Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1884)
- Date
- 1884-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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42 ■« Ausstattung. Der Reinertrag ist zum Teile für eine durch die Wiener israel. Allianz in's Leben zu rufende Montefiore-Stiftung bestimmt. Auch von unserm geschätztey Mitarbeiter Rabbiner Di'. Julius David, Prediger der israel. Religionsaemeinde in Preßburg, ist aus demselben Anlasse auf ausdrücklichen Wunsch Vieler eine schwungvolle Rede erschienen, der eine andere Rede „Ein Wort an die getrennten Juden Ungarns" vorangeht. Aus letzterer Rede, die vom Geiste des Friedens durchweht ist, heben wir die Schlußworte hervor, die auch deutsche Gemeindevorstände, die jetzt in sogenanntem Frieden machen, beherzigen mögen: „Liebet die Wahrheit und den Frieden! Achtet auf die Wahrheit und die Ueberzeugung, wenn ihr Frieden stiftet, denn ein Friede auf Kosten der Wahrheit und Ueberzeugung ist nicht von Dauer und Bestand." Diese beiden vorzüglichen Reden waren wert veröffentlicht zu werden, da sie in Bezug auf Inhalt und Form alle Anerkennung verdienen. Von dem Jubilar ist an den Mendelssohn-Verein in Frankfurt a. M. folgendes Schreiben eingelaufen: East Cliff Lodge Ramsgate, 19. November 5644 (1883). An Herrn Dr. Adolf Brüll, Präses des Mendelssohn- Vereins und-an die Herren Mitglieder desselben, Frankfurt a. M. Wertheste Herren! Ihre sehr geehrte Zuschrift, worin Sie so freundlich waren mir Ihre Segensgrüße zu meinem 99. Geburtstage darzubringen, ist mir am 8. Cheschwan, mit vielen hundert anderen Glückwünschen von nieinen Gönnern und Freunden richtig zu Händen gekommen. Ich war höchst erfreut über die Aufmerksamkeit, die Sie mir schenkten, und gebe Ihnen die Versicherung, daß ich Ihre Teilnahme an dem Freudenfeste, welches mir hier von so vielen teuren Freunden bereitet wurde, hochzuschätzen weiß. Damit Ihr wertes Schreiben auch künftigen Generationen zum Andenken diene, wie liebevoll und wohlwollend ich, durch Gottes Gnade, von so vielen Freunden an diesem Tage begrüßt wurde, habe ich dasselbe in die Bibliothek Judith Lady Montefiore’s theological College legen lassen, wo bereits schon viele meiner wichtigsten Dokumente aufbewahrt werden. Mit dem inbrünstigen Gebete, daß der Himmel Ihnen und den lieben Ihrigen alles erdmkliche Gute verleihen möge und uns allesammt bald das hohe Glück zu Teil werde, die Welt durch die Anerkennung des einzigen ewigen Gottes und die Beobachtung seiner heiligen Gesetze gesegnet zu sehen bleibe ich, mit vieler Hochachtung Ihr ganz ergebenster Moses Montefiore. — In Jerusalem wurden am 3. September v. Js. 15 neugebaute Häuser und am 21. September 21 Häuser eingeweiht, zu deren Bau die nötigen Summen aus dem Moses Montefiore- Testamonial-Fonds vorgeschossen wurden. — Die akademische Senat-Commission der Prager Universität hat beschlossen, gegen Prof. Rohling die Disciplinaruntersuchung nicht einzuleiten und gleichzeitig ihr Bedauern über die Schreibweise dieses Prof, auszusprechen. Wir haben unter den drei Männern, die diese Kommission bildeten, keinen gefunden, der auch nur im Entferntesten die Rohling'schen Schriften auf ihren Wert und Unwert prüfen könnte. Es handelt sich nicht um die Schreibweise, sondern um die vielfachen Fehler, die Rohling aus Unkenntnis des talmudischen Schrifttums begangen, die ihn aber in den Äugender Gelehrten selbst richten. — Stöcker, dem der Londoner Lordmayor Fowler das Mansion House, in welchem seiner Zeit erhebende Demonstrationen gegen die Judenverfolgungen in Rußland stattfanden, zur Abhaltung von Vorträgen nicht einräumte, sprach im Saale der Memorial Hall unter großem Tumulte der Anwesenden- und gab im Stephens Klub ein Privatissimum über die Judenstage, wo er sich ungestört aussprechen konnte. — In Halle hat Oberbürgermeister Staude anläßlich der Lutherfeier sich gegen die Judenhetze, wie sie von einigen evangelischen Geist-