Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1884)
- Date
- 1884-02-01
- Page
- Seite 40 (sequence 16)
- Language
- German
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40 zu können, und Veit gewährte ihm für jedes Jahr 300 Thaler Vorschuß. Und nun gieng der jüdische Jüngling mit wahrhaft heroischem Fleiße an's Werk; um das Material iin weitesten Umfang zusammenzubringen, mußte er sich die herbsten Entbehrungen auferlegen, die dürftigste Nahrung und Kleidung ertragen und auf jede sonstige Lebensfreude verzichten. Aber er hielt aus und als Michaeli 1851 der gewaltige Quartant „Regesta pontificum Romanorum“ erschien, war seine Unsterblichkeit gesichert, denn die Geschichtsgelehrten aller Länder erkannten sofort, ein Werk ersten Ranges vor sich zu haben, für das selbst Papst Pius IX. seine Anerkennung ausdrücken ließ; doch in dem damaligen Berlin war ihm, dem Juden, der dem Glauben seiner Väter treu bleiben wollte, jede Aussicht auf Beförderung versagt. Tief verbittert entschloß sich der damals 32 jährige, für immer auf historische Studienzu verzichten, gieng, so geheim als möglich, mit dem letzten Reste des Honorars nach Wien, und hier ließ sich der langjährige Doktor der Philosophie und ruhmvolle Verfasser der „Regesta pontificum“ die ihn als ersten Kenner der Papstgeschichte dokumentierten, als — stud. medicinae immatrikulieren! Er verschinähte, die Wiener Historiker aufzusuchen, die ihn mit offenen Armen empfangen haben würden, er widmete sich unter Rokitanski, Skoda, Hyrtl und Oppolzer mit Aufgebot aller Kräfte einer Wissenschaft, an die ihn keine Neigung fesselte; schon nach zwei Jahren konnte er rühmlich als Or. mcd., chirurg. et art obstetr. promovieren; aber die Dissertation „de arte medica saec. XI. zeigte, daß die historischen Studien seine Liebe geblieben waren. Nach der Rückkehr nach Berlin quälte er sich, sich in den neuerwählten Beruf zu finden, es war ihm unmöglich. Und so nahm er an, als ihm Pertz eine schmalbesoldete Stelle als Gehilfe bei der Herausgabe der Monumente O-enaaniae anbot. Eine neue Leidenszeit brach für ihn an, äußerlich war für den so mäßigen Mann gesorgt, aber von dem Eigensinn und despotischen Wesen des hochvornehmen Pertz, dem er als Quellenkritiker, Urkundenforscher und Palüograph weit überlegen war, hatte er viel zu ertragen. Endlich kam eine bessere Zeit, mit der „neuen Stern" (Nov. 1858) gieng ein Morgenrot auch für die Juden auf. Kultusminister von Bethmann-Hollweg wagte zwar nicht, Jaffä, eine Geschichtsprofessur zu geben, aber er ersuchte Ranke um ein Gutachten, (das gedruckt vorliegt) über die Notwendigkeit einer außerordentlichen Professur für Pälographie an der hiesigen Universität und über die Befähigung Jafss's zn dieser Professur. Auf Ranke's wärmste Empfehlung erhielt Jaffä dieselbe und entwickelte in der neuen Stellung außerordentlichen Eifer. Er bildete eine Reihe trefflicher Schüler, gab eine Quellensammlung für ältere deutsche Geschichte (Monumente Karolina, M.Moguntina u. s. w.) in einer Reihe von Bänden heraus, die zu den mustergiltigsten gehört und die Ausgaben von Pertz, den er freilich überall auf's Bitterste censiert, weit überflügelt. Doch darüber kam er nicht mehr zu dem Werke, was er als sein Lebenswerk betrachtete, einer Geschichte Kaisers Friedrich I., wo er vor Allem das Hereiuragen der antiken Kulturwelt in die mittelalterliche schildern wollte; daß ihm als Juden keine geschichtliche Professur zu Teil werden sollte, erschütterte ihn mehr und mehr. Nach langem Schwanken entschloß er sich zum Uebertritt zum Christentum. Aber kaum war er getauft, so kam über den vielgeprüften Mann ein Märtyrium, schwerer als alle früheren, die er erlitten. Der Glaubenswechsel hatte den Bruch mit so Manchen, die ihn: teuer waren, zur Folge. Gewissensbisse folterten ihn, auch die Beförderung blieb aus, endlich überfiel ihn tiefer Schwermut und er machte seinem Leben durch einen Pistolenschuß ein Ende. Wenn es ein Heldentum der Wissenschaft giebt, so dürfen Männer wie Philipp