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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-03-01 · Heft 3 (1.3.1884) · p. Seite 63

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 3 (1.3.1884)
Date
1884-03-01
Page
Seite 63 (sequence 15)
Language
German
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63 So fehlte denn dem zweiten Tempel trotz der Verheißungen der Propheten die alte Herrlichkeit selbst in den Angen derer, die den volle» Glauben an die Zukunft der neuen Gemeinde in ihren Herzen trugen. Mit wenigen Worten berührt unser Esrabuch die wahrscheinlich nur dürftige Einweihung des nach schweren Kämpfen endlich erbauten Gotteshauses, sowie die Feier des bald darauf fallenden Passahfestes (Esra 6, 16 ff.) Stillschweigend übergeht das Buch die folgende Zeit und eine Kluft von-LO Jahren gähnt uns nnnberbrnckt entgegen. Nur Vermutungen sind es, die wir über diesen Zeitraum aufzustellen vermögen, allerdings Vermutungen, die ihre Berechtigung aus der Entwicklung späterer Ereignisse, wie sie sich aus den zeitgenössischen Schriften ergeben, erhalten. Sang- und klanglos schwinden Zerubabel und Josua, die ersten Träger des öffentlichen Lebens der neuen Gemeinde, von dem unrühmlichen Schauplatze ihrer Thätigkeit und beide lassen deil Eindruck zurück, daß sie nicht im Stande waren, die Erwartungen und Hoffnungen, die ihnen entgegengebracht wurden, zu erfüllen. Die Zeit brauchte Männer, die mit Energie und Entschlossenheit, zugleich aber auch init Bedachtsamkeit und staatsmünuischtzc Ueberlegung die drohenden, jedem neuen Sein entgegentretenden Gefahren zu erkennen und zu überwinden suchten und mit festem, klarem Willen durch ein kräftiges und besonnenes Vorgehen die innere Ordnung und die Achtung vor dem Rechte zu sichern vermochten. Was aber Zerubabel trotz seines besten Wollens fehlte, war der felsenfeste, ungebrochene Mut seines Ahnen Davids, jene Energie, die vor keiner Gefahr zurückbebt, wenn es gilt zu handeln und das einmal gesteckte Ziel zu erreichen; ihm fehlte die aktive, schaffende Natur, die selbst den Kampf nicht scheut, wenn er für die Gesammtheit notwendig geworden. Haggai und Secharja, seine prophetischen Zeitgenossen, mußten erst ihre ganze Beredsamkeit aufbieten, um ihn aus der Schlaffheit und Lethargie, in in die er versunken war, zum thatkräftigen Handeln aufzurütteln (vgl. Hag. 1, 12 f.; 2, 4 f.; Sech. 4, 6 ff.) Noch weniger hören wir von seinen Kindern, keine Tat kündete ihren Na inen; unbedeutende Menschen gehören nicht der Geschichte an. Das Haus Ahron's tritt in den Vordergrund (vgl. Ps. 115, 10; 118 3), das Haus Davids hingegen verliert immer mehr seine Bedeutung; es hatte nicht vermocht, den schon durch die Ereignisse der letzten Zeit im Volksleben abgeschwächten Meffiasgedanken neu zu beleben. Tief drückt diese Erkenntnis einen Sänger jener Zeit, der in bitterem Schmerze ob der Dürre, die den gewaltigen Stamm, aus einer großen Vergangenheit in eine matte Gegenwart hineinragend, in Armseligkeit erscheinen läßt, im Liede Erhebung und Trost sucht: „Einst redetest du zu deinen Frommen und sprachest: Ich habe Heil auf meinen Helden gelegt, erhoben einen Jüngling aus dem Volke, David, meinen Diener, mit heilige»! Oel gesalbt, mit dem meine Hand soll fest bleiben, mein Arm wird ihn stärken-Sein Same soll auf ewig bleiben und sein Thron gleich der Sonne vor mh°, dem Monde gleich bestehen ewiglich und zuverlässig ist der Zeuge in lichter Höhe. — Und doch hast du verachtet und verschmäht, gezürnt deinem Gesalbten, verworfen deines Dieners Bund, entweihet tief zur Erde seine Krone, durchbrochen alle seine Mauern, seine Vesten zu Trümmern gemacht; ihn plündern alle, die des Weges ziehen, znm Hohn ist er geworden seinen Nachbaren, hast seiner Dränger Hand erhoben, sich freuen lassen alle seine Feinde; du löstest weichen seines Schwertes Schärfe und hast ihn ihm Kampf nicht bestehen lassen; sein Seepter hast du brechen

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