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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1884-02-01 · Heft 2 (1.2.1884) · p. Seite 39

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
4 (1884)
Issue
Heft 2 (1.2.1884)
Date
1884-02-01
Page
Seite 39 (sequence 15)
Language
German
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39 Erinnerung an Mitipp Jaffa. „ Gegenüber den Verkleinerungen jüdischer Gelehrten und den Verdächtigungen jüdischer Wissenschaftsbestrebungen, an die uns antisemitische Wahrheitsliebe und Sachkenntnis nach und nach gewöhnt haben, berührte es wolthuend, letzthin in der „Voss. Ztg." einer Erinnerung an Philipp Jaffä zu begegnen, die nicht nur vom Geiste verehrender Anerkennung und Bewunderung getragen erscheint, sondern auch zur Ehrenrettung der jüdischen Gelehrten beitragen will. Wir nehmen von jenen Mitteilungen über Jaffas persönliches und wissenschaftliches Schicksal auch darum Notiz, weil es, wenn auch nicht in seinem tragischen Ende, so doch in seinen wesentlichen Zügen typisch ist für das Martyrium, das in den ersten Decenien unseres Jahrhunderts all diejenigen auf sich zu nehmen hatten, die einem innern Drange nicht wiederstehen konnten, sich den „Geisteswissenschaften", wie Philosophie, Philologie, Geschichte rc. zuzuwenden. Auf die Publikation der Documenta Lutherana durch P. Balan soll die der päpstlichen Regesten seit Leo X. folgen, die, wenn mit Wahrheitsliebe und wissentschaftlichem Ernst ausgeführt, eine große Bereicherung der historischen Wissenschaft sein würde. Auch hier ist Deutschland und speciell Berlin schon unr ein Menschenalter Rom vorausgegangen. Als der große Forscher Johann Friedrich Böhmer in Frankfurt a. M. seit 1831 mit seinen von Band zu Band bedeutender werdenden Kaiserregesten hevortrat, die das Entzücken Jacob Grimm's und Leopold Ranke's erregten, und von denen unser Wattenbach sagt, sie hätten mehr geleistet, als alle deutschen Geschichtsvereine zusammengenommen, da erkannte er bald, welchen Wert Regesten der Päpste haben müßten, und er lieferte solche, so weit sie das h. römische Reich deutscher Nation angiengen, in seinen späteren Werken für die Zeit von» Jahre 1198 bis zur Zeit Ludwigs des Bayern. Allein das genügte nicht. Er begehrte vor Allem Regesten vom Anfang der Kirche an bis 1198. Nur erwartete bei seinen Sympathieen für den Katholizismus der „UmindiuB Regestius8, wie ihn sein Freund Clemens Brentano nannte, Papstregesten von einem Katholiken verfaßt zu sehen, und war erschrocken, als er vernahm, ein „Berliner Jude" gehe an die Arbeit. „Papstregesten aus Berlin", rief er aus, „das hieße so, viel als Hymnen und Sequenzen aus Halle!,, Jndeß niemand in Rom noch sonst an einem katholischen Mittelpunkte wagte sich an solch' ein Riesenwerk, nur der „Berliner Jude" unterzog sich der überaus schwierigen Aufgabe. Es war Philipp Jaffs aus Posen (geb. 1819), der in bitterer Armut auf die hiesige Universität gekommen und von Leopold Ranke so unwiderstehlich gefesselt worden war, daß er sich zum Studium der Geschichte entschloß, worüber er mit seinen erzürnten Eltern zerfiel. Aber die Lösung einer Preisaufgabe über Kaiser Lothar den. Sachsen offenbarte seinen eisernen Fleiß und sein herrliches Talent, versöhnte ihn auch mit seinem Vater, der ihn freilich nur wenig zu unterstützen vermochte. Doch das Erscheinen jenes Werkes und der ihm folgenden Geschichte Konrad HL empfahlen ihn seinem hochherzigen Glaubensgenossen, dem in Berlin noch heute verehrten £>r. Moritz Veit, der damals noch seine Buchhandlung inne hatte. Es war der Wendepunkt in Jaffs's Leben. Er gewann den Dr. Veit für den Plan eines Regestenwerks, das in chronologischer Folge sämmtliche Data und Urkunden der Päpste von ihren A nfängen bis 1198, so weit sie zu beschaffen waren, mit historischer Kritik verzeichnen sollte. Jaffs meinte, in fünf Jahren diese gewaltige Arbeit vollenden

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