Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1884)
- Date
- 1884-03-01
- Page
- Seite 66 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Lemberg starb im Alter von 77 Jahren Herr N M Scharr aus Brody, ein gewandter hebräischer Schriftsteller. Unter seinen nachgelassenen Schriften befindet sich auch eine hebräische Übersetzung von Goethe's „Reinecke Fuchs". — Im Hause des Barons von Rothschild in London fand eine Versammlung statt, in welcher man sich mit dem Gedanken beschäftigte, wie das Andenken an den lOOsten Geburtstag Montefivre's verewigt werden soll. Auf Antrag des Herrn Nathaniel von Rothschild wurde beschlossen, in Ramsgate, dem Wohnsitze des edlen Greises ein Haus für wiedergenesene Kranke zu gründen, und zwar für Arme ohne Unterschied der Konfession. Den neuesten Berichten zufolge soll jedoch dieser Beschluß nicht zur Verwirklichung kommen und trügt man sich mit größeren Plänen, die weit über Ramsgate hinaus das Andenken an den hundertsten Geburtstag Mvntefiore's verewigen sollen. — Der verdienstvolle jüdische Schriftsteller Dr. Leopold Kompert in Wien wurde vom Österreichischen Kaiser in Anerkennung seiner literarischen Thätigkeit und seines gemeinnützigen Wirkens zum Regierungsrat ernannt. — Der deutsch-israelitische Gemeindebund, welcher jetzt seinen Sitz in Berlin hat, versendet die 11. Nummer der „Mitteilungen". In denselben finden wir neben der Geschichte des Bundes und einem Berichte über das russische Hilfswerk, Notizen, welche uns einen Ginblick gewähren in die Thätigkeit und die Verbreitung des Bundes. Bis jetzt gehören zu demselben 170 Gemeinden. — Das Bedürfnis, die jüdische Wissenschaft in Wort und Schrift unter dem Volke zu verbreiten, macht sich immer mehr fühlbar und an vielen Punkten fängt sich an reges Leben zu zeigen. In Haneburg wurde ein jüdisch-literarischer Verein ins Leben gerufen mit der Hauptaufgabe, durch Vorlesungen den Sinn für die jüdische Wissenschaft im Volke zu wecken. — Im Asike-Jehudah-Verein zu Prag hielt Herr Rabbiner Dr. Tauber einen Vortrag über „die älteste Verheißung Israels und ihre historische Enttvicklung." Auch in Stockholm ist seit dem Amtsantritt des Herrn Rabbiner L)r. Klein ein jüdischer Leseverein ins Leben getreten. — In Lemberg hielt am 29. Dezember im Lokale des Vereins „Schomer Israel" Herr Rabbiner Löwenstein einen Vortrag „Sage und Exegese im Sohar" und am 26. Januar sprach daselbst Herr Di- Kodak über ein „Sittenbild aus dem grauen Altertume". Wir wollen hier auch noch einige andere Vorträge, soweit sie das Judentum betreffen hervorheben. Herr Prof. Öort in Leiden hielt einen Vortrag über den Ursprung der Blutbeschuldigung bei den Juden. Herr Prof. Wagner hat in einem zu Frankfurt a. M. im konservativen Verein gehaltenen Vortrage über Sozialismus, Sozialdemokratie und Sozialpolitik auch über die Judenfrage sich ausgesprochen, aber in viel besonnener und geniüßigterer Weise, als man das sonst an ihm gewohnt ist. Am 17. Januar hielt unser geschätzter Mitarbeiter Herr Dr. Moritz Levin, der Spanien bereist hat, in Frankfurt a. M. einen Vortrag „Bilder aus Spanien". In geschmackvoller, anziehender Weise wußte er uns Land und Leute zu schildern. Sein Vortrag fesselte die Anwesenden über eine Stunde. Am 6. Februar hielt Herr Dr. Adolf Brüll im Mendelssohn-Vereine einen Vortrag über den Talmud im Zeichen der Reformation. — Der Studentenverein Kadimah an der Universität Wien, dem wir etwas mehr Mäßigung bei seinem öffentlichen Auftreten empfehlen, veranstaltete am 22. Oktober eine Makkabäerfeier. Es wurde trotz der anerkennenswerten Begeisterung, die über der Versammlung schwebte, doch zu sehr über das Ziel geschossen. Wir können nicht umhin, diesen strebsamen jungen Verein ans einen gedruckt vorliegenden Vortrag des Herrn Dr. P. F. Frankel in Berlin aufmerksam zu machen, den er im Februar 1883 daselbst gehalten hat, „über die Stellung der deutschen Jndenheit innerhalb der gesammten