Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1884)
- Date
- 1884-02-01
- Page
- Seite 41 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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41 Jaff4 und Jakob Bernays*) in seiner vordersten Reihe genannt werden. Beide erweisen auch, was es mit dem Satze des Herrn Stöcker auf sich hat: „die Juden studieren, um nicht arbeiten zu müssen." Gerade Böhmer, der doch so manchem protestantischen Historiker, wie Waitz und von Sybel, grollte und mit seinem alten Waffenbruder Pertz zuletzt ganz gebrochen hatte, Böhmer, der an* fangs außer sich gewesen war, daß ein „Berliner Jude" sich an Papstregesten wagte, wurde ein solcher Bewunderer jenes großen Werks und seines Verfassers, daß er nach Jahren und als Jaffö noch Jude war, schreiben konnte: „Jaffä's Charakter ist mir hochachtbar". Jaffä gab der Erforschung der urkundlichen Papstgeschichte den mächtigsten Impuls. Andere setzten sein Werk fort und nun geht man im Vatikan an die Aufgabe, deren erste Lösung schon vor zweiunddreißig Jahren ein „Berliner Jude" unternahm und so meisterlich ausführte. / ßhronik der Tagesereignisse im Iudentume auf sozialem und literarischem Gebiete. Am 24. Oktober und am 8. November 1888, als an den hundertsten Geburtstagen Sir Moses Montefiores nach deutschem und hebräischem Datum **) langten von Nah und Ferne, von Inden und Nichtjuden aller Länder Briefe, Depeschen, Adressen und Glückwünsche an. In Ramsgate, dem Wohnsitze des edlen Greises fanden große Festlichkeiten statt. Die Schulen waren geschlossen, die ganze Stadt festlich dekoriert und die Häuser mit Inschriften wie „Gott segne Sir Moses Montefiore" geziert. Der Denkspruch des Jubilars „denke und danke" strahlte in heller Flainmenschrift. Auch die Königin von England und andere fürstliche Notabilitäten beglückwünschten den Jubilar. In Oesterreich-Ungarn wurde in vielen Synagogen dieser Tag während des Gottesdienstes am Hüttenfeste durch eine Festpredigt, die das Wirken des edlen Moses zum Inhalte hatte, und durch feierliche Recitierung eines eigens hierzu abgefaßten Segenspruches für das Leben des Jubilars, gefeiert. Es liegt uns vor: „Ein zweiter Moses. Festpredigt zur Vorfeier des hundertsten Geburtstages des Baronets Sir Moses Montefiore am Schemini Azereth 5644 (23. Oktober 1883) gehalten von Dr. I. Jakob Unger, Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde in Jglau. (Verlag von Anton Bayer 1883.) Voran geht eine Widmung in hebräischer Sprache, dann schildert der Redner in kurzen markigen Zügen, anknüpfend an Deut. 34, 10—12 das Leben des Jubilars und fordert zum Schlüsse die gesummte Zuhörerschaft auf, sich einmüthig zu erheben vor diesem gottgeweihten Priester im Tempel der Humanität, vor diesem wahrhaften Ritter ohne Furcht und Tadel, vor diesem bewundernswerten Gönner des gesummten jüdischen Volksstammes. Zu dem schönen Inhalte dieser Rede, welche dem Rabbiner-Collegium des Montefiore- Stiftes in Ramsgate gewidmet ist, paßt auch die zweckentsprechende geschmackvolle *) Bergt, über ihn Monatsblätter, Jahrg. I., S. 177. **) In dem Geburtsregister der israelitischen Gemeinde in Livorno findet sich folgende Eintragung: 9. Heschvau 5545, 25. Oktober 1784, a Joseph di Moise Haim e Raquel Montetiore nacque uu figlio che chiamarauo Moise Haim. 4