Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1884)
- Date
- 1884-03-01
- Page
- Seite 68 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Ländern leben, haben wir blos den Söhnen Judas zu verdanken, die uns ihre Schätze brachten, welche sie durch viele Jahrhunderte, während der nationalen Unabhängigkeit in ihren wohlbewachten Schreinen gehütet hatten." — In diesen traurigen Zeiten, in welchen in Ratsversammlungen und Ständekammern antisemitische Angriffe zu Tage treten, mag der nachfolgende Bericht eines Zwischenfalls in dem pennsylvanische» Senat zu Harrisbury nicht ohne Interesse gelesen werden. Selten noch hat ein Christ so warm und so mannhaft über die christlichen Vorurteile gegen die Inden seine Misbilligung ausgesprochen. Herr Hays machte ini Laufe seiner Reden folgende Bemerkungen: „Ich widersetze niich dieser Resolution, weil der Senat kein Judenkram ist. Das Ultimatum ist Ihnen gegeben worden, nehmen Sie es an oder vertagen Sie die Sache." Hierauf entgegnete ihm Herr Amermann: Mit welchem Recht sucht dieser Herr Ausfälle gegen die Juden zu machen? Warum macht derselbe diesen beleidigenden und feigen Angriffe auf ein hochbegabtes, fleißiges und patriotisches Volk? Die Juden bedürfen meiner Verteidigung nicht. Ihre Geschichte ist geschrieben worden und wird geschrieben bei allen Unternehmungen der Welt. In Kunst, Wissenschaft und Literatur nehmen sie nicht den zweiten Rang ein. Im Finanzwesen leiten sie die Welt. Im Wohlwollen und in der Barmherzigkeit beschämen sie diejenigen, welche sie anklagen. Obwohl ein Volk ohne eigenes Land, so hat doch die Staatsklugheit unter ihrer Leitung große Nationen geschaffen. Wer will bemessen, was England heute seinen jüdischen Staatsmännern verdankt? — Keiner kann in Wahrheit dieses Volk der Treulosigkeit und Feigheit beschuldigen. Ihr Blut und Vermögen sind immer der Nation gewidmet, die sie beschützt. Wenn Fleiß Spott hervorruft, wenn Mäßigkeit tadelnswert ist, wenn Nüchternheit Verachtung verdient, wenn Unternehmungsgeist und Mut verlacht werden dürfen, dann fahren Sie fort mit ihren schmachvollen, intoleranten und verblendeten Angriffen. Ihre Armenhäuser beherbergen keine von diesen Leuten. Sie sind nicht in Ihren Zuchthäusern und Besserungsanstalten. Sie haben gesündigt gegen dieses edle Volk. Hören Sie auf, Böses zu üben, lernen Sie von den Juden Gutes thun. — In Pest erscheint eine jüdische Uevne in ungarischer Sprache unter dem Titel: „Magyar-Szido Szeml “ von Dr. Wilhem Bacher und Josef Bauoezi, Professoren an der Laudesrabbinerschule daselbst. — In der Dietrich'schen Buchhandlung in Göttingen wird demnächst der erste Band einer neuen Ausgabe der Septuaginta von Prof. Paul de Lagarde erscheinen. — Von Dr. Kohuts Aruch completum ist die 4. Lieferung des IV. Bandes erschienen. - Die Großgemeinden Deutschlands stellen sich in ihrer Seelenzahl wie folgt: Berlin 54000, Breslau 17400, Frankfurt a. M. 13800, Hamburg 12400, Posen 7100, Königsberg 5100, Köln 4500, München 4100, Mannheim 4000. — In Würzburg wird in der israelitischen Gemeinde eine Trennung von Stadt zu Land beabsichtigt. Es soll ein Stadtrabbiner erwählt werden. Abzuwarten bleibt, wie sich die Bayerische Regierung zu diesem Vorhaben verhalten wird. — Am 22. Dezember hat die Königliche Tafel das freisprechende Urteil in der ersten Instanz in der Tisza Eslarer Affaire bestätigt. — Eine Deputation der ungarischen israelitischen Gemeinden überreichte unter Führung des Präsidenten der israelitischen Landeskanzlei dem Kultus- und Unterrichtsminister Trefort eine Petition wegen Regelung der Verhältnisse der Kultusgemeindeu. Der Minister hob in seiner Antwort hervor, daß er seine während einer vierzigjährigen, auf öffentlichem Gebiete entfalteten Wirksamkeit befolgten Prinzipien und seine ganze bisherige Thütigkeit verleugnen würde, wenn er sich nicht für die Gleichbe-