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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-03-01 · Heft 3 (1.3.1884) · p. Seite 65

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 3 (1.3.1884)
Date
1884-03-01
Page
Seite 65 (sequence 17)
Language
German
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65 Oberrabbiner Dr. Reumann, dessen Schwiegersohn Dr. Stern und Herr Rabbiner Dr. Lichtschein. Die letzten Abschiedsworte widmete ihm sein Enkel Herr Hof- und Gerichtsadvokat Emil Frischauer. — Bald darauf drang zu uns die Trauerkunde von dem plötzlichen Hinscheiden Dr. Eduard Lasker's in Rew-Iork in der Nacht vom 4. zum 5. Januar. Deutschland betrauert einen seiner tüchtigsten Männer, der seine bedeutenden Fähigkeiten unermüdlich und uneigennützig in den Dienst des Vaterlandes bestellt hat. Bei der in der Emanuel-Synagoge zu Rew-Dork gehaltenen Leichenfeier hielt Karl Schurz die deutsche und Andreas White, der frühere Amerikanische Gesandte in Berlin, die englische Gedenkrede. Am 25. Januar langte der Dampfer „Neckar" mit der Leiche Lasker's in Bremerhaven an. Unter zahlreicher Beteiligung fand dort in der Halle des Norddeutschen Loyd die erste Totenfeier auf heimischer Erde statt. An seinem Sarge sprachen Clausen, der Präsident der Bremer Bürger, Dr. Baumbach und der Prediger der israelitischen Gemeinde, Herr Lewinger. Am 26. in Berlin angelangt, wurde der Leichnam unter zahlreicher Beteiligung nach der Synagoge überführt, woselbst am 28. um 11 Uhr Vormittag eine groye Totenfeier stattfand, zu der aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes Abgesandte erschienen waren. Herr Rabbiner Dr. Frankl schilderte nach einleitendein Gebete Lasker's biederen Charakter, seine glänzenden Eigenschaften des Geistes und Herzens, die er in den Dienst des Vaterlandes gestellt hat. Er schloß mit den Worten: Wir wollen eintreten in dies Erbe, auf daß sein Name fortlebe zuni ruhmreichen Angedenken, ein Vorbild für und für. Nach einem Zwischenliede widmete ihm Dr. Friedrich Kapp einen ehrenden Nachruf. Die erhebende Feier schloß mit dem Liede: „Gruß und Dank dir müdem Streiter, der nun sanft gebettet liegt, den das Weltmeer ruhig heiter in den letzten Schlummer wiegt." Am Friedhofe schilderte Herr Rabbiner Dr. Maybaum Laster als Mensch und Politiker. Hierauf wurden die üblichen Gebete gesprochen und der Sarg in das mit Tannenzweigen ausgeschlagene Grab , gebracht, an welchem der mehrere tausend Menschen zählende Zug unter Neigung der Banner und Standarten vorbeizog. Am Abend desselben Tages fand im Saale der Singakademie eine Gedächtnisfeier statt. Dr. Bamberger hielt die Gedenkrede.— Herr Prediger Dr. Chronik, der Herausgeber der „Zeichen der Zeit" starb in Berlin am 7. Januar. Er stand unentwegt im Dienste der Reform des Judentuins und hat ein kampfreiches Leben geführt. Wir lassen ihn selber einiges aus seinem Leben erzählen. „Daß auch ich mich in Amerika reformierend versucht habe, wissen viele meiner geehrten Leser. Sie erinnern sich wohl auch, daß ich früher einmal in Holland, zuvörderst in Amsterdam, so unglücklich und so glücklich war, in's Wespennest der Zeloten zu stechen. Desgleichen that ich in Leyden. Ferner hatte ich mein Leiden in Haag. O es war ein bitter böses Begegnis im Jahre 1860, als das Judenrevier in der Geburtsstadt Spinozas seinen fanatisierten Pöbel ausspie, daß er mein Sanctum umlagere, wo ich Predigt hielt. Es war im Monat Ab, dem Sabbath vor der Trauerfeier über die Zerstörung Jerusalems. Und der 14. Juli war es, der Tag der Erstürmung der Bastille. Hier galt's den Schutz für eine Bastille, worin der lebendige Geist ein Gefangener saß des toten Buchstabens. Aus den zur Jerusalems-Trauer hebräisch zu singenden Klageliedern Jeremias paraphrasierte ich den Text (Kap. 1. V. 20). Draußen wüthet das Schwert des Fanatismus und drinnen ist der Tot des Buchstabens. —-Und ein Geheul der Raserei umgellte mich, da ich auf die Straße schritt. Ein Steinhagel gab mir das Geleite." Möge ihm die Erde leicht sein, treuen Kämpfer für die Sache des reinen prophetischen Judentums. — In >

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