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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-03-01 · Heft 3 (1.3.1884) · p. Seite 53

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 3 (1.3.1884)
Date
1884-03-01
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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53 einer großen Prozession die zwölf Rabbinen und vier und zwanzig Rabbinatsadjunk'te» entgegenzogen, jeder eine Torarolle, die sich in einem Gehäuse befand und niit kostbarem Zierrat behängen war, in der Hand haltend. Einmal kamen die Vertreter der Gemeinde, die es für ungeziemend hielten, daß stets bei solcher Gelegenheit die heiligen Schriftrollen auf die Straße hinausgetragen werden, auf den Gedanken, bei dieser Parade immer nur die mit allen Schmuckgegenständen derselben bekleideten Gehäuse zur Schau zu stellen. Das geschah nun so eine Reihe von Jahren hindurch, ohue daß es irgendwie bemerkt wurde. Da traf es sich aber, daß im Jahre 1428, dem zwölften Regierungsjahre des Königs Alphons V., ein Angehöriger der Gemeinde, dem dies nicht unbekannt war, zum Christentume übertrat und unter dem neu angenommenen Namen Markus zu einer hohen Ehrenstellung am Hofe gelangte. Als Alphons einst von einem Rundgange durch die Residenzstadt, der ihn auch in den von den Inden bewohnten Stadtteil geführt hatte, zurückgekehrt war und von der ehrenvollen Ovation erzählte, die ihm heute wiederum von den Juden bereitet wurde, erhob sich Markus, der sich in der Umgebung des Königs befand und dieses Lob der Juden mitangehört hatte, und erklärte demselben, oaß die Inden nicht im Entferntesten daran denken, ihm mit ihren heiligen Torarollen zu huldigen; der ganze Aufzug sei eitel Schein und es seien nichts mehr als aufgeputzte Gehäuse von Torarollen, die man ihm vor Augen stelle. Alphons wurde iiber dieses Trugspiel, das die Juden mit ihm getrieben haben sollen, sehr aufgebracht und beschloß, wenn Markus Anklage sich als richtig Herausstellen sollte, an denselben blutige Rache zu nehmen. Schon des anderen Tages wollte er, ohne es die Juden früher wissen zu lassen, in ihrem Quartier erscheinen und, wenn sie nun wieder in dem gewohnten Aufzuge vor ihin erscheinen, den Befehl geben, eines der ihm wohlbekannten silbernen Schränkchen öffnen zn lassen. In der diesem Tage vorangehenden Nacht wurde nun dem gottesfürchtigen Synagogendiener Ephraim Baruch von einer visionären Gestalt der Auftrag erteilt, sofort in die Synagoge zu eilen, die Torarollen in die zu ihnen gehörenden silbernen Futterale hineinzulegen, nach Vollführung dieses Werkes sich wieder sofort zur Ruhe zu begeben und von dem Geschehenen Niemandem Mitteilung zu machen. In gleicher Weise wurden auch die Diener der anderen eilf Synagogen veranlaßt, dasselbe zu thun. Am anderen Tage wurden nun die Juden wirklich wiederum durch einen Besuch des Königs überrascht, der, von Markus und anderen Würdenträgern begleitet, an der Spitze eines großen Gefolges und umgeben von dreihundert Bewaffneten seinen Weg durch die Judengasse nahm. Sofort setzte sich auch die Prozession der Rabbinen mit den sechs und dreißig Torarollen in Bewegung und es wurde in möglichster Eile dem Könige die übliche Ovation dargebracht. Die Juden, die über diese hohe Gunst, die ihnen zu Teil wurde, sehr erfreut sein mußten, gerieten aber bald in großen Schrecken, denn, wie der Leser bereits vermuten wird, drückte König Alphons den Wunsch aus, das heilige Buch der Gotteslehre zu sehen. Doch wie groß war ihr Erstaunen, als ein Gehäuse nach dem anderen aufgeschloffen wurde und in jedem die zn ihm gehörende Gesetzesrolle sich befand! Nicht nur daß sie mit erleichtertem Herzen anfatmen konnten, sie wurden von Alphons belobt uitb in außerordentlicher Weise für ihr Wohlverhalten begünstigt, ja mit einem Erlaße ihrer Steuer auf drei Jahre belohnt, währenddem Markus, dessen Anklage sich als falsch erwiesen, in Ungnade fiel und den an seinen früheren Glaubensgenossen begangenen Verrat mit dem Leben büßen mußte. Zum Andenken an diese auf wunderbare Weise erfolgte Rettung der in der aragvuischeu Hauptstadt wohnenden Juden und

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