Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1884)
- Date
- 1884-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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69 rechtigung der Religionen äußerte; nur müßte er diese Gleichheit in der Weise interpretieren, daß angesichts der »nt der Autonomie verbundenen Rechte auch entsprechende Pflichten zu erfüllen sind. In diesem Sinne wünsche er die Regelung der Kultusgemeinden. Der Minister wies auf die Unregelmäßigkeiten in den von Orthodoxen geführten Matrikelbüchern hin und erklärte, daß er die Entziehung voll der Militärpflicht mit allen Mitteln verhindern und auch die Finsternis verbreitenden Winkelschulen nicht dulden werde. Dies verlange nicht nur das Jnterresse des Staates, sondern geradezu auch die Reputation jener Konfession, als deren Vertreter die Deputation erscheint und deren Unterstützung er im Interesse des angestrebten Zweckes mit Recht erwarte. Schließlich sagte der Minister, er schütze die geistigen Eigenschaften der Israeliten sehr hoch, sei aber der Ansicht, daß e» im Interesse des Staates gelegen wäre, wenn die Juden nicht nur in den Schulstudien, sondern auch auf dein Gebiete des Handwerkes und des Ackerbaues ihre Fähigkeiten geltend machen würden. — Auch die ungarischen orthodoxen Juden entsandten an den Kultusminister eine Deputation, welche sich gegen die Reformer, init denen sie keine Gemeinschaft haben wollten, aussprach. Trefort nahm diese Deputation nicht sehr freundlich auf und sagte unter Anderem, die Juden müßten ihre veralteten Sitten anfgeben und bestrebt sein sich den andern Völkern zu nähern. — Gelegentlich der Debatte bei Beratung über den Gesetzentwurf betreffend die Civilehe zwischen Juden und Christen sagt Paul Sommsich: Indes meine Herren, wir sind hier selber die Schuldigen, denn während die ausgezeichnetsten Männer der Judcnschaft hier im Hause für die Reform eintraten, wer waren diejenigen, die im Namen jenes verherrlichten Prinzips, daß man die Gewissensfreiheit bei Jedermann achten müsse, den Orthodoxen die widerwärtigsten Dinge gestatteten? Auch in Deutschland ist hierin sogar von bedeutenden Juden gesündigt worden. — Die Vorstadt Hasskjöi in Konstantinopel ist am 5. Dezember ein Raub der Flammen geworden. — Bei dem Brande der israelitischen Schule in Galata sind 19 Kinder und eine Lehrerin umgekommen. Die Europäer-Kolonie daselbst hatte hierauf zu Gunsten der vom Unglück Betroffenen einen Christbaum unter dem Patronate des Sultans aufgestellt. Christbauni, Sultan, Juden! Immerhin ein erfreuliches Gegenstück zu der von gewisse» Christen angeregten und in Scene gesetzten Judenhetze. - Dein Vernehmen nach hatte die Judenkommission in Rußland bisher eine Sitzung, worauf sie beschloß, zum Sammeln und Drucken des Materials zu schreiten. Im Laufe dieses Winters werden zwei oder drei Privatkonferenzen beim Präsidenten Zwecks eines Meinungsaustausches der Mitglieder stattfinden. — Viel Aufsehen erregt in Rußland das Buch des Grafen Demidoff Fürst zu St. Donato „Die Jndenfrage in Rußland." In diesem Buche, in welchem sich reiches Material über die Geschichte der Juden in Rußland findet, heißt es am Schlüsse: die Jndenfrage kann nur gelöst werden, wenn alle Schranken niedergerissen und Gleichheit vor dem Gesetze proklamiert werde. — In Charkow brachen zu Weihnachten wieder Unruhen gegen die Juden aus. — In Moskau wurde die Alexander-Gewerbeschule feierlich durch den Rabbiner eröffnet. — In Rußland soll gegen alle Verträge den österreichischen Juden der fernere Aufenthalt verboten werden. — In Odessa hielt Herr Stadtrabbiner!)>-. Simon Leon Schwabacher dem Erzbischof Dimitri in der Synagoge einen ivarmen Nachruf. Die uns unter dem Titel „Worte der Erinnerung" vorliegende Rede ist ein Meisterstück an Inhalt und Form und verdient auch bei uns in Deutschland viel gelesen zu werden. - Aus Baden schreibt man uns: Zu unserer großen Freude sind wir