Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1884)
- Date
- 1884-03-01
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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51 große Wort sichren und das große Publikum beherrschen, muß auch eine jüdische Zeitschrift, ob auch für Gebildete zugeschnitten, neben wissenschaftlichen Auseinandersetzungen regelmäßig eine Blumenlese talmudischer oder rabbinischer Moral und Weisheit bieten, um erstlich gewissermaßen ad oculos den Beweis zu führen, daß unsere Gegner vor einer absichtlichen Fälschung nicht zurückschrecken. — Auch das ist schon absichtliche Fälschung, wenn, was gegenwärtig nicht selten geschieht, Sätze aus dem Zusammenhänge gerissen, so künstlich wieder zusammengesetzt und so schlau gruppiert werden, daß sie in dem neuen Zusammenhänge eine für unsere Zeit auffällige Moral reflektieren, während sie in Wahrheit das Gegenteil oder höchstens eine verkehrte Zeitanschauung, religiösen Übereifer oder die Verschrobenheit eines einzelnen einseitigen Gelehrten' bekunden. — Sodann muß eine auf der Höhe der Zeit stehende Zeitschrift auch eine für Herz und Gemüt erbauliche Lektüre, frische Kränze aus immergrünen Zweigen und Blättern unserer reichen Literatur, unserer großen Vergangenheit auf den Familientisch legen. Gestatten Sie mir, geehrter Herr Redakteur, den Anfang zu machen und hin und wieder unter dem Titel: Aus der Vergangenheit für die Gegenwart den Weg zu jenem weiten Felde zu zeigen, wo teils für den gemütlichen Familienkreis liebliche Blüten und Früchte, teils solche Kräuter ersprießen, die in den Augen unserer Feinde nichts als böses Gift, in den Augen der klar und besonnen Denkenden aber heilkräftigen Balsam zur Zerstreuung des Wahns und Vorurteils enthalten. *) Ans der Vergangenheit für die Gegenwart. a) Jeder ist seines Schicksals Schmied. Als der Herr die Bäume erschaffen hatte, die stolzen Cedern Libanons, die Eichen Baschans, Cypressen, Fichten, Palmen, kühn emporstrebend, herrliche Früchte tragend, mit schönem Laubschmuck und balsamischem Wohlgeruch, da wurden sie ob ihrer Fülle und Schönheit stolz und übermütig. Doch dem Herrn der Schöpfung ist Dünkel und Übermut ein Gräuel, und er schuf das Eisen, den gewaltigen Stahl, der mächtige Stämme fällt, um sie zu demütigen, zu bezwingen. Die Bäume sahen's, klagten und jammerten: O Herr, warum erschufst du uns diesen gräßlichen Feind, der ins tiefste Mark uns dringt? Da erwiderte lächelnd der Herr: Darüber seid ohne Furcht. Seht zu, daß ihr euch selber schützt, denn solange ihr nicht das Holz zum Eisen, den Schaft zum Stahl, den Stiel zum Beile liefert, kann die Gewalt des Eisens euch nichts anhaben. — Gebet dem Feinde keine Veranlassung, keine Handhabe, und er wird bald verstummen. b) Kaum war das Eisen geschaffen und seiner innewohnenden Kraft sich bewußt geworden, da gieng es schon daran, einen mächtigen Stamm im Walde zu fällen. Es begann ein heftiges Schlagen und Schinden, Känipfen und Ringen, Brechen und Schneiden, doch der Baum stand festgewurzelt, wenn auch schlimm zugerichtet, zeigte er eine unbesiegbare Widerstandskraft, spottete sein hartes, gesundes Holz aller scharfen Klingen. Wie fing das Eisen es nun an, um nicht unverrichteter Dinge den Wald zu verlassen? Es suchte sich einen ab gefallenen Ast, der ihm zum Stiel, zur Handhabe diente, und mit diesem in inniger Gemeinschaft gelang es ihm, in das Mark des Stammes zu dringen. *) Ich bitte Sie sehr, die begonnene Arbeit allmonatlich in unseren Monatsblättern fortsetzen zu wollen. Red. b*