Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1884)
- Date
- 1884-02-01
- Page
- Seite 46 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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- 46 - jüngst ausgegebene erste Nummer des vierten Jahrgangs enthält Aufsätze von Herrn Rabbiner I. Brüll, Dr. N. Brüll, Samuel Mendelssohn, Jakob Reifmann, Dr. Müller und S. Hock. Mögen die Herausgeber, die mit materiellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, durch Abnahme von Exemplaren gestützt werden. — Der ehemalige österreichische Minister für Kultus und Unterricht, Dr. Jirecek, hat in der Zeitschrift des Böhmischen Museums 1883 einen Aufsatz über den unter Ferdinand II. geadelten Juden Jakob Bassewi in czechischer Sprache veröffentlicht. — Durch Kabinetsordre vom 7. Mai 1883 hat die Hochschule für die Wissenschaft des Judentunis in Berlin die Rechte einer juristischen Person erhalten. — In Leipzig ist am 10. Juni 1880 in der Stille in Studentenkreisen ein Verein unter dem Namen „Institutum judaicum“ entstanden, mit dem Zwecke „wahrheitsgemäße Kenntnis des Christentums unter den Juden und wahrheitsgemäße Kenntnis des Judentums unter den Christen" zu verbreiten. Der Verein steht unter den Auspizien von Franz Delitzsch. Solche Vereine haben sich auch an den Universitäten in Erlangen, Halle, Berlin, Breslau, Greifswald und Christiania gebildet. Herr Wilhelm Faber, Vorsteher der lustitutiny judaicum in Leipzig, ist Sekretär der lustituta Judaica. Es liegt uns bereits eine Schrift des Institutum judaicum in Leipzig vor: „Nr. I. Herschel Augusti. Eine abenteuerliche, wunderliche und doch durchaus wahre Geschichte, erzählt von E. Wesselhöft." — In Berlin liest Liz. Plath an der Universität über die Beziehungen zwischen Juden und Christen- Wir sehen, die Judenfrage wird auch kathederfähig gemacht. — Die holländische Gesellschaft zur Verteidigung der christlichen Religion, welche ihren Sitz in Haag hat, verlieh dem Lizentiaten der Theologie, Dr. Schlatter in Bern, für eine Abhandlung über die Worte „Glaube und Glauben" im neuen Testamente die große goldene Medaille im Werte von 800 Frcs. Hiezu schreibt der „Jüdische Sprechsaal": Warum giebt es nicht auch jüdische Vereine zur Verteidigung der jüdischen Religion, die die Beantwortung derartiger Preisfragen auf jüdischem Gebiete mit Medaillen belohnt? Die Antwort liegt ganz nahe. Weil die Judeil sehr wenig Sinn und Verständnis für ihre erhabene Geistesschätze besitzen. Wäre das nicht der Fall, so würde manches besser sein wie es ist. Was bietet nicht das Christentum auf, um Religion und Literatur zu fördern? Man werfe nur ein Auge auf die Hibbert- Vorlesungen in England. Es haben bereits Männer wie Max Müller, le Page- Renouf, Ernest Renan, Rhys David gesprochen und jüngst Prof. Kuenen aus Leiden über Volksreligion und Weltreligion. Kuenen sagt, die Universalität habe das Christentum seinem Ursprünge, dem Judentums, zu verdanken. Ihm ist es zu verdanken, daß das Christentum unausgearbeitet und unabgeschlossen in die Welt trat. Den Islam betreffend hebt Kuenen hervor, daß das objektiv Wahre im Islam aus deni Judentume und Christentume stamme. Der ursprüngliche Jahveglaube war exclusiv-national, durch die Propheten wurde ihm die Universalität hinzugefügt. Dieses neue Element des religiösen Glaubens Israels ist von der nachexilischen Gemeinde festgehalten und voni offiziellen Judentume der Zeit Jesn nicht verleugnet worden, folglich waren die Ansichten dieses offiziellen Judentums zur Zeit Jesu das Baumaterial, woraus das Christentum Christi entstanden ist. — In England ist eine Expedition mit Prof. Hüll an der Spitze im Aufträge der Gesellschaft zur Erforschung Palästina's abgegangen, um die geologischen Verhältnisse zwischen dem toten Meere und dem Golf von Akaba zu erforschen. Vielleicht wird dadurch auch das Projekt der Anlegung eines Schiffskanals zwischen dem Mittelländischen und dem roten Meere seiner