Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1884)
- Date
- 1884-02-01
- Page
- Seite 44 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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44 zusammengetreten und hat ihre Beratungen begonnen, währenddem der Wosloziner Rabbiner den „Hameliz" (jüd. Zeitschrift in hebr. Sprache) verbrennen ließ und der Rabbiner einer anderen russischen Stadt besah daß man die würzige Sabbatspeise „der Schalet" nicht genießen dürfte, weil der Schächter den „Hameliz" gelesen. Auch schöne Zustände das! — Der General-Gouverneur von Smyrna, Agi Raschid Pascha, hat die Postdirektionen angewiesen, antisemitische Zeitschriften und Flugblätter, die aus Europa kommen, nicht zu befördern. Im ottomanischen Reiche soll kein Unterschied der Unterthanen nach dem Glaubensbekenntnisse bestehen. Wir Bewohner des Westens sehen, daß wir noch Manches vom Osten lernen können. — Auch soll sich die türkische Regierung lebhaft mit dem Plane beschäftigen, Palästina mit der Eisenbahn zu versehen. Ueber den Kisonfluß soll eine 6V Meter lange Brücke führen; die projektierte Bahn soll die Tiefen in der Umgegend des Carmelgebirges durchschneiden und auch ins Jordanthal hinübergeleitet werden. — Der Chacham Baschi von Constantinopel, Mose Levi, hat dem Sultan die Glückwünsche der jüdischen Gemeinde anläßlich der Circumcisionsfeierlichkeiten des kaiserlichen Prinzen überbracht. Der Sultan sprach sich sehr wohlwollend über die Juden ans, Mose Levi wurde dekoriert und am 30. November zum Diner geladen. — In dem Lande, wo jüngst die Affaire Schoßberger- Rosenberg-Babttyani so viel Aufsehen gemacht, wurde der Gesetzentwurf über die Ehe zwischen Christen und Juden angenommen. Bei der Beratung dieses Gesetzentwurfs betonte der Ministerpräsident von Ungarn verschiedenen Ausführungen gegenüber, daß niemand strenger und schonungsloser den Antisemitismus verdamme, als er. Er gebe zu, daß er es verabsäumt habe, nicht nur gegen die antisemitischen sondern überhaupt gegen die zum allgemeinen Rassenhasse aufreizenden publizistischen Organe mit der gehörigen Strenge vorzugehen, er werde aber bei fortgesetzten Agitationen an das Parlament das Ansuchen stellen, zur Steuerung der gegen die Rassen und Konfessionen gerichteten Agitation der Presse zwar eine nur kurze Zeit währende, aber weittragende Gewalt in die Hände der Regierung zu legen: „in meine Hand, wenn sich das Vertrauen des Parlaments mir zuwendet, in eine andere Hand, wenn ich das Vertrauen nicht mehr besitze. Diese Vollmacht wird sich auch darauf erstrecken, zu verhindern, daß das hier im Hause Gesagte, was zur Aufregung der Gemüther beitragen könnte, außerhalb verbreitet werde." Im Oberhause ist der Gesetzentwurf mit sieben Stimmen gefallen. — In Hannover ist endlich Or. Gronemann Landrabbiner. In Rotterdam ist die Rabbinerwahl verschoben, ebenso auch in Basel. Chemnitz hat Herrn vr. Mühlfelder gewühlt und die Reformgemeinde Hohenems Herrn vr. Grün aus Znaim. — Herr Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein in Gailingen eröffnet eine Sammelstelle für die Juden in Palästina. — In Pest starb am 9. Okt. 1883 Heinrich Ellenberger im 78. Lebensjahre, ein um das Judentum hochverdienter Mann. Er stammte aus Deutschland und war ein Sprößling der Familie Katzenellenbogen; sein Stammbaum führt bis zu dem polnischen Eintagskönig Wahl zurück. Er war ein Schwiegersohn des gesinnungstüchtigen Gelehrten R. L. Landau. — In Loslau starb am 22. Oktober 1883 Phöbus Frenkel, rabbinischer Schriftsteller und Kultusbeamter daselbst. Sein Werk Zijun Ledoresch (II. vermehrte und verbesserte Auflage, gr. 8, Przemysl 1877, 312 S., Verlag von Aron Faust, Krakau) hat sich als ein sehr gutes Nachschlagebuch, besonders für Prediger, bewährt. — In Paris starben Herr Antoine Königswarter, Mitglied des Zentral- Konsistoriums von Frankreich und Algier und Herr H. Levin, Rabbiner der polnischen Gemeinde. Daselbst verstarb im September einer der angesehensten