-03-01
Page
Seite 70 (sequence 22)
Language
German
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70 in der angenehmen Lage Ihnen berichten zu können, daß der Pensionsfond für israelitische Lehrer und Kantoren sich sehr rasch die Sympathie eines großen Teils der israelitischen Bevölkerung unseres Landes erworben hat. Bei der Generalversammlung am 19. August v. I. wurde, wie Ihnen s. Z. berichtet, der Antrag gestellt, daß jeder Lehrer oder Kantor in seiner Gemeinde dafür Sorge zn tragen habe, daß sämmtliche Gemeindemitglieder als passive Mitglieder dem Vereine beitreten mögen, gegen einen Beitrag von M 1 jährlich. Im September wurde ein Cirkular im Lande verbreitet und heute haben schon 26 Gemeinden unseres Landes pro 1886 Beiträge dem Kassier eingesendet. In vielen Gemeinden werden momentan Mitglieder angeworben, kurz wir haben die volle Berechtigung das rasche Gedeihen unseres Werkes zu hoffen. Der Anfang ist ermutigend. Der erste Rechenschaftsbericht wird den aktiven Mitgliedern aufs Neue den Beweis liefern, daß Alles zu erreichen ist, wenn man nur ernstlich will. Das Ziel, das ein Mensch sich steckt und ans das er fortwährend hinarbeitet, das wird und muß er erreichen. — Am 22. Dezember feierte Herr Oberrat Willstädter in Karlsruhe seinen 70. Geburtstag. Die israelitische Gemeinde in Karlsruhe überreichte dem Jubilare einen prachtvollen Pokal und eine Adresse, die Rabbiuen des Landes einen silbernen Chanukaleuchter und eine Adresse und die Lehrer des Landes einen prachtvollen Regulator und eine Adresse. Gratulationsdepeschen ansallen Gegenden Deutschlands liefen massenhaft ein, sogar aus Amerika sandten Schüler des Jubilars ihre Gratulation zn diesem festlichen Tage. — In Berlin wurde iu einer Sitzung der Repräsentanten-Versammlung der Antrag des Gemeindevorstandes „Christliche Männer, die in Civilehe mit Jüdinnen leben, nicht auf dem jüdischen Kirchhofe zu beerdigen" verhandelt. 10 stimmten für denselben, 10 dagegen. In erster Reihe müßte in solchen Fällen das Rabbinat befragt werden. Jeder des jüdischen Gesetzes nur einigermaßen Kundige weiß, daß man sogar Heiden auf jüdischen Friedhöfen begraben dürfe. (Gittin 61a.) In Frankfurt wird in einer Sitzung vom 25. Dezember in einer jüdischen orthodoxen Geineinde auch hervorgehoben, daß die rituellen Bäder init allem Komfort der Neuzeit umgestaltet werden und daß 1760, sage Ein Tausend sieben Hundert neunzig Ochsen alljährlich vertilgt werden, während ganz Frankfurt nur 15000 verbraucht. Muß mau erst die Statistik dazu herholen, um die Fleischtüchtigkeit dieser Gemeinde zu beweisen? — In Berlin haben die orthodoxen Juden sogar einen Koscher-Butter-Stempel, wie uns berichtet wird, erfunden. Seinen Butterjuden hat auch Frankfurt. —Julius Re6 iu Hamburg hat sein großes Vermögen zur Erbauung von Wohnungen für Unbemittelte jedes Glaubens bestimmt. — In Hanau ist Di-. Koref, früher in Rawiez, zum Rabbiner erwählt und in Pisek Herr Dr. Grünwald, früher in Belovar. — W. Leopolski, ein hervorragender malerischer Interpret des polnischen Volkslebens, hat ein sehr charakteristisches Gemälde „In der polnischen Synagoge" der Oeffentlichkeit übergeben. — In Deutschland gastiert eine jüdisch-orientalische Theatergesellschaft, welche eine romantische Oper „Schulamts" von Goldfaden zur Aufführung bringt. Der skandalsüchtige Berliner Janhagel besonders sollte jetzt von Derartigem verschont bleiben. — Bei Andreas Deichert iu Erlangen ist erschienen: Neueste Traumgeschichte des antisemitischen Propheten. Sendschreiben an Prof. Zöckler in Greifswalde von Prof. Franz Delitzsch. An der Möglichkeit, Rohling eines Irrtums zu überführen, hat Delitzsch längst gezweifelt. Das Reich Gottes wird nicht mit der Kelle des Hasses gebaut und nicht mit dem Schwerte der Lüge verteidigt, wie dies Rohling in feinem neuesten Opus „die Polemik und die Menschenopfer des RabbiniSmus" gethan.

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