Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 4 (1884)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1884)
- Date
- 1884-02-01
- Page
- Seite 35 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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35 Und in einem anderen Liede ermutigt der Sänger, erfüllt von Gottvertrauen, die zagenden Zeitgenossen: „Die auf Jahve vertrauen sind wie der Zionsberg, der nimmer wankt, auf ewig bleibt bewohnt! Jerusalem — rings umher Berge und Jahve rings um sein Volk von jetzt an bis in Ewigkeit; denn nicht wird ruhen des Frevels Stab auf der Gerechten Los, damit die Gerechten nicht nach Unrecht ihre Hände strecken. Thue wol, o Jahve, den Guten und den Redlichen in ihrem Herzen; doch die abbiegen in Krümmungen, führ' sie hin, Jahve, mit den Übelthätern. Friede in Israel." (Psalm 125.) Allein die Hoffnung erfüllte sich nicht, die Not endete nicht. Am allerwenigsten war die folgende Zeit, die Regierung des Cambyses geeignet, das Düster, das sich über die Fluren und Gemiiter gelagert, zu verscheuchen. Cambyses rüstetete sich zum Zuge gegen Egypten und ging zu diese»! Zweck ein Bündnis mit den Stämmen des Sinaigebietes ein, die ihm. weil der Wege kundig, als Führer Dienste leisten, zugleich auch für die erforderliche Munition Sorge tragen sollten. Die Schwachen litten, die Wehrlosen mußten zurückweichen. War schon früher die Lage eine trübe, so steigerte sie sich jetzt bis zur Trostlosigkeit. Das persische Heer wälzte seine Truppen gegen Egypten, wie Heuschreckenschwärme lagerten sie über Judäa, alles verzehrend, keinen Rest zurücklassend — „ein Volk kam herangezogen, mächtig ohne Zahl, seine Zähne — Löwenzähne, eines Leuen Gebiß ist das seine" (Joel 1, 6)') sie jagen wie Helden, wie Kriegsmänner er- *) Gegen die Annahme eines hohen Alters des Buches Joel (vgl. Credner, der Prophet Joel, Halle 1831, S. 38-52 Grätz, Gesch. II A. S. 89 f.) macht sich jetzt eine lebhafte und berechtigte Agitation geltend, (s. Hilgenseld, Zeitschr. f. wissensch. Theologie 1870 und Merx, die Prophetie des Joel und ihre Ausleger Halle 1879, letztere Arbeit ist mir nicht zu Gesichte gekommen), deren Urheber bereits Vatke (die Rel. d. a. T. Berlin 1835, S. 462, A. 1) war. Zu den Motiven einer späteren und zwar der nachexil. Abfassung möge folgendes bemerkt werden: Die Anschauung des Propheten bewegt sich ausschließlich um Juda und Jerusalem, dessen Exulanten allein er kennt, während er des nördlichen Reiches auch nicht mit einem Worte gedenkt, vgl. 3, 5; 41, 4, 6, >6. Von Götzendienst in des Volkes Mitte ist nirgends die Rede; hingegen wird mit besonderer Rücksicht vom Tempeldienste und mit Ehrerbietung von Zion und Jerusalem gesprochen 3, 5; 4, 16, 17, 18, 21. Als leitende Organe des Volkslebens erscheinen die Sekenim (vgl. 1, 2, 14 - letztere Stelle ist mit: „Versammelt, ihr Alten alle Bewohner des Landes" zu übersetzen — mit Esr. 10, 8, 14) und die Priester, die „Diener Gottes" und „Diener des Altars" genannt werden. Die wichtige Rolle der letzteren wird durch den Nachdruck, welchen der ihnen stets Vorgesetzte bestimmte Artikel bezeichnen soll, besonders hervorgehoben, während des Königs gar nicht gedacht wird, welchem auffallenden Umstande die syrische Übersetzung dadurch abhilft, daß sie zu 1, 9 „der König" hinzufügte. Auch die religiöse Anschauung des Buches bekundet deutlich den Einfluß der späteren Zeit. Neben dem Opfer ist namentlich hervorgehoben die Bedeutung des Fastens, das durch „zomM, ein Ausdruck, der nur in den späteren Schriften gebraucht wird, wiedergegeben wird. Die messianische Idee ist ganz unbestimmt gehalten, von einenr persönlichen Messias ist nirgends die Rede; das Volk hatte sich allmälig gewöhnt, wie wir dies bereits beim Auftreten Cyrus sahen, nur die Messiasidee ohne Rücksicht auf die Person im Auge zu behalten. Auch die Ausmalung des „großen, furchtbaren Tages Jahve's (vgl. Mal. 3, 23), die. universelle Färbung des Zukunftgedankens: „Das Ausgießen des Geistes über alles Fleisch, selbst über Knechte und Mägde" (Joel 3, 1, 2), führen uns zu dem Jdeekreise des Deutero-Jesaia. Nicht minder zeigt die Sprache bei einzelnen Wortbildungen Spuren späterer Zeit, vgl. i, 7, 17; 2, 6, 19; 4, 10, 17. Die Ansicht, daß im 1. Kap. von keiner wirklichen Heuschreckenplage, sondern von einer Invasion feindlicher Völkerschaften gesprochen wird, ist die älteste und verbreiteste; vgl. den Ausdruck „gegen mein Land ziehen" 1, 6, ferner das Bild „seine Zähne Löwenzähne" ibiä. das auf Heuschrecken angewende*, ein Verstoß gegen das dichterische Gefühl wäre; auch den Umstand, daß eine solche Landesplage, wohl einzelne Striche, nicht aber ganze Gegenden (1, 9, 12) verödet, endlich daß „hazephoni“ keinesfalls auf Heuschrecken bezogen werden kann, da diese nicht von Norden nach