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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-03-01 · Heft 3 (1.3.1884) · p. Seite 52

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 3 (1.3.1884)
Date
1884-03-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 „Wehe!" rief der Baum, „mit Hülfe des eigenen Blutes werde ich gestürzt!" — Die abgefallenen Zweige schaden dem jüdischen Stamme am meisten, sie geben der Gewalt, die nns angreift, die Handhaben. - Dr. Dessauer, Landrabbiner in Meiningen. Per Karagossa-Mrim in Jernsakem. In Jerusalem leben etwa zwanzig jüdische Familien, die einer in ihrer Mitte bestehenden Überlieferung nach von ehemaligen jüdischen Einwohnern der Stadt Saragossa herstammen, welche im Jahre 1492 nach der Vertreibung der Juden aus Spanien in der heiligen Stadt sich angesiedelt haben. Daß in diesem kleinen Kreise von Nachkommen derselben das Betvnßtsein ihrer gleichen Herkunft Jahrhunderte hindurch sich erhalten hat und auch heutzutage noch einigermaßen gepflegt wird, hat seinen Grund in einem alten religiösen Branche, der in der jüdischen Gemeinde in Saragossa eingeführt und mit einer geschichtlichen Erinnerung verknüpft war, die sich auf ein Ereignis bezog, welches für dieselbe ein besonderes Interesse hatte, nämlich in der Feier des im 15. Jahrhunderte entstandenen Saragossa- Purim. Die Einsetzung lokaler Gedenktage, die durch freudige oder traurige Begebenheiten veranlaßt wurden, war bekanntlich in früheren Zeiten nichts Seltenes, nur sind dieselben, da sie zumeist nur in einer einzelnen Gemeinde oder Provinz begangen wurden, nicht immer so allgemein bekannt geworden. Zunz hat in seinem Werke „die Ritus des synagogalen Gottesdienstes" einen fast vollständigen Kalender lokaler Fast- und Festtage entworfen, zu welchem z. B. fünf blos auf die jüdische Gemeinde in Franksurt a. M. entfallen. Auch in Saragossa wurde alljährlich eine solche örtliche Feier gehalten, die sich auf zwei Tage verteilte, von denen der erste der mit Fasten verbundenen Bußübung gewidmet war, währenddem der folgende als ein Freudentag begangen wurde. Es ist dies schon aus dem einen Grunde, daß nit§ den Ländern der pyrenüischen Halbinsel sonst kein zweites Beispiel der Einsetzung einer lokalen Freuden- oder Trauerfeier bekannt ist, besonders zu beachten, der „Saragossa-Purim", welcher von den in Jerusalem wohnenden Nachkommen der aus der Hauptstadt Aragonieus stammenden spanischen Exulanten noch heutzutage in herkömmlicher Weise begangen wird, gehört aber auch zu den wenigen jährlichen Gedenktagen dieser Art, über deren Entstehung und Veranlassung in ausführlicher Weise Nachricht gegeben wird. Mit der Feier desselben ist nämlich der Vortrag einer Festgeschichte verbunden, in welcher der Hergang der Ereignisse, zu deren Andenken er eingesetzt ist, in klaren Worten und in volkstümlicher Weise dargestellt wird. Die Urkunde, die dieselbe enthält, ist in neuerer Zeit vollständig veröffentlicht tvorden, nachdem bereits in einer älteren Beschreibung der palästinischen Grabstätten ein Auszug aus derselben gegeben wurde, der weder den richtigen Sachverhalt angiebt, noch die Quelle erkennen läßt, der die Erzählung entnommen ist. Es wird nämlich in der auf Pergament geschriebenen Urkunde, aus der die betreffende Festvorlesung stattfindet, Folgendes berichtet. In der jüdischen Gemeinde in Saragossa, die fünftausend Familien zählte und zwölf große Synagogen hatte, war es vorschriftsmäßige Sitte, daß, wenn der König durch das Judenviertel kam, ihm an der Spitze

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