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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-03-01 · Heft 3 (1.3.1884) · p. Seite 67

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 3 (1.3.1884)
Date
1884-03-01
Page
Seite 67 (sequence 19)
Language
German
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67 Judenheit". Dr. Frankel klagt mit Recht über die Teilnahmslosigkeit, mit welcher die Juden der jüdischen Wissenschaft gegenüberstehen und ruft aus: „Hier muß das jüdische Deutschland Wandel schaffen. Es muß wieder unter uns Mäcene geben, die für rein wissenschaftliche Zwecke und für eine würdige jüdische Publizistik Opfer zu bringen ein Herz haben." Er verlangt auch, daß den Trägern der jüdischen Wissenschaft eine solche Ehrerbietigkeit entgegengebracht werde, daß in ihnen Judentum und Judenheit in gleicher Weise geziemend sich vertreten sehen. Zum Schluß spricht er sich gegen eine Gefahr aus, die von Rußland droht. Die russischen Neuhebräisten predigen die nationale Idee im Judentume zumeist unabhängig und losgelöst von der religiösen, bisweilen auch im Gegensätze zur religiösen Idee, (man vergleiche nur „Autoemanzipation ein Mahnruf an seine Stammesgenossen von einem russischen Juden" und Dr. Rülf's „Israels Heilung") sie streben die Gründung eines jüdischen Staates an. „Hüten wir uns, uns selbst in Abenteuer zu stürzen und zum Objekte verhängnisvoller Phantastereien zu machen. Wer falschen Idealen nachstrebt, der entzieht seine Kraft den wahren." Erwähnen wollen wir noch einen Vortrag „die Judenfrage als Missionsfrage" von Wilhelm Pressel. Nach ihm gehört die Judenfrage zu den weltbewegenden der Gegenwart. Schon der Name Antisemiten zeigt, daß es an Verständnis für dieselbe fehle! Das Geheiinnis der Frage liege in der Religion, wofür man in irreligiösen Kreisen kein Verständnis habe. Unsere Christenheit, ruft Pressel aus, sammt Allem was christliche Sprache und Literatur, christliche Kunst und Wissenschaft, christliche Ordnung und Erziehung, christliches Ehe- und Familienleben zu heißen verdient, ist semitisch. Wo man nicht bleibt in den Hütten Sems, sondern in Freigeisterei irrlichtet, da beginnt Verfall. Antisemiten sind die, welche das Fundament des Glaubens unterwiihlen. Diejenigen Völker, welche die Judenfrage mit Verjagung der Juden oder mit ihrer gewaltsamen Bekehrung zu lösen suchten, haben sich materiell und ideell am meisten geschadet. Frankreich hat siebenmal die Juden verjagt, Spanien einmal. Spaniens und Frankreichs Wohlstand und Christentuni hat darüber nichts gewonnen, sondern auf Jahrhunderte hinein den schwersten Schaden erlitten. Bis hieher stimmen wir mit Herrn Pfarrer Pressel überein. Doch paßt hiezu nicht seine weitere Ausführung, indem er sich für Beschränkung der Rechte ausspricht. 1789 und 1848 haben die staatsbürgerliche Rechte als unabhängig von dem religiösen Bekenntnisse hingestellt. Freilich mildert er zu Ende das frühere Ausgesprochene, indem er nur „scharfe Handhabung der bürgerlichen Ordnung" verlangt. Darin wird Jeder mit ihm übereinstimmen, wenn er sagt: man packe die Wucherer ordentlich am Kopfe, die jüdischen wie die christlichen. Lieben Sie die Juden um Jesu Christi willen und emaneipieren Sie die Christen von deni modernen Unglauben, das ist das sicherste Mittel, die antisemitische Frage aus der Welt zu schaffen und zunächst aus unserm deutschen Vaterlande. — Pater Hyacint äußerte in einer Rede, die er in New-Iork über Katholizismus, Protestautismus und Judaismus hielt, unter andern' folgendes über die Juden und deren Religion: „Dieses obscure Volk, welches blos zu wühlen hatte zwischen Vergessenheit oder Geringschätzung der Welt, dieser kleine Staat, welcher kaum eine Breite von 20 Längen-Meilen besaß, hat der Menschheit die größten Dienste geleistet, denn ihm hat die Humanität alles zu verdanken. Seine, nicht semitische, sondern hebräische Idee von einem einzigen Gotte hat unsere Vorfahren bekehrt, civilisiert, und die christliche Gesellschaft begründet- Sokrates Lehren waren vergebens, weil Athen und Rom an ihren Göttern und darum an ihrem Charakter festhielten. Daß wir aber gegenwärtig in christlichen 6*

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